Links: ein weißer Transporter, rechts: gestapelte Munitionskisten
Ein auf der A7 kontrollierter Transporter einer privaten Spedition mit Munition im Laderaum Bild © hr

Die Bundeswehr lässt Munition von privaten Unternehmen durch die Republik fahren - auch auf hessischen Autobahnen. Die Linke kritisiert, dass die Ladung unzureichend gesichert sei und spricht von einem "unkalkulierbaren Risiko für die Öffentlichkeit".

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hs

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Es war eine Routine-Kontrolle in der vergangenen Woche am Kirchheimer Dreieck an der A7, bei der zufällig auch ein Kamerateam des hr-fernsehens dabei war. Auf einer Raststätte überprüfen die Beamten auch einen weißen Laster. Drinnen im Fahrzeug erlebten die Polizisten eine Überraschung: Der Laster hatte jede Menge Munition geladen, zwei Paletten mit Patronen für Handfeuerwaffen.

Er fahre die Munition für die Bundeswehr von Norddeutschland zu einem Truppenübungsplatz nach Baden Württemberg, erklärt der Fahrer. Das Überraschende: der Fahrer trägt keine Uniform. Eine private Spedition fährt die explosive Ladung quer durch Deutschland. Die Munitionskisten sind lediglich von einer Plane abgedeckt. Außerdem: Der Fahrer ist alleine unterwegs. Ein Sicherheitsrisiko?

Viele Aufträge an Transportunternehmen

Für die Bundeswehr hat alles seine Richtigkeit: "Die Beauftragung ziviler Speditionen erfolgt vor allem um militärische Ressourcen bei Routinetransporten zu entlasten", teilte die Division Schnelle Kräfte mit Sitz in Stadtallendorf mit. Grundsätzlich könnten alle Standardmunitionsarten auf diese Weise transportiert werden.

Seitdem die Bundeswehr ihre Logistik neu geordnet hat, werden viele Aufträge an externe Dienstleister vergeben. Bei Munitionstransporten müssen dabei einige Auflagen beachtet werden. So dürfen die Fahrer nur auf gesichertem Gelände Pausen machen, dazu zählen zum Beispiel Kasernen.

Bei besonders gefährlicher Munition wie Granaten oder Raketen, die dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegen, gelten noch mal verschärfte Bedingungen. Dann kommt laut Logistikkommando auch eine bewaffnete militärische Begleitung in Betracht. Aber das gilt nicht für alle Munitionstransporte.

Linken-Abgeordnete: "Unkalkulierbares Risiko für die Öffentlichkeit"

Die Praxis der Bundeswehr, private Unternehmen mit dem Transport von Munition zu beauftragen, hält die hessische Bundestagsabgeordnete und verteidigungspolitische Sprecherin der Linken, Christine Buchholz, grundsätzlich für bedenklich. "Das hat oft auch Kostengründe. Aber das kann bei Munitionstransporten kein Kriterium sein."

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Auf einer Palette sind Munitionskisten aufgestapelt.

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Buchholz fordert, dass sichergestellt sein müsse, dass es nicht zu Munitionsklau komme. In der Vergangenheit sei Munition schon an verschiedenen Stellen entwendet worden, so die Bundestagsabgeordnete. Unzureichend gesicherte Munitionstransporte seien ein unkalkulierbares Risiko für die Öffentlichkeit. Die Politikerin will diesen Fall deshalb weiter klären lassen - auch mit einer offiziellen Anfrage an die Bundesregierung.