Bildkombination aus einer Bahnlok von vorn und einer Puppe, bekleidet mit echten Kleidern und Schuhen, wie sie auf dem Boden liegt.

Sie haben menschenähnliche Puppen auf Bahngleise gelegt und damit Regionalzüge zu Notbremsungen gezwungen: Das Gericht in Korbach hat zwei junge Männer deshalb zu Bewährungsstrafen verurteilt. Leidtragende der "Streiche" waren vor allem die Lokführer.

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Prozess in Korbach: Puppen auf Bahnschienen gelegt

Bildkombination aus einer Bahnlok von vorn und einer Puppe, bekleidet mit echten Kleidern und Schuhen, wie sie auf dem Boden liegt.
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Über diesen Streich konnte niemand lachen: Zwei junge Männer haben menschenähnliche Puppen aus Holz gebaut, ihnen echte Kleidung angezogen und sie auf Bahngleise gelegt. Am Mittwoch wurden die beiden Täter vor dem Amtsgericht Korbach zu Bewährungsstrafen sowie zu Schmerzensgeld in Höhe von je 3.000 Euro verurteilt.

Das Gericht befand nach Angaben eines Sprechers vom Donnerstag die beiden des vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und der vorsätzlichen Körperverletzung für schuldig. Der 21-Jährige erhielt eine Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. Sein 23 Jahre alter Komplize bekam eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten, weil eine noch ausstehende Strafe eines anderen Gerichts eingerechnet wurde.

Die beiden Männer legten die Puppen im vergangenen Jahr auf Bahnstrecken in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) und dem benachbarten Marsberg (NRW). In beiden Fällen näherten sich Regionalbahnen und überfuhren die Puppen trotz eingeleiteter Gefahrenbremsung.

"Blaulichtbegeisterung" als Motivation

Wie sie auf die Idee gekommen waren, konnten die Angeklagten vor Gericht nicht erklären. Sie seien durch die Pandemie gelangweilt gewesen und wollten die Rettungskräfte bei ihrem Einsatz beobachten. Die zuständige Richterin attestierte ihnen eine "Blaulichtbegeisterung".

Von den Reisenden im Zug wurde durch die Notbremsung niemand verletzt. Die Lokführer erlitten jeweils einen Schock und waren wochenlang arbeitsunfähig; sie dachten, sie hätten einen Menschen überfahren. Dass es sich um Puppen handelt, war für sie zunächst nicht zu erkennen. Die Anklage lautete deshalb neben Gefährdung des Bahnverkehrs auch auf Körperverletzung.

Über die Folgen für die Lokführer hätten sie nicht nachgedacht, sagten die Angeklagten vor Gericht. Sie zeigten sich vor Gericht erschrocken über die Auswirkungen ihres "Streichs" und entschuldigten sich bei den Lokführern.

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