Säckeweise Drogen: Fotos des BKA zeigen die bei "Chemical Revolution" gefundenen Drogen.

Über ihren Onlineshop "Chemical Revolution" verkauften sie kiloweise Drogen und verschickten sie per Post: Das Landgericht Gießen schickt sieben Männer deswegen bis zu neun Jahre in Haft. Der Fall wird die Justiz weiterbeschäftigen.

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Nach einjähriger Verhandlung sind am Freitag die Urteile im Prozess um den Drogen-Onlineshop "Chemical Revolution" am Landgericht Gießen gefallen: Alle sieben Angeklagten wurden schuldig gesprochen. Ein als Initiator geltender Mann aus dem Raum München soll wegen bandenmäßigen Drogenhandels für neun Jahre und zwei Monate in Haft, wie ein Gerichtssprecher sagte. Zusätzlich wurde seine Unterbringung in einer Entzugsanstalt angeordnet. Die anderen Angeklagten müssen zwischen zwei Jahren und acht Monaten und sieben Jahren ins Gefängnis.

Im Internet und Darknet verkauft

Bei seiner Abschaltung im Jahr 2019 hatten die Ermittler vom bundesweit größten Drogen-Onlineshop gesprochen, der auch Merkmale einer legalen Plattform wie Mengenrabatte und Kundenkommentare gehabt haben soll. Die Gruppe, die teils als Bande agiert habe, sei davon ausgegangen, mit dem Geschäftsmodell Millionen verdienen zu können, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Insgesamt sollen die Angeklagten mit ihrem Shop etwa eine Million Euro in Form der Kryptowährung Bitcoin eingenommen haben.

Kiloweise Amphetamin, Marihuana, Kokain und Ecstasy seien ab Herbst 2017 von den Niederlanden nach Deutschland gebracht worden, sagte der Richter. Die Ware wurde an verschiedenen Orten bundesweit gebunkert, verpackt und dann an die Kunden verschickt, darunter Ortenberg in der Wetterau.

Ortenberg liegt im Zuständigkeitsbereich des Gießener Landgerichts - ein Grund dafür, dass der Prozess dort stattfand. In Gießen hat auch die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ihren Sitz.

Über 300 Taten angeklagt

Die Staatsanwaltschaft hatte insgesamt 320 Taten zur Anklage gebracht, begangen zwischen September 2017 und Februar 2019. In Gießen ging es um neun Vorwürfe und die Anfangszeit des Shops. Einige Fälle wurden eingestellt.

Nach Ansicht des Gerichts hatte der Hauptangeklagte aus Bayern die Idee, einen Drogenversandhandel aufzumachen. Er habe sich um die Bestellung der Betäubungsmittel gekümmert sowie um Marketing, Verwaltung und Kundenbetreuung. Die anderen Männer seien für die Einfuhr und den Transport der Waren zuständig gewesen, hätten als Kurier oder Laufbursche fungiert.

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"Chemical Revolution" beschäftigt Justiz weiter

Die Männer im Alter zwischen 29 und 46 Jahren räumten die Vorwürfe überwiegend ein. Vier von ihnen wurden unter anderem wegen bandenmäßigen Drogenhandels in großem Stil verurteilt. Die übrigen Männer sah das Gericht nicht als Mitglieder der Bande an. Ihre Strafen bekamen sie als Helfer oder Rauschgiftkuriere.

Abgeschlossen ist der Fall "Chemical Revolution" für die Justiz noch nicht. Insgesamt gibt es elf Angeklagte. Wegen des umfangreichen Verfahrens und der Corona-Pandemie soll gegen die anderen erst später verhandelt werden.

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