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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona-Krise sorgt für saubere Luft

Leeere Straßen in Frankfurt

Mit dem massiven Rückgang von Auto- und Flugverkehr in der Corona-Krise hat sich die Luftqualität in Hessen stark verbessert. Frankfurt wähnt sich bereits auf einer Nordsee-Insel - und glaubt an eine Wende bei den Diesel-Fahrverboten.

Weniger Verkehr, Flugzeuge am Boden - die Konsequenzen aus den Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus in Hessen zeigen auch an einer ganz anderen Stelle Wirkung: Derzeit würden an allen Luftmessstationen im Land deutlich niedrigere Werte des schädlichen Stickstoffdioxids (NO2) als noch in der ersten März-Hälfte beobachtet, teilte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Montag in Wiesbaden mit.

Ohne einen zusätzlichen meteorologischen Effekt, der Hessen mit sauberer Polarluft versorgte, ergebe sich an den Messstellen in Straßennähe ein Minus bei der NO2-Konzentration von 40 Prozent. Dieser Rückgang sei allein der geringeren Verkehrsmenge zuzurechnen, teilte das HLNUG mit.

Frankfurt zieht Vergleich mit Norderney

So lag die Stickstoffdioxid-Belastung etwa an der vielbefahrenen Friedberger Landstraße im Frankfurter Nordend auf der erste Quartal berechnet bei 36,7 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter - und damit erstmal unter dem geforderten EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm.

"Nordend wird zu Norderney", frohlockte die Stadt gar in einer Mitteilung am Montag angesichts aktuell besonders niedriger Luftbelastung an der Hauptverkehrsader in den Morgenstunden. Dank der positiven Corona-Effekte rechnet Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) auch für das Gesamtjahr dort mit einer Einhaltung der EU-Marke. "Damit dürfte das Thema Fahrverbote zumindest für die Friedberger Landstraße vom Tisch sein", schlussfolgerte er zu den weiterhin im Raum stehenden steckenbezogenen Diesel-Fahrverboten in der Stadt.

"Der Witz ist gut", kommentiere Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) auf Twitter indes die Frankfurter Insel-Fantasien.

Bis zu 50 Prozent weniger Verkehr in Großstädten

Auch das HLNUG warnte vor zu großen Erwartungen. "Klar ist aber auch, dass die derzeit positiven Effekte nur temporären Charakter haben und lediglich so lange anhalten werden, wie auch die Verkehrszahlen niedrig sind“, gaben die Experten zu Bedenken. Mit Blick auf die Luftreinhaltepläne könne der Corona-Effekt keine Rolle spielen.

Aktuell liegen die Verkehrszahlen in den hessischen Großstädten nach Angaben der Behörde bei rund 50 bis 60 Prozent der üblichen Menge. Am Flughafen Frankfurt finde etwa ein Fünftel der sonst üblichen Flugbewegungen statt. Hier macht sich die deutliche Abnahme der Flugbewegungen vor allem bei den Ultrafeinstaub-Werten bemerkbar, die ebenfalls um rund 40 Prozent sanken.

Sendung: hriNFO, 06.04.2020, 14.00 Uhr