Hochwasser-Vorbereitungen in Wiesbaden (links) und Aufräumarbeiten in Büdingen (rechts)

Während in Büdingen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren laufen, droht ein nahegelegenes Rückhaltebecken vollzulaufen. Auch andernorts wird Hochwasser erwartet.

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hessenschau vom 30.01.2021
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In der Büdinger Altstadt liegt am Samstag Treibgut auf den Straßen, in den Geschäften und Gaststätten hat sich Schlamm zentimeterdick auf den Böden und Tresen verteilt. Helfer unterstützen die Altstadtbewohner und Ladenbesitzer dabei, ihre Räume wieder von Wasser und Matsch zu befreien. Doch der Stadt in der Wetterau droht bereits die nächste Überschwemmung.

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Recyclinghöfe öffnen

Fünf Recyclinghöfe im Wetteraukreis nehmen am Montag, 1. Februar, Sperrmüll von Hochwassergeschädigten an. Mit zusätzlichen und verlängerten Öffnungszeiten wolle man so die Geschädigten unterstützen, so der Kreis in einer Mitteilung. Geöffnet sind die Recyclinghöfe in Niddatal-Ilbenstadt, Echzell, Friedberg, Gedern und Nidda.

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Seit Samstagmorgen kann man die Altstadt wieder begehen, das Wasser ist zum Glück wieder gesunken. Am Freitag mussten Bewohner wegen der Überschwemmungen noch mit Schlauchbooten aus ihren Wohnungen geholt werden. Manche Büdinger haben allerdings eine gespenstische Nacht hinter sich: In Teilen der Altstadt musste laut Feuerwehr der Strom abgestellt werden. Aufgrund des Hochwassers kam es zu Kurzschlüssen und kleineren Bränden.

Rückhaltebecken droht vollzulaufen

Doch der Seemenbach führt weiterhin extrem viel Wasser. Ein extra für Hochwassersituationen angelegtes Rückhaltebecken beim Stadtteil Düdelsheim droht vollzulaufen, wie der Wetteraukreis am Samstag mitteilte. Geschieht dies, treten die Flüsse wieder über die Ufer. Neben Düdelsheim seien die Altenstädter Ortsteile Lindenheim und Höchst betroffen - dort mündet der Seemenbach in die ebenfalls gut gefüllte Nidder.

Der Main-Kinzig-Kreis nennt auch Nidderau, Schöneck und Niederdorfelden als betroffene Gebiete. Die Feuerwehr in Langenselbold meldete das schlimmste Hochwasser seit 2003 im Ort. Dank drei vor zwei Jahren gebauter Hochwasserrückhaltebecken hätten aber nur Anrainer der Gründau unter Überschwemmungen zu leiden gehabt.

Das gut gefüllte Rückhaltebecken bei Büdingen-Düdelsheim am Samstag

Die Feuerwehr rät allen Bewohnern, Vorkehrungen gegen das drohende Hochwasser zu treffen und gegebenenfalls ihre Keller leer zu räumen. In Düdelsheim sei es zudem ratsam, Autos in höheren Lagen zu parken, wie die ortsansässige Feuerwehr in den Sozialen Medien schreibt.

Schutzwände am Rheinufer aufgebaut

Auch an Rhein und Main wappnet man sich für das drohende Hochwasser, denn das Regen- und Schmelzwasser fließt nun von den Bächen und kleineren Flüssen in die beiden großen. Ein Wasserstand von bis zu 6,40 Metern am für Wiesbaden relevanten Rheinpegel Mainz werde erwartet - so begründete die dortige Feuerwehr erste Vorbereitungsmaßnahmen.

Am Nachmittag bauten Einsatzkräfte in Schierstein und Kostheim mobile Hochwasserschutzwände auft, am Vormittag waren bereits Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Schierstein und der Berufsfeuerwehr im Einsatz, um das Sperrwerk des Lindenbaches am Zulauf in den Schiersteiner Hafen zu schließen und um einen Rückstau des Baches zu verhindern.

Hier wurden auch zwei leistungsfähige Pumpen in Betrieb genommen, um den Wasserspiegel des Baches abzusenken. Im Mittel können so 18.000 Liter Wasser pro Minute übergeleitet werden. Auch in eigener Sache wurde die Feuerwehr tätig und baute einen Steg am Liegeplatz des Feuerlöschbootes im Schiersteiner Hafen, der vom Hochwasser betroffen ist.

Freiwillige Helfer unterstützten Bewohner und Ladenbesitzer in Büdingen.

Schaulustige erschweren die Arbeiten

Unterdessen waren die Kollegen in Büdingen, die bereits eine arbeitsintensive Nacht hatte, dabei, Keller leerzupumpen. Da die Verwaltung, inklusive des Bürgerbüros, auch vom Hochwasser betroffen und schwer erreichbar ist, informiert die Stadt über Facebook über die aktuellen Entwicklungen. Für die betroffenen Bewohner, Gastwirte und Ladenbesitzer sei ein Spendenkonto eingerichtet worden.

Wie die Stadt weiter berichtet, behindern Schaulustige die Arbeiten in Neustadt, Vorstadt und Altstadt. "Bitte bleiben Sie zuhause. Bitte lassen Sie die Betroffenen und die ehrenamtlichen Feuerwehrleute ihre Arbeit machen", heißt es in dem Appell.

Viele wollen helfen, dürfen aber nicht

Aufgrund der Corona-Pandemie sollen auch keine zusätzlichen Helfer mehr in die Altstadt kommen. Auch wenn dringend Hilfe benötigt werde, sei es "unverantwortlich, zusätzliche freiwillige Helferinnen und Helfer einzusetzen", so der Magistrat auf Facebook. Ehrenamtliche Feuerwehrleute gingen von Haus zu Haus. In Facebook-Gruppen hatten zuvor zahlreiche Menschen ihre Hilfe angeboten.

Ein Baustoffmarkt kündigte an, in Abstimmung mit dem Ordnungsamt seine Filialen in Birstein, Büdingen, Glauburg und Gedern für alle Kunden zu öffnen. So könnten sich Betroffene Sand, Planen und Pumpen gegen das Hochwasser beschaffen.

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hs
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Kritik an Hochwasserschutz

Der Bürgermeister der Stadt, Erich Spamer (FWG) sagte dem hr, dass das Wasser eine Schutzmauer am Seemenbach durchbrochen hatte. Dadurch konnte es sich in der ganzen Altstadt ausbreiten. Es stand teilweise hüft- oder sogar brusthoch.

Dass die Mauer brechen konnte, sorgt bei den Büdingern für massive Kritik, gerade weil Hochwasserschutz schon seit Jahren ein Thema in Büdingen ist. Bürgermeister Spamer sagte dem Kreis-Anzeiger, es sei viel zu lange diskutiert worden, ohne dass etwas geschehen sei. "Zunächst haben Experten von zwei Hochwasser-Rückhaltebecken gesprochen, die bei Kefenrod und im unteren Teil des Seemenbaches im Tal zwischen Rinderbügen und dem Hammer gebaut werden sollten. Plötzlich hieß es im vergangenen Herbst, dass ein Becken - das in Büdingen - reiche", kritisierte er.

Gastwirt Filippo Vulcano steht am Samstag in den Trümmern seiner Büdinger Kneipe "Gasthaus zur Krone".

Tauwetter und Regen hatten nicht nur in Büdingen Hochwasser und damit Schäden verursacht. Auch im Vogelsberg, im Main-Kinzig-Kreis und im Taunus hatten Flüsse und Bäche viele Straßen überschwemmt.

Gewisse Entspannung erst ab Montag

Die vorerst gute Nachricht: Die Pegelstände an besonders betroffenen Flüssen sind trotz anhaltenden Regens etwas gesunken. Das zeigen Daten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Die Hochwasserlage halte aber trotzdem noch das gesamte Wochenende über an. Erst zum Wochenbeginn sei "mit einer gewissen Entspannung zu rechnen".

Die Wellenscheitel an der Kinzig, der Lahn und der Fulda verlagerten sich unterdessen zu den Mittel- und Unterläufen der Flüsse. Dort wurde die zweithöchste Meldestufe erreicht. Für den hessischen Abschnitt des Rheins sagte das Amt einen Höchststand für Montag voraus. Auch das Regierungspräsidium Gießen teilte mit, dass die Wasserstände an der Lahn und ihren Nebenflüssen teilweise stark anstiegen.

Auch in Altenstadt-Lindheim (Wetterau) kam es zu Überflutungen.

Sendung: hr-iNFO, 30.01.2021, 8 Uhr