Stefan Kunisch mit dem Übungspferd aus Plastik

Wenn Tiere in Not geraten, ist die Feuerwehr gefragt. Mancherorts gibt es sogar eigens ausgebildete Spezialisten, die im Umgang mit Tieren geschult sind - zum Beispiel in Kelkheim.

Die Geschichte über ein ertrinkendes Kalb, dass in der Röhn in einen Swimmingpool gefallen war, hat am Samstag viele Menschen bewegt. Der Artikel gehörte an diesem Tag zu den meistgeklickten Beiträgen auf hessenschau.de. Dass die Geschichte ein Happy End hatte, ist vor allem den Rettern der Feuerwehr zu verdanken, die das völlig erschöpfte Tier mit Seilen aus dem Wasser hoben.

Das Kalb im Pool

Feuerwehr für Tierrettung zuständig

Tierrettung ist generell Sache der Feuerwehr, wie auch der Landesfeuerwehrverband in Kassel bestätigt. Doch innerhalb der Feuerwehr gibt es mancherorts noch einmal Einheiten, die sich auf in Not geratene Tiere spezialisiert haben.

Stefan Kunisch von der Feuerwehr in Kelkheim (Main-Taunus) ist solch ein Spezialist. Er hatte schon ähnliche Einsätze wie die Kollegen in der Rhön. Er musste schon einmal ein Pferd aus einem Schwimmbecken retten, das sich selbständig aus seiner Box befreit hatte und spazieren gegangen war. Kunisch arbeitet ehrenamtlich bei der Tierrettung des Kreisfeuerwehrverbands in Kelkheim.

Spezialeinheit in Kelkheim

Sein Verband gehört zu den wenigen freiwilligen Feuerwehren in Hessen mit einer eigenen Abteilung zur Tierrettung. Die spezielle Einheit besteht aus 13 Feuerwehrmännern und fünf Feuerwehrfrauen, die diese Aufgabe ehrenamtlich zusätzlich übernommen haben.

Angefangen hatte alles im Jahr 2002 nach einem schweren Unfall mit einem Tiertransporter im Main-Taunus-Kreis; der Landkreis fragte daraufhin beim Kreisfeuerwehrverband an, ob nicht eine entsprechende Einheit zur Tierrettung gegründet werden könne. Zwei Jahre später waren die entsprechenden Mitglieder der Feuerwehren Kelkheim, Münster und Liederbach geschult und einsatzbereit.

"Eigentlich kommen Katzen alleine wieder runter"

Seitdem stehen für sie jedes Jahr im Schnitt 15 bis 20 Einsätze an, bei denen sie Tiere retten. Natürlich ist die obligatorische Katze auf dem Baum immer mal wieder dabei, auch wenn Kunisch als Leiter der Tierrettung sagt: "Eigentlich kommen alle Katzen auch von alleine wieder runter." Die kleinsten Wesen waren bislang Bienen, die sich vor einem Supermarkt-Eingang häuslich niedergelassen hatten. Der Bienenstock wurde von den Feuerwehrleuten entfernt.

Seit den coronabedingten Schließungen ist die Zahl der Einsätze zurückgegangen. "Auch allgemein gibt es weniger Feuerwehreinsätze", berichtet Kunisch. In den vergangenen Monaten wurden die Tierretter lediglich einige Male wegen gesichteter Schlangen gerufen. Generell beschäftigen diese Reptilien die Tierretter häufig, erzählt Kunisch. Zu den spektakulären Fällen gehört eine mehrere Meter lange Netzpython, die sich von einem Balkon abgeseilt hatte - sehr zum Schrecken der Bewohner im Stockwerk darunter. Das größte Tier, dem geholfen wurde, war vielen Jahren ein Elefant im nahen Opel-Zoo in Kronberg, der nicht mehr aufstehen konnte.

"Ausnahmezustand" auf brennedem Reiterhof

Unvergessen ist auch der Einsatz bei einem Brand auf einem Reiterhof in Kelkheim im Sommer 2018. Über 40 Pferde flohen vor den Flammen. "Das war ein Ausnahmezustand", erinnert sich Kunisch heute noch. Panische Tiere kamen den Rettern entgegen; ein Pferd starb, nachdem es gegen ein Löschfahrzeug gerannt war. "Es ist sehr wichtig, dass man in brenzligen Situationen Ruhe ausstrahlt und eine Beziehung zu dem Tier aufbaut", weiß der 44-Jährige.

Damit im Fall des Falles jeder Handgriff sitzt, werden mehrfach im Jahr Lehrgänge besucht und natürlich wird auch im heimischen Main-Taunus-Kreis geübt. Dabei hilft ein Pferd aus Plastik, das sich die Feuerwehr für mehrere tausend Euro gekauft hat. Das 1,62 Meter große und 200 Kilogramm schwere Tier steht auf Rollen, damit es gut transportiert werden kann. Viele Gelenke können bewegt werden, so dass die Feuerwehrleute etliche Szenarien üben können.

Mit spezieller Ausrüstung ausgestattet

Auch ansonsten sind die Kelkheimer Retter bestens ausgestattet, zum Beispiel mit Hebegeschirren und einem knallroten Tiertransporter in XXL, der speziell für sie angefertigt wurde. Alarmiert werden die Tierretter meist von der Polizei oder vom Rettungsdienst, je nach Aufwand kostet ihr Einsatz zwischen 500 und 5.000 Euro. Wenn der Tierhalter Pech hat, muss er das selbst bezahlen. "Das kann man aber nicht so generell sagen. Es kommt immer darauf an, wer wie was verursacht hat", so Kunisch.

Ähnlich äußert sich auch Harald Popp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Hessen in Kassel. "In der Regel sind Brandeinsätze und Einsätze zur Menschenrettung kostenfrei, alles andere liegt im Ermessensspielraum der Kommunen."