Bombe Frankfurt
Sprengmeister Bennert und die entschärfte Bombe. Bild © hr

Die 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt ist entschärft. Die rund 16.500 Menschen konnten überraschend früh in ihre Wohnungen zurück - und der Sprengmeister fährt jetzt erst einmal in den Urlaub.

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hs

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Aufatmen in Frankfurt: Die Entschärfung der 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Frankfurter Ostend ist am Sonntagnachmittag schon gegen 15.40 Uhr beendet worden. Wie die Polizei per Twitter mitteilte, wurden damit auch die Sperrungen aufgehoben, die Anwohner durften wieder in ihre Häuser zurück. Lediglich der Bereich um ein Pflegeheim blieb vorerst gesperrt, damit Hilfsdienste dessen Bewohner, darunter auch Wachkomapatienten, ungestört zurückfahren konnten.

Sehr gut #Frankfurt ! Die #Weltkriegsbombe ist entschärft, die Sperrungen sind aufgehoben. Ihr dürft zurück. Danke für eure Geduld! https://t.co/BlMbhLfRkt

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Eigentlich waren vier Stunden für die Entschärfung vorgesehen gewesen. Doch der Kampfmittelräumdienst war schon nach zwei Stunden fertig. Dabei hatten die Experten am Sonntag erst später loslegen können, weil die Polizei noch Nachzügler aus der Sperrzone hinausbegleitete. Größere Probleme gab es zwar nicht, aber der Transport von Menschen, die nur eingeschränkt mobil waren, dauerte länger. Betroffen waren insgesamt rund 16.500 Menschen, die bis 8 Uhr morgens ihre Wohnungen in der Sperrzone verlassen haben mussten.

"Besser hätte es für uns nicht laufen können"

"Es ist super gelaufen", sagt Sprengmeister René Bennert dem hr. Die Zünder hätten die Fachleute des Kampfmittelräumdienstes mit einer Raketenklemme herausgedreht. "Sie hat beide Zünder beim jeweils ersten Mal herausgedreht. Besser hätte es für uns nicht laufen können."

Der ursprüngliche Plan, die beiden Zünder mithilfe einer ferngesteuerten Wasserstrahlschneidanlage aus der US-amerikanischen Bombe herauszutrennen, sei deshalb nicht mehr nötig gewesen. Die Bombe wurde danach zur Zwischenlagerung abtransportiert und dann vernichtet. Und Bennert freut sich jetzt erstmal auf seinen Urlaub.

Blindgänger mit 145 Kilogramm Sprengstoff

Der Blindgänger mit 145 Kilogramm Sprengstoff war vor fast zwei Wochen bei Bauarbeiten in der Nähe der Europäischen Zentralbank gefunden worden. Weil die Bombe an ihrem Fundort stabil liegt, musste sie nach Einschätzung des Kampfmittelräumdiensts nicht umgehend unschädlich gemacht werden.

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Anzeigetafel im Frankfurter Ostend mit Hinweis auf die bevorstehende Bombenentschärfung

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sperrzone in Frankfurt wegen Bombenentschärfung

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Schon am Samstagmorgen hatten Feuerwehr und Rettungsdienste die ersten Bewohner eines Pflegeheim verlegt, das im Evakuierungsgebiet liegt. Helfer brachten dabei unter anderem 25 Wachkomapatienten in andere Heime und Krankenhäuser. In der Sperrzone liegen auch drei Altenwohnanlagen.

Von Feuerwehr und Rettungsdiensten waren rund 700 Leute im Einsatz. Die Polizei sprach von mehreren hundert Beamten, die vor Ort ihren Dienst taten.

Wegen der anstehenden Bombenentschärfung mussten Nah-, Regional- und Fernzüge Umwege fahren, einige Straßenbahnlinien stellten den Verkehr ein und auch Passagiere am Flughafen Frankfurt mussten Verzögerungen hinnehmen.

Gefährliche Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg

In Hessen stoßen Arbeiter und Kampfmittelexperten immer wieder auf gefährliche Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg. So waren in den vergangenen Wochen unter anderem zwei Weltkriegsbomben in Gießen entdeckt und unschädlich gemacht worden. Bei Limburg explodierte ein Blindgänger nachts ohne Fremdeinwirkung und riss ein mehrere Meter tiefes Loch in einen Acker.

Zu den Schwerpunkten der Bombenabwürfe im Zweiten Weltkrieg zählten Industriegebiete, Verkehrsknotenpunkte und Zentren der Kämpfe am Boden. Auch nach 1945 wurden noch Kampfmittel verstreut: bei der Sprengung von Munitionsfabriken und bei Manövern auf Truppenübungsplätzen. Experten schätzen, dass im Zweiten Weltkrieg rund ein Zehntel der über Deutschland abgeworfenen Bomben nicht explodiert ist.

Hier gibt es den Liveticker zum Nachlesen.

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 07.07.2019, 19.30 Uhr