Eine Frau mit Kopftuch wartet im Ankunftszentrum in Gießen

Mindestens 27 Menschen haben sich in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Gießen mit dem Coronavirus infiziert. Das hat Auswirkungen auf mehr als 300 Menschen.

Nach mehreren Corona-Infektionsfällen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen müssen rund 300 enge Kontaktpersonen in Quarantäne. Bei einer Reihentestung in der Einrichtung seien insgesamt 27 Personen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, teilte der Landkreis Gießen am Dienstag mit.

Bei den Infizierten handele es sich um Asylsuchende, die sich nach der Ankunft in der Einrichtung in zwei Quarantänegruppen befänden. Das Gesundheitsamt stehe in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Gießen. Als Betreiber der Erstaufnahmeeinrichtung müsse das Regierungspräsidium die Quarantänemaßnahmen vor Ort umsetzen.

"Hygieneregeln einzuhalten, ist unmöglich"

Bereits in der Vergangenheit hatte es Ausbrüche in hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen gegeben. So waren etwa im Dezember vergangenen Jahres hunderte Bewohner einer Einrichtung in Neustadt (Marburg-Biedenkopf) unter Quarantäne gestellt worden. Im Oktober wurden 112 Menschen in einem Kasseler Heim positiv getestet, weshalb die Stadt zwischenzeitlich hessenweit die höchste Inzidenz erreichte.

Die Zustände vor Ort begünstigten solch heftige, lokale Ausbrüche, kritisierte vor einiger Zeit der Geschäftsführer des Hessischen Flüchtlingsrats, Timmo Scherenberg: "Die Menschen teilen sich Badezimmer und Küchen mit 30 oder 50 anderen. Abstand zu halten ist unmöglich, Hygieneregeln einzuhalten ist unmöglich." Mehr als zwei Drittel der Asylbewerber in Hessen lebten im vergangenen Jahr in Sammelunterkünften.