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Zwei Modelle von Radium-Trinkbechern. Bild © Regierungspräsidium Darmstadt

Eine Frau hat auf einem Flohmarkt in Wehrheim eine alte Lampe erstanden - dachte sie. Doch dann erkannte sie darin einen sogenannten Radium-Trinkbecher. Nun warnt die Strahlenschutz-Behörde des RP Darmstadt vor den radioaktiven Gefäßen.

Vielleicht haben Sie ja selbst so ein altes Gefäß, wie auf unserer Foto-Collage abgebildet, daheim irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden rumstehen? Vielleicht sogar als Ziergegenstand im Wohnraum drapiert?

Trinkapparate mit Radium

Dann geht die Warnung der Strahlenschutz-Behörde des Regierungspräsidiums Darmstadt vor diesen mit radioaktiven Stoffen bestückten Gefäßen auch an Sie: Bei dem Gefäß handele es sich um einen sogenannten Radiumtrinkbecher, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hergestellt worden seien. Das darin enthaltene Radium 226 löse sich beim Einfüllen von Getränken und es entstehe ein radioaktives Edelgas, das beim Trinken mit in den Körper aufgenommen werde, erklärte das RP am Dienstag.

Die Gefäße wurden vor über 100 Jahren in großen Mengen unter verschiedenden Bezeichnungen wie "Radium-Trinkapparat" oder "Radium-Emanations-Apparat" hergestellt und verkauft. Doch auch wenn die Geräte schon über 100 Jahre alt sind, enthalten sie aufgrund der Halbwertszeit von 1.600 Jahren für Radium 226 auch heute noch rund 95 Prozent ihrer ursprünglichen Radioaktivität, erklärt das Regierungspräsidium.

Alte Geräte auch heute noch radioaktiv

Früher habe man solchen Trinkgefäßen eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt, teilte das Regierungspräsidium mit. Heute gilt die Anwendung als gesundheitsschädlich. Und: "Aufgrund der in den Apparaten enthaltenen Radium-Aktivität ist heute sogar eine strahlenschutzrechtliche Genehmigung dafür erforderlich – dies gilt auch schon alleine für den Besitz eines solchen Apparates", betont das RP.

In einem Abstand von einem Meter sei die Strahlung fünf Mal so hoch wie die natürliche Umgebungsstrahlung. Trinken sollte man aus diesen Gefäßen in keinem Fall, warnen die Strahlenschutz-Fachleute des RP. Besonders gefährlich wird es jedoch, wenn ein Defekt an der Apparatur vorliegt und das Radium 226 freigesetzt wird. "Durch Berühren der Apparatur gelangt der radioaktive Stoff an die Hände und von dort auch in den Körper. Dies kann zu einer erheblichen Strahlenbelastung führen", so das RP.

Auf Flohmarkt erstanden

Weil die Geräte früher in großen Mengen produziert wurden, geht das RP davon aus, dass zahlreiche davon auch heute noch in Kellern oder Dachböden herumstehen - oder eben im Internet oder auf Flohmärkten verkauft werden.

Auf einem Flohmarkt in Wehrheim (Hochtaunus) hatte nun eine Frau ein solches Gerät als vermeintliche Lampe erstanden. Dann bemerkte sie, dass es sich um einen Radium-Trinkbecher handelte und informierte die Strahlenschutz-Behörde beim Regierungspräsidium Darmstadt. Diese stellte das Teil sicher und lobte das aufmerksame und bedachte Vorgehen der Frau.

Das RP ruft nun alle Besitzer eines solchen Gerätes auf, sich beim zuständigen Regierungspräsidium zu melden. Deren Strahlenschutz-Fachkräfte würden für eine fachgerechte Entsorgung sorgen. Im Recyclinghof oder gar im Hausmüll durfen die Geräte nicht entsorgt werden.

Sendung: hessenschau kompakt, 16.07.2019, 16.45 Uhr