Warnschild am Löschteich in Neukirchen-Seigertshausen.
In diesem Teich in Neukirchen-Seigertshausen ertranken drei Geschwister. Bild © Andreas Bauer

Jetzt also doch: Nach dem Tod dreier Kinder in einem Neukirchener Dorfteich muss sich der Bürgermeister vor dem Amtsgericht verantworten. Bedenken der Richter wurden zurückgewiesen. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung.

Videobeitrag

Video

zum Video Neukirchen nach Unfall mit Kindern geschockt

Ende des Videobeitrags

Dieser Fall hatte im Sommer 2016 bundesweit für Schlagzeilen und Bestürzung gesorgt: Die drei Kinder im Alter von fünf, acht und neun Jahren hatten sich am Abend des 18. Juni des Jahres an einem Teich im Neukirchener Ortsteil Seigertshausen (Schwalm-Eder) aufgehalten und waren darin ertrunken. Ohne Fremdeinwirkung, wie die Ermittler schnell feststellten.

Verfahren an Amtsgericht zurückverwiesen

Dennoch muss sich nun der Bürgermeister der nordhessischen Gemeinde vor Gericht verantworten. Das Landgericht Marburg ließ die Anklage gegen Klemens Olbrich (CDU) wegen fahrlässiger Tötung zu. Das teilte ein Justizsprecher am Freitag mit.

Das Hauptverfahren werde wie ursprünglich geplant vor dem zuständigen Amtsgericht in Schwalmstadt eröffnet. Das Amtsgericht hatte sich wegen der besonderen Bedeutung der Sache zunächst nicht zuständig gesehen und den Fall ans höher gestellte Landgericht überwiesen. Dieses widersprach dem allerdings und verwies das Verfahren zurück. Wann der Prozess gestartet wird, ist noch unklar.

Streit um Teich-Umzäunung

Laut Staatsanwaltschaft versäumte es Bürgermeister Olbrich als Verantwortlicher für Sicherungsmaßnahmen, den Löschteich als potenzielle Gefahrenquelle abzusichern und einzuzäunen. Die Behörde geht davon aus, dass es dem Rathaus-Chef bekannt war, dass die Fläche rund um den Teich als Freizeit- und Spielfläche genutzt wurde. Unklar war lange Zeit, welchen Zweck der Dorfteich überhaupt erfüllt und ob und wie er hätte gesichert werden können oder müssen.

Bürgermeister Olbrich, gelernter Jurist und seit mehr als 25 Jahren im Amt, sprach von einem "Fischteich" oder "Freizeitteich", der keines Zaunes bedürfe. Für die Staatsanwaltschaft ist es hingegen ein "Löschwasserrückhalteteich" - und für den hätten Sicherungspflichten bestanden, für die der Bürgermeister verantwortlich sei. Laut dem Strafgesetzbuch liegt der Strafrahmen für fahrlässige Tötung bei einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe.

Junge ertrank, obwohl er schwimmen konnte

Der elf Jahre alte Bruder hatte seine Geschwister an dem Abend des Unglücks gesucht und nach Hause holen wollen. Als er das Unglück sah, alarmierte er Nachbarn und diese dann die Rettungskräfte. Nach Erkenntnissen der Ermittler konnten der fünfjährige Junge und seine achtjährige Schwester nicht schwimmen. Der Neunjährige konnte schwimmen, er kam in dem trüben, 40 Meter breiten und ein bis zwei Meter tiefen Teich dennoch ums Leben. Die syrische Familie verlor drei ihrer fünf Kinder.

Gegen die Mutter, die ihre Aufsichtspflicht verletzt haben könnte, ist das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Marburg sagte. Der Vater sei nicht beschuldigt, weil er zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause gewesen sei.

Sendung: hr-iNFO, 7.9.2018, 11 Uhr