Cybercrime

Die Opfer sollen für angebliche Besuche auf Porno-Webseiten oder für vermeintliche private Sex-Videos bezahlen: Mit entsprechenden E-Mails setzen Erpresser ihre Adressaten unter Druck. Was Betroffene tun können, erklärt eine Cybercrime-Expertin der Frankfurter Polizei im Interview.

Die Betrüger setzen bei Sextortion (sexuelle Erpressung) auf Scham und Angst: Sie verschicken E-Mails, in denen sie behaupten, sie hätten den Empfänger mit einer Webcam heimlich bei sexuellen Handlungen gefilmt.

Das Opfer soll in Bitcoins bezahlen, sonst werde das Video verbreitet. "Bezahlen Sie nicht!", sagt die Präventionsexpertin für Internetkriminalität, Jennifer Maske, von der Polizei Frankfurt.

hessenschau.de: Frau Maske, wie funktioniert Sextortion? Wie gehen die Täter vor?  

Jennifer Maske: Jemand bekommt eine E-Mail und darin wird behauptet, er habe Internetseiten mit pornografischem Inhalt besucht. Zudem behaupten die Täter, sie hätten denjenigen dabei gefilmt, wie er den Inhalt konsumiert hat. Die Betrüger sagen ihm: Ich werde das Video verbreiten, wenn du mir kein Geld schickst.  

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maintower kriminalreport

Das Interview ist am Sonntag, 19 Uhr, in der Sendung maintower kriminalreport zu sehen.

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Kriminaloberkommissarin Jennifer Maske

Wenn ich so eine E-Mail bekommen würde, würde ich mich fragen: Woher hat diese Person meine E-Mail-Adresse und woher weiß sie, dass ich mich vielleicht tatsächlich auf solchen Internet-Seiten bewegt habe? Das verursacht Angst, Druck und ein riesen Schamgefühl - und das soll einen dann letztendlich zu der Zahlung bewegen.  

hessenschau.de: Viele Opfer lassen sich ja tatsächlich darauf ein.   

Maske: Ja, das ist der enorme Druck, der aufgebaut wird. Die Täter drohen damit, dass sie ein Video gemacht haben und das an alle Kontaktdaten verbreiten. Sie behaupten, sie hätten die Daten mit einer Schadsoftware ausgelesen. Das ist natürlich ein großes, pikantes Thema. Die Scham ist sehr groß und deshalb wird lieber Geld gezahlt, als dieses Risiko einzugehen.  

Auch die Beratungsstelle der Polizei hat eine Erpresser-Mail bekommen.

hessenschau.de: Was können Betroffene tun, wenn sie eine Erpresser-Mail bekommen?  

Maske: Zunächst einmal eine wichtige Botschaft: Reagieren Sie nicht auf diese E-Mail! Das ist erfunden. Bis zum heutigen Zeitpunkt haben wir keine Anhaltspunkte dafür, dass der PC von Betroffenen wirklich mit einer entsprechenden Schadsoftware verseucht ist. Es schadet aber natürlich nicht, mal ein Anti-Viren-Programm über den PC laufen zu lassen. Sie können sich natürlich auch an eine Polizeidienststelle wenden.  

hessenschau.de: Wer sind denn typische Opfer dieser Masche?  

Maske: Bewusst ausgesucht wird niemand. Die E-Mail-Adressen haben die Absender von früheren Hackerangriffen gegen bestimmte E-Mail-Server oder -Provider. Die Daten, die sie da erhalten haben, nutzen sie einfach. Es geht nicht um die einzelne Person an sich. Die Täter verschicken die E-Mail spammäßig an tausende Adressaten und irgendeiner von ihnen fühlt sich angesprochen und zahlt.  

hessenschau.de: Es werden also nicht nur Männer ausgesucht?  

Maske: Nein, das geschieht wahllos. Auch Firmen werden angeschrieben. Wir haben sogar auf die polizeiliche Beratungsstelle hier in Frankfurt eine solche E-Mail erhalten.

Eine erpresserische Mail

hessenschau.de:  Wer steckt dahinter?

Maske: Die Täter zu ermitteln, ist schwierig, weil die Strukturen des Internets einfach so gebaut sind, dass man sich anonym bewegen kann. Deshalb setzen wir hier ganz klar auf die Prävention und sagen: Reagieren Sie nicht, zahlen Sie nicht! Die Erfahrung zeigt: Wenn Sie einmal gezahlt haben, werden weitere Forderungen auf Sie zukommen. Und zuletzt noch ein ganz einfacher Trick: Kleben Sie die Webcam an ihrem Rechner ab.          

Das Interview führte Carolin Lemuth, maintower kriminalreport

Sendung: maintower kriminalreport, 17.03.2019, 19.00 Uhr