Abgeknickte Bäume vor blauem Himmel, mit Logo

In einem großen Teil seines Stadtwalds sind so viele Bäume vertrocknet, dass Darmstadt das Gebiet dauerhaft sperrt. Was wirkt wie eine Kapitulation vor dem Klimawandel, könnte sich als Chance für den Forst erweisen.

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Audioseite Darmstadt sperrt einen Teil seines Stadtwalds für Jahre

Hinweisschild im Darmstädter Stadtwald, dass ein Teil des Waldes gesperrt ist
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Querliegende Bäume und Äste versperren den Pfad in den westlichen Stadtwald in Darmstadt. Vorne steht ein Warnschild, das auf die Sperrung hinweist und deutlich macht: Wer trotzdem in den Wald geht, begibt sich in Lebensgefahr.

Hier, westlich des Stadtteils Eberstadt und zwischen den Autobahnen 5 und 67, ist nach Auskunft der Stadtverwaltung "der bisherige Baumbestand im Bereich Mühlschneise - Bäckerweg und Bebauungsgrenze bis auf Ausnahme einzelner Bäume fast komplett abgestorben". Tote Bäume fallen schnell mal um, zumal in Sturmlagen, so dass die Stadt vor kurzem entschied: Das rund elf Hektar große Gebiet wird für zwei Jahre für Spaziergänger gesperrt.

Das lange Erbe der Dürrejahre

Der wenige Regen der der Dürrejahre 2018 bis 2020, der sandige Boden, der kaum Wasser speichern kann, und die extreme Hitze hätten den Bäumen sehr zugesetzt, erklärt Heike Bosch, Leiterin des Darmstädter Grünflächenamts: "Bis zu 60 Prozent der Buchen, die hier ursprünglich mal vertreten waren, sind abgestorben."

Den Bäumen fehle dadurch die sogenannte Wasserspannung. "Daher kann es Ihnen zu jedem Zeitpunkt passieren, dass die Buchen zusammenkrachen. Und zwar just in dem Moment, in dem Sie daneben stehen", warnt Bosch. Daher habe die Stadt gar keine andere Wahl gehabt, als das Gebiet zu sperren. Zumal in heißen Sommermonaten dort auch vermehrt Waldbrandgefahr bestehe.

Hinweisschild im Darmstädter Stadtwald, dass ein Teil des Waldes gesperrt ist

Laubwälder sind feuchter

Besonders gefährdet sind da Kiefernwälder, wie Alexander Held sagt. Er ist Waldbrandexperte und Manager am European Forest Institute und betont, wie immens wichtig es sei, lokale Laubbaumbestände zu erhalten: "In überwiegenden Kiefernwäldern ist es ein leichtes Spiel für ein Bodenfeuer, hier hochzubrennen bis in die Kronen."

Held verweist auf ein Waldstück, wo Laubbäume dominieren. "Da sehen wir schon: Am Boden ist viel weniger Brennmaterial, man sieht und spürt auch den Wassergehalt und die Feuchte im Boden. Das ist insgesamt viel weniger brennbar."

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Satellitenüberwachung

Auch andere Akteure müssen handeln, wie etwa die Deutsche Bahn. Für die Streckensicherung gibt sie mittlerweile 125 Millionen Euro aus. Um Schwachstellen in den Bäumen entlang ihres 33.000 Kilometer langen Streckennetzes zu erkennen, nutzt die Bahn Satellitendaten und künstliche Intelligenz. So könnten sturmanfällige Bäume nach Auskunft eines Sprechers schneller erkannt und präventiv gefällt werden, bevor sie auf die Gleise fallen und den Verkehr behindern.

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Manche Experten empfehlen, Bäume aus dem Mittelmeerraum bei uns anzupflanzen, um derart gravierenden Trockenschäden vorzubeugen. Die seien wesentlich resistenter gegen Trockenheit.

Der Nutzen des Totholzes

Grünflächenamtsleiterin Heike Bosch hält das für keine gute Idee. Zum einen, weil solche Baumarten Probleme mit dem deutschen Winter hätten, zum anderen könnten sie heimische Arten verdrängen. Am Beispiel des Asiatischen Götterbaums sehe man: "Der verbreitet sich gerade ganz extrem. Aber an ihm sind keine heimischen Insekten etabliert. Das heißt: Er hat keinen Nutzen für die Natur." Diese Gefahr bestehe auch mit anderen fremdländischen Baumarten.

Der Darmstädter Wald westlich von Eberstadt bleibt jetzt erst mal sich selbst überlassen, sodass er sich selbst renaturieren kann. Zwei Jahre soll die Sperrung dauern, wie die Stadt mitteilt. Man wolle das Totholz dort stehen lassen, denn es gewähre eine natürlich Humus- und Bodenbildung, speichere zudem Wasser und unterstütze somit das Waldklima und das Waldökosystem.

Das Totholz hat also einen Nutzen für die Natur. Später sollen im Sperrgebiet vor allem verschiedene Sorten Eichen, Hainbuchen oder Eiben stehen - diese Bäume sind heimisch, kommen aber auch mit wenig Regen und Trockenheit gut aus.

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