Gesperrter Waldweg am Rauschenberg

Jahrzehntelang liefen Spaziergänger am Petersberger Rauschenberg ahnungslos über explosiven Untergrund. Nun werden Bomben und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg aufgespürt. Die Räumung der Kampfmittel ist teuer und kompliziert.

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Blick auf den Rauschenberg in Petersberg
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Nach dem Fund von Munition und Weltkriegsbomben am Rauschenberg in Petersberg (Fulda) und einem Streit um Räumungskosten haben die Arbeiten begonnen. Eine Spezialfirma richtete an dem für Spaziergänger und Jogger beliebten Naherholungsgebiet eine Baustelle ein.

Der Rauschenberg ist wegen der Räumung teilweise weiter gesperrt, Wege sind mit rot-weißem Flatterband und Warnschildern versehen. Denn unter der Erdoberfläche schlummert Explosives. Gemeindesprecher Sebastian Kircher erklärte: Laut Experten könne es bis zu 30 Fundstellen geben.

Explosiv auch 75 Jahre nach Kriegsende

Der Rauschenberg wurde im Zweiten Weltkrieg nicht verschont. Dutzende von Luftangriffen wurden gezählt. Davon zeugen noch heute tiefe Erdkrater. Auf alten Luftbildern sind 140 Bombentrichter zu sehen. Und auch 75 Jahre nach Kriegsende bergen die Sprengkörper noch Gefahr.

Vor etwas mehr als drei Jahren wurden bei Bauarbeiten Munition und Stabbrandbomben entdeckt. Sie lagen unmittelbar unter der Erdoberfläche, nicht mal einen halben Meter tief, wie Kircher sagte. "Gut möglich, dass da noch Blindgänger sind von größeren Bomben - aber das wollen wir erstmal nicht hoffen."

Stabbrandbombe auf Boden mit Maßband daneben

Kranke Bäume als Zusatz-Problem

Die Sprengkörper sind allerdings nicht das einzige Problem für die direkt an Fulda angrenzende Gemeinde. Etliche Bäume sind krank und drohen umzustürzen. Das verkompliziert das Vorgehen. Bürgermeister Carsten Froß (CDU) erklärte dazu: "Die Kampfmittelräumer dürfen eigentlich nicht rein, weil ein Baum umfallen könnte. Und die Gärtner können nicht rein, weil Kampfmittel drin sind." Doch nun gibt es ein Konzept für die Räumung.

Das Vorgehen musste auch mit dem Naturschutz abgestimmt werden. Denn am Rauschenberg leben streng geschützte Tierarten. Um diese nicht zu sehr aufzuschrecken und zu vertreiben, wird abschnittsweise vorgegangen. Bürgermeister Froß sagte der Fuldaer Zeitung angesichts der Umstände: "Das ist ein komplexes Problem, das es deutschlandweit so nicht nie gegeben hat."

Kosten in Millionenhöhe

Die Mission wird zudem nicht gerade günstig. Es wird mit Kosten zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro gerechnet. Eine Summe, die die Gemeinde keinesfalls allein tragen wollte. Es gab Streit und Diskussionen mit dem Land Hessen zur Finanzierung. Nun ist klar: Das Land trägt bis zu 75 Prozent der Kosten.

Bei den Bewohnern in der Region kam bereits massiver Unmut auf wegen der Hängepartie um die nicht starten wollende Bombensuche. Eine Frau fragte bei einer Bürgersprechstunde im Spätsommer, wofür man Steuern zahle, wenn der Staat nicht zügig helfe: "Wir wollen unseren Berg wiederhaben."

Bürger sauer über Schneckentempo

Ein anderer Teilnehmer sagte: Es müsse etwas geschehen, damit nicht irgendwann eine der Bomben hochgehe. Eine andere Anwohnerin kommentierte mürrisch: Wenn die Blindgänger an öffentlichen Straßen gefunden worden wären, würde es mit der Entschärfung schneller gehen.

Da nun endlich die Bombensuche angelaufen ist, kommen die Experten zum Zuge. Ingenieur Ralf Lösing erklärte: "Es ist ein bisschen wie bei einer Schatzsuche am Strand. Man läuft mit Sonden darüber. Und wenn es piept, muss man kontrollieren. Ich suche im Prinzip nach Metallteilen. Dann wird freigegraben und kontrolliert, ob es ein Kampfmittel ist." Das Entschärfen übernimmt letztlich der Kampfmittelräumdienst auf Kosten des Bundes.

Das Ziel der Aktion ist klar: "Wir wollen den Rauschenberg als Naherholungsgebiet erhalten", sagte der Bürgermeister. Doch es ist Geduld gefragt: Die Sprengkörper-Suche soll rund ein Jahr dauern. So lange müssen auch Besucher des Naherholungsgebiets mit Einschränkungen rechnen.

Sendung: hr4, 14.01.2021, 15.30 Uhr