Oktober 2019: Der Lastwagen rammte mehrere Autos in der Limburger Innenstadt.

Der Fall um die Lkw-Attacke in der Limburger Innenstadt mit 18 Verletzten muss neu verhandelt werden. Der Bundesgerichtshof hob das Strafmaß des Landgerichts auf - eines der angeführten Mordmerkmale sei nicht tragfähig belegt.

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Audioseite Limburger Lkw-Attacke muss neu verhandelt werden

Der Angeklagte im Limburger Prozess um eine Lkw-Attacke mit 18 Verletzten
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Zwei Jahre nach der Lastwagen-Attacke in der Innenstadt von Limburg mit 18 Verletzten muss das Landgericht Limburg den Fall neu verhandeln. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob die verhängte Gesamtstrafe wegen eines möglichen Rechtsfehlers auf und gab damit der Revision des Täters in Teilen statt.

Die grundsätzliche Verurteilung des Mannes wegen versuchten Mordes ließ das oberste Gericht in Karlsruhe mit seinem inzwischen veröffentlichten Beschluss vom 21. Juli allerdings unangetastet (Az.: 4 StR 53/21).

BGH: Eines der Mordmerkmale nicht tragfähig belegbar

Der Mann war im November 2020 vom Landgericht zu knapp neun Jahren Haft verurteilt worden. Die Schwurgerichtskammer am Limburger Landgericht hatte gleich zwei Mordmerkmale gesehen: Heimtücke und der Einsatz eines gemeingefährlichen Mittels. Der BGH kam hingegen zu dem Schluss, das Mordmerkmal der Heimtücke könne nicht tragfähig belegt werden. Lediglich die "Tötung mit einem gemeingefährlichen Mittel" sei bewiesen - ebenfalls ein Mordmerkmal.

Der Angeklagte soll im Oktober 2019 mit einem zuvor gekaperten Lastwagen an einer Ampelkreuzung in der Limburger Innenstadt absichtlich in stehende Autos gefahren sein und diese aufeinandergeschoben haben.

Staatsanwaltschaft forderte knapp sieben Jahre

Dass niemand starb, war laut dem Vorsitzenden Richter am Landgericht "ein außergewöhnlich glücklicher Zufall". Das Gericht ging in seinem damaligen Urteil über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß von sechs Jahren und zehn Monaten hinaus. Die Verteidigung des Angeklagten hatte auf eine Haftstrafe von zwei Jahren plädiert, unter anderem wegen Körperverletzung. 

Der Angeklagte, ein aus Syrien stammender Flüchtling, hatte sich in dem Prozess entschuldigt und auf Erinnerungslücken, traumatische Erlebnisse in seiner Heimat und Drogenkonsum verwiesen.

Sendung: hr-iNFO, 17.09.2021, 16:30 Uhr