Markus H. (rechts) mit seinem Verteidiger Björn Clemens

Markus H. wurde im Prozess zum Lübcke-Mord weitgehend freigesprochen. Nach hr-Informationen haben Unbekannte in dieser Woche sein Auto angezündet.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Brandanschlag auf Auto von Markus H.

Markus H.
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Der im Lübcke-Prozess weitgehend freigesprochene Neonazi Markus H. ist zum Ziel eines Anschlags geworden. Bereits in der Nacht zum Montag wurde ein Auto, das der 44-Jährige nach hr-Informationen genutzt hat, angezündet und erheblich beschädigt.

In einem Bekennerschreiben, das auf dem linksradikalen Internetportal Indymedia auftauchte, bezichtigten sich Unbekannte der Tat. Markus H. habe bei der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke "mitgeschossen genau wie tausende von afd und pegida", heißt es in dem vollständig kleingeschriebenen Text: "und dafür muss er sich verantworten. das zerstörte auto ist dazu nur ein kleiner beitrag."

Geparkt vor einer angemieteten Garage

Nach Polizeiangaben entstand bei dem Brand ein Schaden von rund 4.000 Euro. Das offenbar vorsätzlich gelegte Feuer habe das Auto "im Frontbereich völlig zerstört".

Dass der Kleinwagen von Markus H. genutzt wurde, wollte Polizeisprecher Matthias Mänz auf Anfrage nicht bestätigen. "Zum Schutz von Persönlichkeitsrechten und aus Opferschutzgründen" mache man dazu grundsätzlich keine Angaben. Ein politisches Motiv der Brandstiftung sei jedoch nicht auszuschließen, auch wenn man derzeit noch in alle Richtungen ermittele. Das Bekennerschreiben sei bekannt und werde geprüft.

Geparkt war das Auto in einem Kasseler Industriegebiet, unweit der Garagenanlage, in der Markus H. schon vor seiner Festnahme im Juni 2019 eine Garage gemietet hatte. Bei einer Durchsuchung waren dort damals NS-Devotionalien in großer Zahl sichergestellt worden, darunter eine Büste von Adolf Hitler und ein handtellergroßes Hakenkreuz. Markus H.s Anwalt Björn Clemens ließ eine Anfrage zu der Tat unbeantwortet.

Nach Ansicht der Anklage hetzte H. Lübckes Mörder auf

Der langjährige rechtsextreme Aktivist Markus H. war im Lübcke-Prozess am Donnerstag zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe wegen eines Waffendelikts verurteilt worden. Vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke sprach ihn das Frankfurter Oberlandesgericht aus Mangel an Beweisen frei.

Die Bundesanwaltschaft hatte Markus H. zur Last gelegt, den am Donnerstag wegen Mordes an Walter Lübcke veruteilten Hauptangeklagten, Stephan Ernst, durch Hetzreden gegen den flüchtlingsfreundlichen Regierungsprädienten, durch gemeinsame Schießtrainings und Besuche von AfD-Kundgebungen im Tatentschluss bestärkt zu haben.

Sendung: hr-iNFO, 29.01.2021, 22 Uhr