Zwei Polizisten vor einem blauen Hintergrund.

Seine Arbeit beginnt, wenn die Flammen gelöscht sind: Kriminalhauptkommissar Wolfgang Wald vom Polizeipräsidium Osthessen ist Brandermittler. Hier zeigt er, wie er und sein Team Brandstiftern auf die Schliche kommen.

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Unterwegs mit den Brandermittlern der Kriminalpolizei Fulda

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Überall nur Schutt und Asche. Ein Brand verwandelt Gebäude und Wohnungen oft in ein Trümmerfeld, in dem kaum noch etwas zu erkennen ist. Auch die Ursache des Feuers erscheint in dem Chaos kaum rekonstruierbar zu sein.

Genau da beginnt die Arbeit von Wolfgang Wald. Er ist Brandursachen-Ermittler im Polizeipräsidium Osthessen in Fulda. "Jede Brandstelle ist anders. Und es ist immer wieder eine neue Herausforderung, die Ursache festzustellen", sagt der 60 Jahre alte Kriminalhauptkommissar.

Bei Einsturzgefahr nichts riskieren

Wenn Wald mit seinem jüngeren Kollegen Christoph Seibert in seinem Ermittlerbus an der Brandstelle eintrifft, verschafft er sich erst einmal einen Überblick. Es gilt nichts zu riskieren. Manche Gebäude sind einsturzgefährdet.

"Ich gehe außen herum, mache Fotos und taste mich von außen nach innen zum Ausbruchbereich des Brandes vor", erklärt Wald. Bei größeren Objekten helfen Bilder von ferngesteuerten Drohnen, die über den Einsatzort fliegen. Dann beginnen auch die Befragungen mit Bewohnern, Zeugen und vor allem mit der Feuerwehr.

Orte rekonstruieren für die Ursachensuche

"Wir versuchen dann die Brandstelle zu rekonstruieren, soweit das möglich ist", erklärt Wald. Denn bei den Löscharbeiten wird der Brandort von der Feuerwehr meist verändert - beispielsweise werden Möbel nach draußen geschafft. Die Brandermittler tun das Gegenteil. Die befördern das Mobiliar zurück in die Räume. "Wir richten sogar teilweise die Einrichtung wieder her, um zu schauen, wo das Feuer ausgebrochen ist", erklärt Wald.

Emotional belastend sei es vor allem, wenn bei einem Brand Menschen ums Leben kamen. "An den Anblick verbrannter Leichen gewöhnt man sich nie", sagt Wald.

Ein Polizist steht neben einer erloschenen Brandstelle und schaut in Richtung Kamera.

Viele Brände seien auf achtloses oder fahrlässiges Verhalten zurückzuführen, sagen die Ermittler. In den Wintermonaten etwa würden durch die unsachgemäße Entsorgung von heißer Asche aus Öfen viele Brände ausgelöst. Wie dann die Untersuchungen aussehen, zeigen die Ermittler in einem von der Polizei produzierten Youtube-Video.

In etwa zehn Prozent seiner Fälle haben es die Ermittler in Fulda mit Brandstiftung zu tun. Der Nachweis ist mitunter gar nicht so kompliziert. Mehrere Brandausbruchsorte sind oft ein Beleg dafür, dass nachgeholfen wurde. "Wenn besondere Brandspuren an einer Couch in der einen Ecke des Raumes und an einem Hocker in der anderen Ecke zu sehen sind, ist die Sache recht klar", erklärt Wald.

Brandbeschleuniger hinterlässt scharfkantige Spuren

Wenn Täter Brandbeschleuniger wie Benzin oder Spiritus vergossen haben, seien charakteristische Spuren zu erkennen, sagt Wald. "Dann ist ein scharfkantiger Abbrand auf dem Boden zu sehen." Zum Einsatz kommt in solchen Fällen auch ein Messgerät. Wald nennt es "PID" und meint einen Photoionisationsdetektor.

Mit dem funkgerät-großen Apparat kann Brandbeschleuniger erkannt werden. "Auch wenn die Substanzen mit Löschwasser vermischt sind, können sie im Erdreich, in Holz oder Pflasterfugen noch Tage später nachgewiesen werden", erklärt Wald und zeigt auf die piepende Digitalanzeige.

Brandursachen-Ermittler Wolfgang Wald von der Polizei Fulda

Zur weiteren Analyse nehmen die Ermittler dann Brandschutt-Proben, verpacken sie in Behälter und schicken sie zur chemischen Untersuchung zum Landeskriminalamt Wiesbaden.

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Brandstiftungen in Hessen

Laut Kriminalstatistik wurden im Jahr 2021 in Hessen 1.235 Brandstiftungen registriert. In 751 Fällen handelte es sich um eine vorsätzliche Brandstiftung. In 484 Fällen ging es um fahrlässiges Vorgehen.

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Erfahrung mit Serien-Brandstiftern hat Wald auch schon gemacht. "Da hat jemand in Dörfern in der Rhön immer wieder Feuer gelegt." In dem Fall war es sogar ein Mitarbeiter der Feuerwehr. "Der hatte wohl das Gefühl, dass endlich mal was los sein muss. Was in den Köpfen solcher Feuerteufel vor sich geht, kann ich mir nicht erklären", sagt der Polizist.

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