Bildkombo: Angeklagter vor Gericht, Opfer Goerke mit Drohbrief
Der Angeklagte mit seinem Anwalt vor Gericht. Opfer Goerke (rechts) zeigt den Drohbrief. Bild © hr, picture-alliance/dpa

Nach einer Psychoterror-Kampagne ist ein ehemaliger Funktionär der "Jungen Alternative" zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte einem politischen Gegner zugesetzt und ihn des Mordes bezichtigt.

Sechs Monate Bewährungsstrafe - das ist das Urteil, das das Amtsgericht Fulda am Donnerstag gegen einen 36-Jährigen verhängt hat. Nach Überzeugung des Gerichts hatte das ehemalige Vorstandsmitglied der "Jungen Alternative" - der Nachwuchsorganisatoin der AfD - im Februar 2017 den Notruf gewählt. Unter dem Namen des bekannten linken Aktivisten Andreas Goerke behauptete er, seine - vorgeblich also Goerkes - Frau getötet zu haben.

Psychoterror gegen Linksaktivist

Der fingierte Notruf hatte einen großen Polizeieinsatz ausgelöst. Goerke ist Aktivist des linken Bündnisses "Fulda stellt sich quer". Er hatte mit seinem Verein, der gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus kämpft, zuvor zum Protest gegen eine Veranstaltung des AfD-Kreisverbandes Fulda aufgerufen.

Der Anruf war der vorläufige Höhepunkt einer monatelangen Psychoterror-Kampagne. So hatte Goerke immer wieder Mitgliederwerbung der NPD und nicht bestellte Pizzalieferungen erhalten. Außerdem gab es einen falschen Feueralarm und eine Morddrohung gegen seinen 17-jährigen Sohn.

Angeklagter spricht von Intrige

Angeklagt war allerdings nur das fingierte Mordgeständnis über den Notruf. Der Beschuldigte, der inzwischen aus der AfD ausgetreten ist, hatte die Vorwürfe bestritten. Er sehe sich als Opfer einer Intrige innerhalb seiner früheren Partei, sagte er während des Prozesses.

Der Richter glaubte jedoch den Belastungszeugen. Unter anderem hatte der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann aus Neuhof (Fulda) erklärt, er erkenne die Stimme des Anrufers als die des Angeklagten wieder. Außerdem soll der Angeklagte gegenüber einer früheren Parteikollegin mit der Tat geprahlt haben.

Gericht: Tat war politisch motiviert

Das Gericht verurteilte den 36-Jährigen schließlich wegen falscher Verdächtigung und Missbrauchs von Notrufen. Die Tat sah der Richter als politisch motiviert an. Der Angriff habe sich gegen Goerke nicht als Person, sondern als Repräsentant von "Fulda stellt sich quer" gerichtet.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte bereits Rechtsmittel an.