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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Landgericht Fulda verurteilt Brandstifter

Ein Foto des Gerichtssaals mit allen Prozessbeteiligten.

Der Vorwurf des versuchten Mordes wog zu Prozessbeginn in Fulda schwer. Doch im Verlauf wurde deutlich: Der geständige Brandstifter habe niemanden umbringen wollen. Daher fiel das Urteil nun milde aus.

Aus Verzweiflung über seine Lebensumstände hat ein Mann in Nüsttal (Kreis Fulda) seine Wohnung angesteckt. Nun hat das Landgericht Fulda das Urteil gesprochen. Das Gericht verhängte am Mittwoch zum Prozessabschluss aber lediglich eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Der 50 Jahre alte Angeklagte hatte gestanden, seine Wohnung im Ortsteil Morles am 20. Oktober 2018 angesteckt zu haben. Im Laufe der Gerichtsverhandlung hat die Staatsanwaltschaft den Mordvorwurf jedoch fallengelassen.

Schwere Brandstiftung statt versuchten Mordes

Plädiert wurde daher nur auf schwere Brandstiftung. Gefordertes Strafmaß: drei Jahren und neun Monaten Haft. Die Nebenklage hielt dagegen am Vorwurf des versuchten Mordes fest.

Mutter mit kleinen Kindern in Gefahr

Die ursprüngliche Anklage wegen versuchten Mordes basierte darauf, dass sich im Obergeschoss des Mehrfamilienhauses noch eine Frau mit ihren kleinen Kindern befand.

Wegen der Rauchentwicklung konnten sie nicht mehr über das Treppenhaus flüchten. Mitarbeitern einer angrenzenden Pizzeria gelang es, Frau und Kinder unverletzt mit einer Leiter zu retten. Eine Zeugin, die sich in der Nähe aufhielt, erlitt einen Schock.

Ärger über Wasserschaden und marode Wohnung

Als Motiv für die Tat nannte der Angeklagte Verzweiflung über einen Wasserschaden, der die Decke in Bad und Schlafzimmer einstürzen ließ. Tagelang habe er den Schutt beseitigt und befürchtet, dass weitere Räume in dem maroden Haus einstürzen könnten.

Der Angeklagte gab an, er sei in Depressionen verfallen, habe zu trinken begonnen und schließlich ein Kissen mit flüssigem Grillanzünder übergossen und angezündet. Dann sei er in die Pizzeria gegangen und habe gesagt, dass es brenne.

Gericht: Angeklagter wollte nicht töten

Neben der Bewährungsstrafe muss der arbeitslose Bäcker Schmerzensgeld zahlen: Zudem muss er die Gerichtskosten tragen und 200 Stunden gemeinnützig arbeiten. Weil im Prozess klar wurde, dass er niemanden habe töten wollen, sei es zu der milden Strafe gekommen, begründete das Gericht. Strafmildernd habe sich neben dem Geständnis ausgewirkt, dass der Angeklagte depressiv gewesen sei wegen seiner Situation.  

Sendung: hr4, 26.08.2020, 16.30 Uhr