"Negative Zukunftsprognose": Halil D. auf der Anklagebank im Landgericht Frankfurt
Halil D. im Landgericht Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Der als "Bombenbastler von Oberursel" bekannte Straftäter Halil D. hat sich in die Türkei abgesetzt. Er hatte im Verdacht gestanden, einen Anschlag auf das Radrennen in Frankfurt geplant zu haben. Zuletzt lebte er in Essen.

Halil D. ist offenbar nicht mehr in Deutschland. Die Polizei in Essen bestätigte am Dienstag einen Bericht des Spiegel, wonach sich der als "Bombenbastler von Oberursel" bekannte Mann in die Türkei abgesetzt hat.

Halil D. stand unter Führungsaufsicht

Dem Bericht zufolge meldete sich Halil D. an einem Sonntagmorgen im November - wie jede Woche - entsprechend der gegen ihn verhängten Auflagen bei der zuständigen Polizeiwache in Essen, wo er zuletzt lebte und unter Führungsaufsicht stand. In der Nacht sei er jedoch mit seinem Auto in die Türkei aufgebrochen. Der Staatsschutz habe später nachvollziehen können, wie Halil D. auf dem Landweg eine Grenze nach der anderen passiert habe.

Der Verteidiger von Halil D., der Frankfurter Anwalt Ali Aydin, sagte dem Spiegel, er wisse nicht, wo sich sein Mandant derzeit aufhalte. Dem Bericht zufolge flogen seine Frau und Kinder bereits vor Monaten in die Türkei.

Rohrbombe und Waffen gefunden

Halil D. stand im Frühjahr 2015 im Verdacht, einen Anschlag auf den Radklassiker in Frankfurt geplant zu haben. Die Veranstaltung war daraufhin abgesagt worden. Ein Gericht sprach ihn davon frei, verurteilte ihn jedoch wegen Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz und Urkundenfälschung. Im Januar dieses Jahres kam er frei, nachdem er zuvor für eine kurze Zeit in die Psychiatrie eingewiesen worden war.

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler Halil D., nachdem er in einem Baumarkt unter falschem Namen und erfundener Adresse drei Liter Wasserstoffperoxid gekauft hatte, das auch zum Bau von Bomben genutzt werden kann. Kurz vor dem Radrennen hatte er sich mehrfach in der Nähe der geplanten Strecke aufgehalten.

Einer der gefährlichsten Islamisten in Nordrhein-Westfalen

Nach seiner Festnahme fanden sich im Keller seines Hauses in Oberursel unter anderem eine Rohrbombe und Waffen. Das Gericht hielt es ursprünglich für wahrscheinlich, dass er einen Anschlag auf das Radrennen zumindest in Betracht gezogen hatte. Doch dafür ergaben sich in dem Prozess keine hinreichenden Beweise.

D. galt als einer der gefährlichsten Islamisten in Nordrhein-Westfalen. Er war nach Spiegel-Informationen wiederholt Thema der Arbeitsgemeinschaft "Risiko-Management" im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum in Berlin. Auf der Skala des Bewertungsinstruments Radar-Ite, mit dem Staatsschützer Gefährder beurteilen, habe er zuletzt 19 Punkte erreicht, einer der höchsten Werte in Nordrhein-Westfalen.

Sendung: hr-iNFO, 11.12.2018, 11 Uhr