Das abgesperrte Unglücksflugzeug

Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Flugunglück auf der Wasserkuppe mit drei Toten ist das Urteil gegen den Piloten gesprochen worden. Das Gericht entsprach in weiten Teilen der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Prozess nach Flugzeugunglück auf der Wasserkuppe

Landgericht Fulda
Ende des Audiobeitrags

Im Prozess um den tödlichen Flugunfall, bei dem eine Frau und ihre beiden Kinder auf der Wasserkuppe ums Leben kamen, ist das Urteil gefallen. Das Landgericht Fulda verhängte am Donnerstag für den 58 Jahre alten Piloten sechs Monate auf Bewährung. Das Urteil ist rechtskräftig. Alle Verfahrensbeteiligten erklärten, auf Rechtsmittel zu verzichten.

In dem Verfahren ging es um den Verdacht der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Gefährdung des Luftverkehrs. Fahrlässige Tötung wird in der Regel mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft.

Das Urteil entsprach weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie hatte neben den sechs Monaten auf Bewährung auf eine Zahlung von 10.000 Euro plädiert und angeregt, dass sich der Angeklagte verpflichten möge, sich ehrenamtlich in einer Opferschutz-Organisation zu betätigen.

Angeklagter will 5.000 Euro zahlen

In einer Mitteilung des Gerichts hieß es, dass sich der Angeklagte bereit erklärt habe, dem hinterbliebenen Ehemann 5.000 Euro zu zahlen. Der Anwalt der Nebenklage hatte in seinem Plädoyer auf die Nennung eines Strafmaßes verzichtet.

Die beiden Verteidiger hielten eine Verwarnung mit Strafvorbehalt für angemessen, konkret 180 Tagessätze mit Bewährung unter der Auflage, Arbeitsstunden bei einer Opferschutzorganisation abzuleisten und 5.000 Euro als Schmerzensgeld an den Vater der getöteten Kinder zu zahlen.

Zu einer von Verfahrensbeteiligten erwogenen Einstellung des Prozesses gegen Zahlung einer Geldauflage kam es am Donnerstag nicht. Der Tod der drei Menschen wiege zu schwer, begründete das Gericht.

Pilot tut es "wahnsinnig leid"

Zum Prozessauftakt im Februar hatte der angeklagte Pilot den Angehörigen sein tiefes Bedauern ausgedrückt. "Es tut mir wahnsinnig leid", sagte der 58-Jährige. "Ich kann nicht verstehen, wie dieser schlimme Unfall passieren konnte, der so viel Leid gebracht hat." Sein Anwalt erklärte, sein Mandant würde alles dafür geben, den Flug ungeschehen zu machen. Der Verteidiger sprach von einer "Tragödie".

Dem Angeklagten aus Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz wurde zur Last gelegt, bei der misslungenen Landung im Oktober 2018 mit seiner einmotorigen Propellermaschine für den Tod der Frau und ihrer beiden Kinder aus Sinntal-Schwarzenfels (Main-Kinzig) verantwortlich zu sein.

Die Maschine schoss auf dem Flugplatz in Gersfeld (Fulda) über die Landebahn hinaus, erfasste an einem quer zur Landebahn verlaufenden Gehweg die 39 Jahre alte Frau, deren zwölf Jahre alte Tochter und den elfjährigen Sohn mit noch laufendem Propeller und kam erst einige Meter weiter auf einer Wiese zum Stehen. Die drei Opfer starben noch am Unfallort.

Gersfeld

Anklage: Pilot beging viele Fehler

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Piloten zahlreiche Fehler vor. Er soll den Flug angetreten haben, obwohl die Maschine zu schwer gewesen sei. Das in Mannheim gestartete Leichtflugzeug vom Typ Cessna 172N war mit drei weiteren Männern besetzt.

Laut Staatsanwaltschaft hätten Maschine und Insassen nur 1.043 Kilogramm wiegen dürfen. Letztlich sei sie mit mindestens 32 Kilogramm überladen gewesen. Aufgrund der damit verbundenen Leistungseinbußen der Maschine hätte der Pilot nicht fliegen dürfen, wie die Staatsanwaltschaft befand.

Der Verteidiger des Angeklagten sagte zum Vorwurf der überladenen Maschine: Sein Mandant sei davon ausgegangen, dass die Zuladung für das Flugzeug voll ausgeschöpft, aber nicht überschritten gewesen sei.

Zu schnell über die Landebahn gerast

Die Anklage wirft dem Piloten weiter vor: Bei der Landung habe er den Anflug verkürzt und die Landeklappen falsch bedient. Zudem habe er die Maschine mit deutlich überhöhtem Tempo aufgesetzt. Der zu spät unternommene Versuch, die Maschine durchzustarten und wieder abzuheben, endete dann in einer Katastrophe.

Die Wetterbedingungen waren zum Unfall-Zeitpunkt nach Angaben des Flugplatzes unproblematisch. Eine technische Störung lag an der Maschine nicht vor, wie die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen ermittelt hatte. Technische Mängel hätten etwa zum Unfallgeschehen beitragen können.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 18.03.2021, 19.30 Uhr