Innenminister Peter Beuth

Beim Anschlag in Hanau war der Polizeinotruf unterbesetzt - das hat Innenminister Beuth jetzt eingestanden. Einem weiteren Vorwurf gegen die Polizei widerspricht er aber vehement.

Knapp ein Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag mit neun Toten in Hanau hat Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) einen Engpass beim Notruf der Hanauer Polizeistation in der Tatnacht eingeräumt.

"Es ist richtig, dass die Polizeistation nur eine begrenzte Anzahl von Anrufen in dieser Nacht entgegennehmen konnte", erklärte der Minister am Dienstag in Wiesbaden. "Eine Weiterleitung von vielen gleichzeitig eintreffenden Notrufen war zum Zeitpunkt der Tatnacht technisch nicht möglich", so Beuth.

Nach Recherchen des hr, des ARD-Magazins Monitor und des Nachrichtenmagazins Spiegel waren in der Nacht des Anschlags auf der Polizeiwache in den Innenstadt nur zwei Leitungen für Notrufe freigeschaltet und nur ein Beamter vor Ort, um die Anrufe anzunehmen. Der Vater des getöteten Vili-Viorel Păun gibt deswegen der Polizei eine Mitschuld am Tod seines Sohnes. Dieser hatte in der Tatnacht vergeblich versucht, den Notruf zu erreichen.

Notrufe sollen zentralisiert werden

Um solch folgenschwere Pannen in Zukunft zu verhindern, sollen künftig alle Notrufe zentral in einer Leitstelle einlaufen, wie Beuth ankündigte. Die Umstellung werde mit dem Umzug des Polizeipräsidiums Südosthessen in die neue Dienststelle umgesetzt. Alle anderen hessischen Polizeipräsidien hätten bereits zentrale Notruf-Leitstellen.

Zugleich hob Beuth erneut das schnelle Handeln der Einsatzkräfte in der Hanauer Tatnacht hervor. "Nach meinem Kenntnisstand hat die hessische Polizei nach dem Eingang erster Notrufe unmittelbar gehandelt und war innerhalb von nur ein bis zwei Minuten am ersten Tatort am Heumarkt", erklärte er. "Am Tatort in Hanau-Kesselstadt trafen polizeiliche Kräfte drei bis vier Minuten nach der Meldung per Notruf ein."

Zuvor hatte die Hanauer Staatsanwaltschaft ein Prüfverfahren wegen des offenbar mangelhaft besetzten Polizeinotrufs in der Stadt eingeleitet. Es gehe um den Vorwurf der Nichterreichbarkeit am Tag des Anschlags, hatte die Behörde mitgeteilt.

Beuth erteilt Notausgang-Gerüchten eine Absage

Am 19. Februar 2020 hatte der 43 Jahre alte Tobias R. in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Zuvor hatte der Mann Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht. Nach der Tat soll R. auch seine Mutter umgebracht haben, bevor er sich selbst tötete.

Fünf seiner Opfer erschoss R. in einem Kiosk und der angrenzenden Arena-Bar. Dabei spielte ihm auch ein verschlossener Notausgang in die Hände. Gerüchten, der Notausgang in der Shisha-Bar sei auf polizeiliche Anweisung verschlossen gewesen, erteilte Beuth eine klare Absage: "Die hessische Polizei würde niemals Anweisungen erteilen, die den Gesetzen zuwiderlaufen." Die Polizei hätte das zuständige Gewerbeamt sogar zuletzt im Jahr 2017 darauf hingewiesen, dass der Notausgang zum Zeitpunkt einer damaligen Gaststättenkontrolle unerlaubterweise verschlossen war.

Sendung: hr-iNFO, 02.02.2021, 15.00 Uhr