Saatkrähen

Weiß-graue Flecken überall: Der teils noch klebrige Belag erinnert die Nutzer der U-Bahnhaltestelle Kalbach in Frankfurt-Bonames stets daran, dass Unheil droht - von brütenden Saatkrähen in den Bäumen.

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Kot Krähen
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"Du stehst hier und wirst angekotet“, ärgert sich Stefan Quirin. Er ist CDU-Fraktionsvorsitzender im zuständigen Ortsbeirat Harheim und hat sich vorgenommen, die Situation zu verbessern. Gemeinsam mit Kollegen aus zwei weiteren Ortsbeiräten hat er Anträge gestellt, damit die Stadt eine Lösung findet. Denn die Saatkrähen machen hier seit Jahren Ärger. Viele Nutzer der Haltestelle und Anwohner fühlen sich vom Kot und Lärm der Rabenvögel gestört.

"Die Situation ist so, dass man sein Auto am besten irgendwo anders hinstellt und nicht unter die Bäume“, sagt die Harheimerin Christine Hörkens, die den Park+Ride Parkplatz in Bonames regelmäßig nutzt. Sonst müsse man anschließend gleich in die Waschanlage.

Tausend Euro Reinigungskosten

Saatkrähen

Kosten verursachen Saatkrähen damit nicht nur den Autofahrern, sondern auch dem Verkehrsbetrieb VGF. Der Betreiber der U-Bahn gibt nach eigenen Angaben rund tausend Euro für jede zusätzliche Reinigung der Haltestelle aus. Im April war die erste, am Wochenende steht die nächste Reinigung an.

ÖPNV-Nutzer haben derweil Strategien zum Schutz vor den Saatkrähen entwickelt. Wer in Frankfurt-Bonames auf die U-Bahn wartet, tut das möglichst "in Sicherheit" - das heißt, unter der Überdachung, die Pendler vor Regen schützen soll. Doch dahin muss man erst mal gelangen. Vorher besteht immer die Möglichkeit, dass es einen erwischt. Egal, ob man vom angrenzenden Parkplatz, der Bushaltestelle oder Wohnsiedlung kommt.

Mehr Überdachungen könnten helfen

Deshalb wünschen sich Stefan Quirin und seine Mitstreiter zwei zusätzliche Überdachungen für die Wartenden. Vor allem zu den Stoßzeiten reichten die vorhandenen Unterstellmöglichkeiten für die vielen Pendler und Schüler nicht aus. Zudem sollte geprüft werden, ob man die Vögel vielleicht umsiedeln könne, in dem man einen Teil der Nester nach der Brutzeit entfernt und versetzt sowie die Äste dort etwas zurückschneidet, wo sie über Gehwege und den Bahnsteig ragen.

"Wir befürchten einfach, dass diese Population, die im Moment ungefähr 100 Brutpaare zählt, sich weiter deutlich verstärkt“, sagt Robert Lange von der CDU Bonames. Mittlerweile seien von dem Lärm und Dreck der Vögel nicht nur die U-Bahnstation, sondern auch die Nachbarschaft betroffen.

Ganzjährig unter Schutz

Tatsächlich ist es typisch, dass Saatkrähen in großen Schwärmen leben. "So fühlen sie sich stark und sicher“, erklärt Bernd Petri, Vogelkundler vom Naturschutzbund NABU Groß-Gerau. In so großen Gruppen ließen sich die Brutkolonien besser verteidigen.

Saatkrähen

Die Tiere zu vertreiben, ist aus seiner Sicht schwierig. Denn meist siedelten sie sich dann nur "um die Ecke“ an und verlagerten das Problem. Außerdem: So einfach lässt sich nichts gegen die Vögel unternehmen. Sie stehen in Hessen ganzjährig unter Schutz,  ebenso die Platanen, auf denen sie jedes Jahr ungefähr ab Februar nisten.

Auch Tierliebe und Verständnis

Etwa 1.300 bis 1.500 Brutpaare nisten nach Erkenntnissen des NABU in der Region. In Frankfurt fühlten sie sich besonders wohl, weil die Stadt warm genug sei und sie viel Futter fänden. Am besten arrangiere man sich mit den Vögeln, zumal die samt Nachwuchs meist Ende Mai wieder nach Osteuropa zögen.

Tierliebe und -verständnis zeigen auch viele Wartende an der U-Bahnstation Kalbach. Die Tiere ganz zu vertreiben, davon spricht an diesem Nachmittag keiner. Aber ein wenig mehr Schutz vor dem Dreck und eine Eindämmung des Problems - das wünschen sich schon viele.

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Sendung: maintower, 17.05.2019, 18.00 Uhr