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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Etliche Coronafälle in Wiesbaden nach großer Hochzeit

Die Hände von einem gerade vermählten Ehepaar, geschmückt mit Eheringen.

Nach einer Hochzeitsfeier mit rund 100 Gästen ist es in Wiesbaden zu etlichen neuen Corona-Fällen gekommen. Mangelnde Vorkehrungen und fehlende Kooperationsbereitschaft erschweren den Behörden die Nachverfolgung. Brautpaar und Gäste müssen mit Bußgeldern rechnen.

Am Dienstag kletterte die 7-Tage-Inzidenz in Wiesbaden auf 40,9 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Unter den hessischen Kreisen und kreisfreien Städten rangiert die Landeshauptstadt damit an zweiter Stelle hinter dem aktuellen bundesweiten Corona-Hotspot Offenbach (54,4).

Ein Grund für die hohen Zahlen in Wiesbaden liegt offensichtlich in einer Hochzeitsfeier. Wie bereits zuvor in Kelsterbach (Groß-Gerau) erweisen sich auch hier die Feierlichkeiten eines jungen Paares im Nachhinein als sogenanntes Superspreader Event. Die Wiesbadener Eheleute hatten bereits am 15. August in einer Halle in Mainz-Mombach mit rund 100 Gästen gefeiert. Unter ihnen befand sich dabei mindestens ein Corona-Infizierter, der andere Gäste ansteckte. Zunächst hatten die Zeitungen der Verlagsgruppe Rhein-Main über den Fall berichtet.

"Riesiges Kuddelmuddel"

Inzwischen sind dem Wiesbadener Gesundheitsamt 20 positive Fälle in Zusammenhang mit der Hochzeit bekannt. Es seien jüngere Leute, die keine größeren Symptome der Krankheit zeigten, sagte Leiterin Kaschlin Butt dem hr. Da auch Kinder betroffen sind, hängen einige Teilschließungen von Wiesbadener Schulen mit dem Fest zusammen. Auf Mainzer Seite des Rheins sind dagegen noch keine Auswirkungen durch das Fest im Stadtteil Mombach bekannt.

Erschwerend für die Wiesbadener Behörden kommt neben dem zeitlichen Abstand die fehlende Kooperationsbereitschaft einiger Gäste hinzu. "Es war ein riesiges Kuddelmuddel", berichtete Gesundheitsamtschefin Butt. Nach Auftreten des ersten Falles seien von den infizierten Personen keine genauen Angaben zu den Kontaktpersonen gemacht worden. Danach habe es einige Tage gedauert, bis das zuständige Mainzer Gesundheitsamt eine unvollständige Gästeliste erhalten habe. In dieser Zeit seien die Gäste nicht in Quarantäne gewesen, sondern in die Schulen sowie Arbeitsstätten gegangen und hätten Kontakt mit Freunden und Familienmitgliedern gehabt.

Brautpaar und Gästen drohen Bußgelder

Während dem Brautpaar durch offensichtlich mangelhafte Einhaltung zuvor schriftlich zugesicherter Vorkehrungen wie Abstandhalten, Durchlüften und das Führen einer korrekten Gästeliste ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro droht, müssen auch einige Festbesucher mit Strafen rechnen.

Butt berichtete in diesem Zusammenhang von Angaben falscher Telefonnummern, dem Auflegen bei Anrufen der Behörde oder auch Verstößen gegen bereits verhängte Quarantäne-Anordnungen. Die Stadtpolizei musste in diesen Fällen persönlich vorstellig werden. "Wir prüfen derzeit, ob und welche Bußgelder wir für die Wiesbadener Gäste verhängen können", erklärte Butt. Weitere Ansteckungen sind durch die erschwerten Bedingungen ebenfalls nicht auszuschließen.

41 Infizierte nach Kelsterbacher Hochzeit

Im Fall der Kelsterbacher Hochzeit kletterte die Zahl der Corona-Infizierten mittlerweile auf 41. Hier hatte ein Brautpaar nach Angaben des Kreises Groß-Gerau am 7. und 14. August zwei Mal gefeiert - einmal mit 100, einmal mit 160 Gästen. Die meisten Teilnehmer kamen aus Mörfelden-Walldorf.

Anders als im Fall des Wiesbadener Paares gestaltete sich die Nachverfolgung jedoch deutlich reibungsloser. "Die Familie arbeitet sehr gut mit uns zusammen. Sie haben sehr früh erkannt, dass es um Corona geht und haben freiwillig Testungen machen lassen", sagte Kreisgesundheitsdezernent Walter Astheimer. Mit Schließungen einzelner Schulklassen und einer Kita sind die Auswirkungen dennoch gravierend. In Mörfelden-Walldorf bleiben zudem Sporthallen wegen der Infektionswelle vorerst bis zum 30. August für Vereine geschlossen.

Auch wenn die Teilnehmerzahlen im rechtlich erlaubten Bereich lagen, müsse man sich fragen, ob Feiern in diesen Zeiten wirklich nötig und richtig seien, gab Astheimer zu bedenken.

Sendung: hr-iNFO, 25.08.2020, 16.15 Uhr