Löwen im Frankfurter Zoo

Corona beschert den Tierparks ausbleibende Einnahmen bei gleich bleibenden Ausgaben. Sie hoffen auf Hilfe durch den Bund, wie eine Umfrage unter hessischen Zoos zeigt.

4.500 Tiere allein in Frankfurt, 1.600 Tiere im Opel-Zoo in Kronberg (Hochtaunus): Sie alle müssen versorgt und gepflegt, ihre Käfige und Außengelände gereinigt werden. Doch seit 18. März sind Hessens Zoos und Tierparks wegen der Corona-Krise geschlossen. Einnahmen durch Besucher gibt es seitdem nicht mehr.

Deswegen haben sich die beiden Zoos nun einem Appell des Verbandes der Zoologischen Gärten angeschlossen. Die Zoos bitten die Bundesregierung darin um ein Soforthilfe-Programm von 100 Millionen Euro.

Die wirtschaftliche Lage der Zoos sei gravierend: Das "lässt sich daran erkennen, dass ein einzelner großer Zoo aktuell einen wöchentlichen Umsatzverlust von etwa einer halben Million Euro zu verkraften hat", heißt es in dem Appell vom Dienstagabend.

Das Ostergeschäft wird den Parks fehlen

"Zu Beginn des Frühjahrs und in den Osterferien kommen traditionell sehr viele Menschen", schreibt die Sprecherin des städtischen Frankfurter Zoos am Mittwoch auf Nachfrage. Wie hoch genau die Verluste ausfallen dürften, darüber könne der Zoo noch keine Aussagen treffen.

Luftaufnahme über dem Opel-Zoo

Der Opel-Zoo in Kronberg (Hochtaunus) ist in privater Trägerschaft und mit bis zu 750.000 Besuchern pro Jahr eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Rhein-Main-Region. Auch hier mag man nicht die entgangenen Einnahmen beziffern. Nur so viel: "Wir haben seit Oktober wegen des schlechten Wetters sowieso von der Substanz gelebt", sagt Direktor Thomas Kauffels.

"Der April wäre eigentlich der Monat gewesen, der wieder frisches Geld eingebracht hätte", bedauert Kauffels: "Vor allem das Ostergeschäft wird uns fehlen." Generell sei die Planung wegen der Abhängigkeit vom Wetter im Zoo ohnehin immer eine unsichere Sache.

Die Arbeit in den Tiergärten geht weiter

Auch die finanzielle Situation der Wildparks ist unklar. "Wie sich die Schließung auswirkt, können wir noch nicht beziffern", sagt ein Sprecher des Wildparks Tiergarten Weilburg am Mittwoch. Als vom Landesbetrieb HessenForst getragener Park müsse wahrscheinlich das Land für Verluste einspringen, sagt er. Genaue Regelungen seien noch in der Verhandlung.

Nach der Zwangsschließung am 18. März sei es zunächst darum gegangen, die Versorgung der Tiere sicherzustellen und das Ansteckungsrisiko der Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten, berichtet der Sprecher des Weilburger Tiergartens. Weniger Arbeit durch Besucher gleiche man unter anderem durch den Abbau von Überstunden aus. "Ansonsten machen wir Dinge, zu denen wir sonst nicht kommen, Renovierungen zum Beispiel."

Vogelpark hält sich allzeit bereit

Mit rund 100.000 Besuchern pro Saison ist der Vogelpark Schotten ein beliebtes Ausflugsziel im Vogelsberg. Auch hier wird das fehlende Ostergeschäft eine Riesenlücke reißen, wie Parkleiter Frank Jung erwartet. Derzeit seien die 31 Mitarbeiter mit Handicap, die in der angeschlossenen Behindertenwerkstatt arbeiten, zu Hause.

Vogelpark Schotten

Durch Umschichtungen im Dienstplan sei die Versorgung der Tiere aber sichergestellt. "Wir halten den Park auf Vordermann", sagt Jung, "so dass wir ihn auch ganz kurzfristig wieder eröffnen können, sobald die Erlaubnis kommt."

Spendenaufkommen gestiegen

Der Frankfurter Zoo meldet die erwarteten Einnahmenverluste an das städtische Kulturdezernat, das sie an den Stadtkämmerer weitergibt. Positiv sei, notiert die Zoo-Sprecherin, dass das Spendenaufkommen im März gestiegen sei.

In Kronberg will Opel-Zoo-Cef Kauffels zunächst einmal abwarten: "Ich finde den Aufruf des Verbandes gut", sagt er. Persönlich tätig werden und die Politik um Hilfe bitten wolle er aber nicht. "Ich möchte die Entscheidungsträger nicht in einer Situation behelligen, in der sie anderes zu tun haben", sagt Kauffels.