Ameisen, verpackt in ein Reagenzglas und bereit zum Verschicken

Es muss nicht immer ein Hamster sein. Ein Schüler aus Kassel züchtet daheim ganze Kolonien von Ameisen. Ob australische Bulldogenameise oder gemeine Waldameise: Der Online-Handel des Jungen floriert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ameisen-Zucht statt Goldfische: 15-Jähriger handelt mit Insekten

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Niclas Ochonski hatte mal Goldfische, aber die konnten nicht viel und brauchten umso mehr Platz - ein Freund brachte den 15-Jährigen auf die Ameisenzucht. "Das fand ich viel spannender", sagt er, denn bei Ameisen ist immer was los: Unter ihnen gibt es Soldaten, Arbeiterinnen, Königinnen, die ganze Ameisenstaaten bilden.

Mittlerweile züchtet der Schüler die Insekten und vertreibt sie in einem Online-Handel vom Elternhaus aus. Nachfrage gebe es genug, sagt Niclas, zehn Kundenanfragen bekommt er pro Woche. Ein paar hundert Euro bleiben beim Handel im Monat übrig.

Wertanlagen: Ameisen-Kolonie für 1.000 Euro

In Kisten im Kinderzimmer und im Keller liegen versandfertig Plastik-Reagenzgläser mit kleinen Kolonien aus mehreren Ameisen, trächtigen Königinnen oder Königinnen, die schon ein Eier gelegt haben. Die teuersten Ameisen sind die selteneren Sorten wie die australische Myrmecia aus der Gattung der Bulldoggenameisen.

Bis zu 700 Euro kann eine Königin kosten, eine Kolonie von mehreren Ameisen sogar mehr als 1.000 Euro. Gerade sei die Myrmecia besonders gefragt: Wegen der australischen Buschbrände gebe es weniger Ameisen in der natürlichen Umgebung und damit stiegen auch in Deutschland die Preise.

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Eine echte Wertanlage: "Wenn man die gut hält und die Kolonie wächst und gedeiht, dann steigt sie im Wert - wie bei Kois", sagt Niclas. Für die ganz teuren Ameisen kommen die Kunden extra nach Kassel, damit beim Transport nichts kaputt geht. Nicht, dass die Tierchen noch davon wuseln.

Ameisen: Giftige Jäger und Haustier-Halter

Seine australischen Ameisen hält Niclas im Kellerraum in einem Formicarium, einem Ameisen-Terrarium mit Plexiglasgängen, Sandboden und Brutstätten für den Nachwuchs. Heizstäbe sorgen für australische Temperaturen. Nur Kuscheln ist nicht drin. Die Myrmecia verteidigt sich mit einem Gift, das ähnlich wirksam ist wie das einer Wespe und zu starken Schmerzen führen kann.

"Wenn ein Fremder ins Formicarium greift, dann werden sie das verteidigen und auch zustechen", erklärt Niclas: "Die können einen Meter weit sehen und jagen auch, wenn man sie ärgert." Bringt Niclas frische Heuschrecken, kann es sein, dass seine Lieblinge an die Scheibe kommen und warten. Fast wie andere Haustiere.

Günstige Starter-Ameisen

Für Einsteiger geht es aber auch günstiger. In Niclas' Online-Shop gibt es die schwarze Wegameise Lasius Niger für 3,20 Euro - pro Königin samt Arbeiterinnen. Die Art ist bekannt auch von deutschen Grünflächen und aus Wäldern, die Pflege ist einfach. "Sie verzeiht ohne große Probleme", heißt es auf Niclas' Internetseite. Und diese Ameise ist nicht nur ein Haustier, sie hält sich selbst welche: Sie umsorgt Blattläuse und melkt deren Honigtau, ein zuckerhaltiges Ausscheidungsprodukt.

Der Handel mit diesen Tierchen ist nicht gerade das naheliegendste Hobby. Aber die Ameisen-Community sei mittlerweile groß in Deutschland, sagt Niclas. Es gebe Whatsapp- und Facebook-Gruppen mit 1.000 Mitgliedern.

Seine Eltern sahen das Hobby am Anfang skeptisch, vor allem wegen der Gefahr, dass ganze Kolonien ausbrechen und durchs Haus laufen könnten. Mittlerweile hat Niclas seiner Mutter eine eigene Ameisenkolonie geschenkt. Die freundlichen Blattfresser leben im Obergeschoss auf einem eigenen Tisch am Fenster.

Sendung: hr4, 12.03.2020, 7.43 Uhr