Arbeiten an der Umspannanlage Höchst

Nach einem mehrstündigen Stromausfall im Frankfurter Westen schließt der zuständige Versorger weitere Stromausfälle nicht aus. Was bedeutet das für die kritische Infrastruktur in der Gegend?

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Feuerwehreinsatz im Umspannwerk Frankfurt-Höchst
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Im Frankfurter Westen ist am Dienstagabend für etwa 11.000 Haushalte der Strom ausgefallen. Der Grund war ein defekter Stromwandler in der Umspannanlage Höchst. Der zuständige Versorger Süwag Energie AG teilte mit, dass sich das Bauteil erhitzt und dadurch umliegende Kabel und Bauteile beschädigt hatte.

Die Stromversorgung sei momentan weiter unsicher, sagte Süwag-Pressesprecherin Tanja Ackermann am Donnerstag. Da es sich nur um eine Übergangslösung handle, könne es in den kommenden Tagen zu erneuten Stromausfällen kommen. Mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen seien im Einsatz, um eine dauerhafte Versorgung zu erreichen, teilte Ackermann mit.

Klinik läuft über Notstromaggregat weiter

Neben privaten Haushalten war am Dienstag auch das Klinikum Frankfurt-Höchst von dem Stromausfall betroffen. Die Notfallsysteme liefen offenbar reibungslos. "Die Stromversorgung im Klinikum wurde in den relevanten Bereichen nach Ausfall der externen Stromversorgung ohne Verzögerungen über ein klinikeigenes Notstromaggregat sichergestellt", teilte Petra Fleischer von der Unternehmenskommunikation des Klinikums mit. Die Versorgung der Patienten und Patientinnen sei sichergestellt gewesen.

Während der Stromausfall in privaten Haushalten mehrere Stunden andauerte, habe das Klinikum schon 45 Minuten später wieder auf eine normale Stromversorgung umstellen können. Der Energieversorger habe die Stromeinspeisung für das Klinikum kurzfristig auf ein anderes Umspannwerk geändert.

Probleme habe es lediglich bei der internen Kommunikation über den Mobilfunk gegeben. Deshalb prüfe das Klinikum jetzt, wie die Kommunikation auch bei lahmgelegten Mobilfunksystemen in ganzen Stadtteilen zuverlässig bleiben könne.

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Was ist eine Notstromversorgung?

Für Krankenhäuser als Teil der kritischen Infrastruktur ist eine Notstromversorgung vorgeschrieben. Essenzielle Systeme müssen so mindestens 24 Stunden weiterlaufen können. Zur Notstromversorgung in Kliniken gehören neben Notstromaggregaten beispielsweise spezielle Steckdosen in OP- und Intensivbereichen, die bei einem Stromausfall ohne Unterbrechung über eine andere Stromquelle weiterlaufen können.

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Andere Einrichtungen, die über keine Notstromversorgung verfügen, waren von dem Stromausfall stärker betroffen. "Das war schon eine herausfordernde Situation", sagt Reinhard Skodda, Leiter des Seniorenpflegeheims Domicil in Frankfurt Höchst. Die Pflegekräfte seien mit den Handy-Taschenlampen über die Flure gelaufen, um die Bewohnerinnen und Bewohner zu versorgen.

Feuerwehr sorgte für Notfall-Beatmung

Im Pflegeheim sind einige Bewohner auf die Beatmung durch Sauerstoffgeräte angewiesen. "Die Feuerwehr hat sich von sich aus gemeldet und die Patienten dann mit mobilen Sauerstoffgeräten versorgt", sagt Skodda.

Einige demente Personen hätten mit Angst auf die Dunkelheit reagiert, sagte der Einrichtungsleiter. Doch die meisten hätten entspannt auf den Stromausfall reagiert. "Früher, nach dem Krieg, waren lange Stromausfälle normal, deswegen sehen viele Ältere das gelassen", sagte Skodda. Im Heim stelle man sich nun auf weitere Stromausfälle ein. Geplant sei große Handleuchten für alle Stockwerke anzuschaffen.

Stromausfälle werden immer seltener

Am Dienstag hatte es auch in Offenbach in einigen Haushalten einen kürzeren Stromausfall gegeben. Dieser Ausfall stehe aber in keinem Zusammenhang mit dem Stromausfall in Frankfurt, betonte Harald Hofmann von der Energieversorgung Offenbach (EVO). Hier sei ein gewöhnlicher Kurzschluss in einer technischen Anlage der Grund gewesen.

So etwas könne immer mal wieder passieren, sei aber in den vergangenen Jahren immer seltener geworden: Im Schnitt lägen Kreis und Stadt Offenbach bei acht Minuten Stromausfall im Jahr. Früher habe es öfter Stromausfälle gegeben - eine Entwicklung, die auch aktuellsten Zahlen der Bundesnetzagentur bestätigen.

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