Ein Birkhahn auf einer Heidefläche
Ein Birkhahn auf einer Heidefläche Bild © picture-alliance/dpa

Die Artenvielfalt in der Rhön ist nach Ansicht von Naturschutz-Experten stark bedroht. Akut gefährdet ist demnach das Birkhuhn. Stirbt der Vogel dort aus, verschwinden auch andere Arten.

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Dipperz Biosphärenreservat Rhön

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Darum heißt die Rhön "Land der offenen Fernen"

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Die Rhön ist laut Naturschutzexperten eines der letzten Rückzugsorte für einige Tiere, die andernorts bereits fehlen. "Wir müssen aufpassen, dass der Aderlass nicht noch größer wird. Der Auerhahn und der Kiebitz sowie einige Fledermausarten sind wegen der Umwelteinflüsse bereits verschwunden", sagt der Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Torsten Raab, in Gersfeld.

Vom Aussterben akut bedroht ist beispielsweise auch das Birkhuhn. Etwa 25 Exemplare leben aktuell nur noch in der Rhön, in den 60er-Jahren waren es noch mehr als 600 Tiere. Ende der 1970er und Anfang der 1980er brach die Population ein. Die Lebensbedingungen wurden immer schlechter - bis heute.

Birkhühner eigens importiert

"Der Charaktervogel der Rhön ist äußerst selten geworden. Wir müssen ihn bewahren, weil er als Leitart eine Signalwirkung besitzt: Stirbt das Birkhuhn aus, folgen erfahrungsgemäß weitere Arten", erklärte Torsten Kirchner vom Rhöner Birkhuhn-Schutzprojekt.

Damit die Population nicht weiter schrumpft, werden sogar Vögel aus Schweden importiert. "Ohne die Unterstützung, wäre das Birkhuhn hier bereits ausgestorben", befand Kirchner. In acht Jahren wurden knapp 150 Birkhühner aus Europas Norden in die Rhön gebracht. Aber nur einige davon überlebten.

Birkhuhn-Erhalt kommt Vielfalt zugute

Stark unter Druck steht das Birkwild wegen seiner Fressfeinde. Fuchs, Uhu und Kolkrabe mögen die auffällig gefiederten Vögel. Der Lebensraum der Freiland liebenden Birkhühner hat sich durch die Aufforstung der Nachkriegsjahre verschlechtert. Gestört werden sie auch durch die Landwirtschaft und Freizeitsportler, etwa Wanderer und Mountainbiker, wie Kirchner erklärt.

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Das Birkhuhn

Birkhühner gehören zur Familie der Raufußhühner. Sie sind etwa so groß wie Haushühner, wiegen rund 1,2 Kilogramm. Die Weibchen tragen ein bräunliches Federkleid, die Männchen sind blauschwarz. Besonderes Merkmal beim Männchen: die beiden roten Balzrosen über den Augen und das krumme Gefieder am Hinterteil. Birkhühner leben in Heide- und Moorgebiete sowie stark gelichtete Waldflächen.

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Doch die Birkhuhn-Schützer haben gegengesteuert. Die Fressfeinde werden in der Rhöhn bejagt, die Wege der Freizeitsportler effektiver gelenkt, um Stress für die Tiere zu vermeiden. Und Landwirte helfen durch Mähen der Flächen, das Land offen zu halten.

"Alles in allem haben wir den Bestand aber auf niedrigem Niveau stabilisiert", bilanziert Kirchner. Von Bayern kommen auch immer wieder Birkhühner nach Hessen herüber, meist ins Rote Moor. Und auch in Thüringen werden sie vereinzelt gesichtet. Beim Birkhuhn-Projekt gehe es schließlich nicht nur um eine Art. "Alle Maßnahmen für diese Vögel kommen einer großen Vielfalt zugute."