Sechs Schwerpunkt-Kliniken in Hessen sollen sich um Intensivpatienten kümmern, wenn sich die Corona-Krise weiter verschärft. Aber reichen die Intensiv-Betten und Beamtungsgeräte aus?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie sich die hessischen Kliniken auf Corona vorbereiten

Infusion im Krankenhaus
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Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) fand an diesem Montag klare Worte: "In den kommenden Wochen und Monaten wird die medizinische Versorgung auch in Hessen sehr stark beansprucht", sagte er bei einer Video-Pressekonferenz.

Klose stellte die Pläne vor, mit denen das Land sicherstellen will, dass die medizinische Versorgung in den Krankenhäusern weiter funktioniert. Denn die Zahl der Infizierten steigt täglich weiter, das Schlimmste dürfte noch bevorstehen. Fragen und Antworten:

Wie ist die Versorgung in Hessen organisiert?

Das Land hat einen eigenen Planungsstab eingerichtet. Den leitet Jürgen Graf, im Hauptberuf ärztlicher Direktor der Frankfurter Uniklinik. Er sagte, das Hauptziel sei zunächst, "dass alle, die Verantwortung tragen im Bereich stationäre Versorgung, auf dem gleichen Informationsstand sind".

Dazu wurde das Land in sechs Gebiete aufgeteilt (siehe diese Karte beim Sozialministerium), in denen jeweils ein Krankenhaus die Versorgung koordiniert. Diese Häuser sind:

  • Klinikum Kassel
  • Klinikum Fulda
  • Uniklinik Gießen und Marburg (beide Standorte)
  • Helios HSK Wiesbaden
  • Uniklinik Frankfurt
  • Klinikum Darmstadt

Diese sechs Kliniken sollen "Auge und Ohr in der Region" sein und auch die Corona-Patienten mit den schwersten Krankheitssymptomen behandeln. Der Planungsstab will noch diese Woche alle sechs Kliniken besuchen, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen.

Wie sieht sich das Land aufgestellt?

1.800 Betten auf Intensivstationen gibt es in Hessen, dazu kommen noch 1.400 Beatmungsgeräte. Das bedeutet etwa ein Intensivbett pro 3.300 Einwohner. Damit liegt Hessen etwas unter dem Bundesschnitt von 2.900 Einwohnern pro Bett. Wichtig sei nun, dass die am Sonntag beschlossenen Kontaktbeschränkungen dazu führen, dass sich das Virus tatsächlich langsamer ausbreitet, sagt Graf, "sonst kann es knapp werden".

Gesundheitsminister Klose gab allerdings zu Bedenken, dass von den 1.800 Betten mangels Personal nicht alle voll betriebsbereit seien. Deshalb würden die strengen Personaluntergrenzen wegen der Krise gelockert. Außerdem schule man weiteres Pflegepersonal für die Intensivstationen. Dennoch werde das Virus auf jeden Fall die Last auf die Ärzte erhöhen. Schon jetzt würden Krankenhäuser Kapazitäten schaffen, etwa indem sie planbare Operationen verschieben.

Der Forderung nach reinen Corona-Krankenhäusern erteilten Graf und Klose eine Absage: Das sei schon deshalb nicht möglich, weil viele Patienten, die ins Krankenhaus gehen, oft gar nicht sicher wüssten, ob sie selbst Träger sind. Dadurch könnte quasi jedes Krankenhaus zum Corona-Krankenhaus werden.

Was ist mit den Arztpraxen und der sonstigen ambulanten Versorgung?

Die Linke schlug am Montag Alarm: Wer ambulant Patienten versorge, zum Beispiel niedergelassene Ärzte, werden bisher "nicht berücksichtigt – weder bei der Versorgung mit Schutzkleidung, noch bei der finanziellen Entlastung", erklärte die gesundheitspolitische Sprecherin Christiane Böhm. Sie berichtete von "zahlreichen Hilferufen aus dem ambulanten Bereich, die vor einem medizinischen Fiasko warnen".

Graf sagte am Montag, die ambulante Versorgung werde "vollumfänglich mitgedacht". Man sei bereits mit den Akteuren, etwa der Kassenärztlichen Vereinigung, im Austausch. Er räumte aber auch ein: "Das ist im Werden, aber es ist noch nicht klar, wie es wird."

Wie werden ehrenamtliche Helferinnen und Helfer eingebunden?

Vielerorts rufen die Krankenhäuser derzeit nach Freiwilligen, die bei der medizinischen Versorgung helfen könnten. In Frankfurt etwa hätten sich von den dortigen rund 3.200 Medizinstudenten bereits über 1.000 gemeldet.

"Wir setzen die zum Teil schon unterstützend ein", sagte Graf. So würden zum Beispiel Studenten bei den Tests helfen, indem sie Betroffenen die Ergebnisse mitteilen. Viele Medizinstudenten hätten auch wichtige Qualifikationen als Krankenpfleger oder Rettungssanitäter, auf die man jetzt zurückgreife.

Sendung: hr-iNFO, 23.03.2020, 16 Uhr