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Brückenneubau sorgt für jahrelange Großbaustelle in Darmstadt

Die Rheinstraßenbrücke ist Teil der meistbefahrenen Zufahrtsstraße nach Darmstadt, jetzt muss sie abgerissen werden. Der Neubau soll den modernen Ansprüchen an Mobilität genügen, verspricht die Stadt. Verkehrsteilnehmer müssen über Jahre mit Behinderungen rechnen.

Die Rheinstraßenbrücke in Darmstadt hat wahrlich schwer zu tragen. Unentwegt fließt auf ihr der Autoverkehr, im Minutentakt rumpeln die Straßenbahnen über die Brücke und untenrum rattert pausenlos der Zugverkehr vom nahegelegenen Hauptbahnhof. Kein Wunder, dass die wichtigste Brücke der Stadt nach und nach ihren Geist aufgibt. Die Stadt Darmstadt will das altersschwache Bauwerk deswegen abreißen und durch eine zukunftstaugliche Multi-Mobilitäts-Brücke ersetzen. Gut vier Jahre soll das Projekt dauern und wird mit erheblichen Verkehrsbehinderungen einhergehen, wie die Stadt mitteilte.

Der Neubau der Rheinstraßenbrücke sei "die größte Infrastrukturmaßnahme der letzten Jahrzehnte", sagt Mobilitätsdezernent Michael Kolmer (Grüne). Eine Maßnahme, die sich auch nicht mehr aufschieben lasse. Die Bausubstanz habe sich in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert, sodass die Sicherheit auf der Brücke langfristig nicht mehr gewährleistet werden könne.

"Platz für alle"

Spätestens Anfang 2024 soll die alte Brücke laut der vom Magistrat verabschiedeten Planung abgerissen werden, um einer neuen, deutlich größeren Brücke Platz zu machen. Rund 207 Meter lang und 43,5 Meter breit soll das neue Bauwerk werden. Die aktuelle Brücke ist lediglich 26,5 Meter breit. "Wir machen die Brücke breiter, damit alle darauf Platz haben", erklärt Kolmer.

Querschnitt der geplanten Rheinstraßenbrücke

Neben Gehwegen wird es auf beiden Seiten breite Radwege geben, die in beide Richtungen befahren werden können. Die Straßenbahnschienen bekommen einen eigenen erhöhten Gleiskörper in der Fahrbahnmitte und werden somit vom Autoverkehr getrennt. Für Autos wird es stadtauswärts drei Fahrstreifen und zwei Abbiegespuren geben, stadteinwärts sind zwei Fahrstreifen vorgesehen.

Die Kreuzungen an beiden Enden der Brücke werden ebenfalls neugestaltet. Rad- und Fußverkehr werden mehr Platz bekommen, alles soll barrierefrei werden. Teile der 1912 erbauten Brücke stehen unter Denkmalschutz, etwa die Brückenköpfe und die Böschungsmauern, und werden in den Neubau integriert.

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Über 100 Jahre alt

Die Rheinstraßenbrücke wurde 1912 von der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung für die Dampfstraßenbahn nach Griesheim errichtet. Mitte der 1950er Jahre wurde die Brücke für elektrische Oberleitungen am Hauptbahnhof angehoben.

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Erhebliche Verkehrsbehinderungen

Spätestens Mitte 2027 soll der Verkehr wieder ungehindert über die Rheinstraßenbrücke 2.0 fließen, bis dahin müssen Anwohnerinnen und Anwohner, Besucherinnen und Besucher, Pendelnde und Bahnreisende aber mit erheblichen Behinderungen rechnen. Immerhin ist die Rheinstraße die wichtigste Ein- und Ausfahrt Darmstadts. Rund 50.000 Autos und etwa 250 Straßenbahnen nutzen die Brücke täglich, rund 250 Züge fahren unter ihr hindurch. Hinzu kommen hunderte Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Fahrradfahrende.

Abriss und Neubau gliedern sich dabei in verschiedene Phasen. Verläuft es nach Plan, beginnen bereits im kommenden Frühjahr die Vorarbeiten. Anfang 2024 soll dann ein Teil der Brücke abgerissen und durch einen Teilneubau ersetzt werden. Anschließend, irgendwann im Laufe des Jahres 2025, soll dann der zweite Teil abgerissen und neu aufgebaut werden.

Blick auf die Rheinstraßenbrücke in Darmstadt, die über das Gleisbett der S-Bahn verläuft.

Behelfsbrücke für Rad- und Fußverkehr

Für den Fuß- und Radverkehr wird für die Dauer der Baumaßnahmen eine Behelfsbrücke erreichtet, sodass hier kaum oder nur geringfügig mit Einschränkungen zu rechnen ist. Auch Straßenbahnen werden weiterhin über das noch oder schon wieder stehende Teilstück der Brücke fahren können. Dafür müssen jedoch die Gleise jeweils verlegt werden, in dieser Zeit soll es einen Schienenersatzverkehr geben.

Einschränkungen im Zugverkehr

Der Bahnverkehr am Hauptbahnhof wird wechselnd auf Nachbargleise umgelegt, der Güterverkehr weicht auf andere Strecken aus. Wenn die Fertigteile der neuen Brücke an ihren Platz gehoben werden, müssen die Gleise rund um den Bahnhof sogar zeitweise komplett gesperrt werden. Noch ist nicht klar, welche Auswirkungen das im Detail auf den Zugverkehr haben wird.

Autos und Busse werden umgeleitet

Die größten Einschränkungen wird es für den Auto- und Busverkehr geben. Beide werden über die nächstgelegenen Brücken in der Stirnstraße und Hilpertstraße umgeleitet. Ab Frühjahr 2023 bis Ende der Bauarbeiten soll ein Einbahnstraßenring eingerichtete werden, damit der Verkehr zumindest einigermaßen ungehindert fließen kann. Für den Busverkehr werden Ersatzhaltestellen eingerichtet. Der Stadt sei klar, dass alle Betroffenen von den Maßnahmen "belastet sein werden", sagt Kolmer. Man wolle aber zu jeder Zeit transparent und auf allen verfügbaren Kanälen über die Baumaßnahme informieren.

Kosten nicht absehbar

Was die Kosten des Projekts angeht, hält sich die Stadt allerdings bedeckt. Dezernent Kolmer nennt ein Summe von etwa 60 Millionen Euro, schiebt aber hinterher, dass es durchaus teurer werden könnte. Eine seriöse Prognose abzugeben, sei in dieser Phase des Projekts aber schlicht unmöglich, ergänzt Thomas Emig vom Mobilitätsamt.

Das sei in erster Linie auf die Auswirkungen der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs zurückzuführen. "Wir bauen in der schwierigsten Marktlage, die wir jemals hatten", so Emig. Sowohl Kosten als auch Einhaltung des Zeitplans hingen eng damit zusammen, wie die Ausschreibung läuft.

Es könnte also durchaus sein, dass Betroffene auch nach 2027 noch Umleitungen fahren müssen.

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