Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona in Hübenthal - Einwohner müssen zu Hause bleiben

Diese traumhafte, herbstliche Aufnahme von Schloss Berlepsch bei Witzenhausen hat uns hessenschau.de-Nutzer Peter Kerst geschickt. Haben Sie auch ein außergewöhnliches Bild aus Hessen? Dann schicken Sie uns Ihr Foto – wir freuen uns über Ihre Momentaufnahme.

Im nordhessischen Hübenthal ist Corona ausgebrochen, der Großteil der Dorfbewohner darf seine Häuser nicht mehr verlassen. Nun muss Unterstützung her, etwa bei den Lebensmitteln. Wie geht es weiter? Ein Gespräch mit einem Biobauern, der nicht mehr auf seinen Acker darf.

Ein Dorf muss zu Hause bleiben: Hübenthal liegt im idyllischen Werra-Meißner Kreis, hat zwei Straßen, mehrere Gehöfte, 89 Bewohner und über allem thront oben auf dem Berg das Schloss Berlepsch. Bekannt ist der Ortsteil von Witzenhausen auch für ein spirituelles Seminarhaus, das sich am Mystiker Osho orientiert - und genau hier verbreitete sich offenbar das Corona-Virus bei einer Feier.

Weitere Informationen

Update: Biohof muss schließen

Kurz nach dem Interview mit Biolandwirt Christof Niehaus entschied das Gesundheitsamt des Werra-Meißner-Kreises, den Betrieb sicherheitshalber für vier Wochen bis mindestens 4. November zu schließen. Wenige Tage später wurde die Schließung wieder aufgehoben. Seit Mitte Oktober darf der Gemüse-Lieferservice wieder arbeiten.

Ende der weiteren Informationen

64 Menschen in Hübenthal wurden in Quarantäne geschickt. Jene, bei denen das Gesundheitsamt davon ausging, dass möglicherweise Kontakte mit Infizierten bestanden. Die kommenden zwei Wochen sollen die nun alle zu Hause bleiben. 13 Corona-Fälle sind bestätigt in Hübenthal, weitere könnten dazu kommen: Am Mittwoch und Donnerstag wurden nochmal rund 120 Menschen getestet, auch Mitarbeiter von Betrieben.

Damit die Menschen versorgt werden mit Lebensmitteln, überlegt die Stadt Witzenhausen, die Initiative "Dich schickt der Himmel" für Hübenthal zu aktivieren. Biolandbauer Christof Niehaus betreibt den "Grünen Boten", einen Gemüse-Lieferservice. Auch er muss zwei Wochen in Quarantäne bleiben - und sich über seine Versorgung Gedanken machen. Wir haben mit ihm gesprochen:

hessenschau.de: Herr Niehaus, wie läuft es gerade bei Ihnen?

Christof Niehaus: Unsere Mitarbeiter halten den Laden am Laufen, die kommen alle von außerhalb. Ich sitze am PC, was soll ich sonst machen. Für meinen Acker habe ich eine Ausnahmegenehmigung beantragt, weil ich auch Inhaber der Gärtnerei bin, die den "Grünen Boten" beliefert. Da habe ich noch nichts gehört. Ich gehe davon aus, dass alle Mitarbeiter negativ sind, weil wir mit dem Seminarhaus nichts zu tun haben. Aber wir müssen erstmal abwarten.

hessenschau.de: Hatten Sie denn Kontakte zu Infizierten?

Niehaus: Das Gesundheitsamt hat die Personen hier im Ort unter Quarantäne gesetzt, von denen sie meinen, dass sie Kontakt mit Infizierten hatten. Woher das Gesundheitsamt das wissen will, weiß ich nicht. Ich hatte keinen Kontakt mit dem Seminarhaus. Es haben etwa auch meine Kinder Quarantäneauflagen bekommen, die gar nicht mehr hier wohnen, aber hier gemeldet sind. Ich bin unter Quarantäne, obwohl ich keinen Kontakt hatte mit Infizierten.

hessenschau.de: Wer macht jetzt Ihre Einkäufe? Genug Gemüse hätten Sie ja vor der Tür.

Niehaus: Freunde haben schon angeboten, mir Lebensmittel zu bringen und einzukaufen. An mein eigenes Gemüse komme ich nicht ran, ich darf ja nicht aus meiner Wohnung raus. Ich könnte mich jetzt auch mit einer Kiste von meinen eigenen Mitarbeitern beliefern lassen.

hessenschau.de: Werden die Biokisten noch geliefert - gibt es also zumindest für Hübenthaler Gemüse einen Weg raus?

Niehaus: Wir liefern kontaktfrei, wir klingeln und stellen die Kiste vor die Tür. Die Leute sagen "Hallo" und dann sind wir wieder weg. Das Geld kommt per Überweisung. Das läuft auch weiter.

hessenschau.de: Könnte der Grüne Bote nicht auch das restliche Dorf versorgen?

Niehaus: Wir haben nur frische Lebensmittel, aber wir beliefern auch schon Menschen hier. Es gibt aber natürlich viele, denen Bio zu teuer ist, das ist wohl zum Beispiel die Mehrzahl des Seminarhauses. Das muss jeder entscheiden, wir können nur bedingt die Lücke füllen. Es ist etwas teuerer, man muss bereit sein, das auch zu bezahlen.

hessenschau.de: Wie geht es jetzt weiter bei Ihnen?

Niehaus: Wir müssen hier gerade viel spekulieren, es ist noch zu früh, um zu wissen, wie es weitergeht. Für mich sind es jetzt halt zwei Wochen zu Hause, ich hoffe, dass ich eine Ausnahmeregelung für meinen Acker bekomme, da steht das beste Bio-Gemüse drauf. Also verhungern müsste ich dann nicht.

Das Gespräch führte Sonja Süß.

Sendung: hr1, 08.10.2020, 13 Uhr