Landgericht Fulda

Sechs Männer sind in Fulda wegen Entführung, Körperverletzung und Erpressung zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Sie hatten einen 21-Jährigen in ein Waldstück verschleppt, ihn geschlagen und erpresst. Der Richter ließ sie mit einem blauen Auge davonkommen.

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Das Foto zeigt den Gerichtssaal mit allen Prozessbeteiligten.
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Im Prozess am Landgericht Fulda um eine Entführung und Erpressung sind am Donnerstag die sechs Angeklagten zu Freiheitsstrafen zwischen 15 Monaten und zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden.

Das Gericht verhängte zudem mehrere hundert Euro Schmerzensgeld für das Opfer. Auch Geldbußen sind an gemeinnützige Organisationen zu zahlen. Einer der Angeklagten wurde zusätzlich noch wegen Drogenhandels zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

Vorgeworfen wurde den Männern unter anderem versuchte schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung sowie erpresserischer Menschenraub.

Richter: Allmachtsfantasien von harten Burschen

Der Richter sagte den sechs Verurteilten, dass sie noch mal mit einem blauen Auge davon kämen. Sie hätten mit der Aktion offenbar beweisen wollen, was für harte Burschen sie seien, sich Achtung verschaffen und ihre Allmachtsfantasien ausleben wollen. Milde ließ er walten, weil sie sich vor- und nachher nichts zu Schulden haben kommen lassen.

Die Männer zwischen 20 und 23 Jahren hatten Anfang September 2018 einen ihnen bekannten 21-Jährigen mit einem Kleinbus aus der Fuldaer Innenstadt in ein Waldgebiet im Stadtteil Niesig gebracht. Dort schlugen und traten sie heftig auf ihn ein, auch ein Stock sei benutzt worden.

Mehr als 1.000 Euro gefordert

Die Gruppe forderte mehr als 1.000 Euro vom Entführten, allerdings vergebens. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, war das Opfer laut Anklage von den Männern auch mit einem Schreckschuss-Revolver bedroht worden. Die Waffe sei ihm an den Kopf gehalten und nah am Gesicht vorbei abgefeuert worden. Der Mann erlitt ein Knalltrauma und war eine Woche lang arbeitsunfähig.

Durch die Schläge erlitt er Verletzungen im Gesicht, am Brustkorb und Oberschenkel. Es sei so heftig gewesen, dass er danach Blut gehustet habe, sagte der Angeklagte.

Sendung: hr4, 10.12.2020, 16.30 Uhr