whatsappgruppen

Nach einer bundesweiten Kinderporno-Razzia bei jugendlichen Verdächtigen geht das BKA von Leichtsinn als Motiv aus. Eine pädophile Motivation gebe es nicht. Die Jugendlichen waren überrascht von den strafrechtlichen Konsequenzen.

Videobeitrag

Video

zum Video Kinderpornografie – vier Verdächtige aus Hessen

hs
Ende des Videobeitrags

Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden hat am Montag weitere Details zu den bundesweiten Razzien wegen der Verbreitung von kinderpornografischen Videos über soziale Netzwerke mitgeteilt. Bei den Verdächtigen handelte es sich um Jugendliche, die sich Bilder und Videos zuschickten. Vier Verdächtige kommen aus Hessen, sie stammen aus Frankfurt, Wiesbaden, dem Main-Taunus-Kreis und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Beschuldigte zwischen 14 und 26 Jahre alt

Viele der Verdächtigen hätten sich überrascht gezeigt, dass ihre Handlungen strafbar sind und Folgen haben können, sagte die Leiterin der BKA-Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität, Sabine Vogt. Die Durchsuchungen seien auch eine Botschaft, der Verbreitung von Videos entgegen zu wirken. Demnach stellten die Sicherheitsbehörden seit zweieinhalb Jahren fest, dass Kinder und junge Heranwachsende vermehrt eindeutig kinderpornografische Inhalte über Soziale Netzwerke teilen und weiterleiten.

Die Wohnungen von 21 Verdächtigen im Alter von 14 bis 26 Jahren in insgesamt elf Bundesländern waren vergangene Woche von Ermittlern durchsucht worden. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, kinderpornografische Dateien besessen und übers Internet geteilt zu haben. Dabei nutzten sie Messenger-Dienste wie Whatsapp oder Facebook. Bei einem Video ist die Vergewaltigung eines zehnjährigen Kindes zu sehen. Die Videos wurden von den Empfängern teils mit Emojis kommentiert.

BKA: Neugier und Leichtsinn

Die Tatverdächtigen in den aktuellen Fällen unterscheiden sich laut Vogt grundsätzlich von solchen mit pädosexueller Motivation. Das sei daran zu erkennen, "dass die Verteiler die Darstellungen, die häufig nachträglich mit Musik oder Geräuschen unterlegt wurden, lustig finden", sagte Vogt. Sie würden die Videos vielmehr aus Neugier und Leichtsinn verbreiten. Sie rief alle Internetnutzer dazu auf, diese Dateien umgehend zu löschen und auf keinen Fall weiterzuleiten: Die Polizei verfolge solche Fällen konsequent.

"Es handelt sich beim Weiterleiten solcher Bilder und Filme nicht um Bagatelldelikte", sagte Vogt. Vor allem Minderjährige leiteten Fotos und Videos oft an ihre Kontaktgruppen weiter, "ohne sich ausreichende Gedanken über den kinderpornografischen Charakter der geteilten Dateien zu machen", erläuterte die Expertin.

Sendung: hessenschau kompakt, 28.10.2019, 16.45 Uhr