Ginnheimer Spargel
Blick vom Ginnheimer Spargel auf Frankfurt Bild © Frank Angermund

Die Disco-Zeiten des Ginnheimer Spargels in Frankfurt sind längst vorbei, der Fernmeldeturm ist in die Jahre gekommen. Nun gibt es neue Pläne für den mehr als 337 Meter hohen Turm - diese hat Oberbürgermeister Feldmann beim Aufstieg verraten.

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Der Blick vom Fuße des Ginnheimer Spargels scheint in den Wolken zu enden. Ein mehr als 337 Meter großer, betongrauer Riese steht da. Genau genommen steht er im Frankfurter Stadtteil Bockenheim, aber der Volksmund hat ihn ins angrenzende Ginnheim verpflanzt. Draußen an der Tür des Funkturms hängt ein Warnschild: Für die Öffentlichkeit geschlossen – ohne Ausnahme. Und das seit 1999.

Heute werden in Frankfurts höchstem Gebäude nur noch die Technikräume genutzt. Doch nun gibt es die Idee, den Europaturm, wie der Spargel offiziell heißt, wieder für die Frankfurter zu öffnen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat sich nun deshalb dort umgeschaut.

Ginnheimer Spargel
Es müsste im Funkturm viel renoviert werden. Bild © Frank Angermund

Zunächst geht es durch eine eiserne Drehtür, dann durch graue schmucklose Gänge, die zu einem modernen Aufzug führen. Innerhalb weniger Sekunden rast dieser auf 222 Meter Höhe. Hier gab es in den 1980ern eine Disco, erinnert sich Feldmann. "Es geht jetzt erst einmal darum festzustellen, welche Flächen vorhanden sind, und wie es hier aussieht", sagt er. Der Zustand entspreche nicht mehr dem, den er als junger Disco-Besucher wahrgenommen habe.

Blick über Frankfurt, den sonst nur Vögel genießen können

Der Turm braucht einen Anstrich. Und die Fenster in der früheren Disco müssten dringend mal geputzt werden. Doch schon der Blick durch die verschmutzten und schräg nach oben verlaufenden Glasscheiben bietet einen traumhaften Blick über Frankfurt - und in die Tiefe. "In der Discothek galt es früher als Mutprobe, sich da mal draufzulegen. Es hat gehalten in der Vergangenheit, es war aber nicht offiziell erlaubt", sagt Peer Kollecker vom Betreiber Deutsche Funkturm GmbH, einem Tochterunternehmen der Telekom.

Um auf die Kanzel, also das Dach des Funkturms zu gelangen, geht es es noch mehrere Etagen hoch. Treppen steigen, dann durch eine schwere Metalltür. Und plötzlich bietet sich ein Blick über Frankfurt, den sonst nur Vögel genießen können. "Es ist richtig hoch. Der Messeturm wirkt auf einmal klein, die EZB wirkt klein", findet Feldmann. "Ich glaube, dass die Frankfurter begeistert und vielleicht ein Stück weit verrückt danach sind, das mal wieder sehen zu können."

Restaurant oder Aussichtsplattform denkbar

Der Turm wird immer noch genutzt: Unter anderem wird digitales Fernsehen und Radio abgestrahlt. Richtfunkantennen werden zur Datenübertragung für den Mobilfunk und den Börsenhandel genutzt. Und nun gibt es die Idee, ähnlich wie in Hamburg und Dresden, den Turm für die Öffentlichkeit wieder zu öffnen.

Ginnheimer Spargel
Blick durch die Glasscheiben des Ginnheimer Spargels Bild © Frank Angermund

Ein Restaurant oder eine Aussichtsplattform sei denkbar, sagt Kollecker. Im kommenden Jahr könnte bereits der öffentliche Teil des Turmes für einzelne Besuchergruppen geöffnet werden.

"Wir müssen, wenn man die Öffentlichkeit wieder hochlässt, die aktuellen Brandschutzauflagen erfüllen. Dafür sind verschiedenste Baumaßnahmen notwendig", so Kollecker. Es müssten haustechnische Anlagen neu installiert und ertüchtigt werden. Eine Aufrüstung würde allerdings Millionen kosten: "Das ist das, was das Geld verschlingt." Alleine finanzieren will die Deutsche Funkturm GmbH das nicht. Es müsste öffentliches Geld oder Kapital von Privatleuten her.

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Nach dem ernüchternden Gespräch über Zahlen geht es die Treppen wieder runter. Zum ehemaligen Restaurant. In über 200 Metern Höhe haben die Gäste früher Grüne Soße im Ginnheimer Spargel gegessen und sich dabei gedreht. "Der Drehkranz hat sich in einer Stunde komplett einmal rumgedreht", erklärt Kollecker.

Auch die Frankfurter Bürger sollen gefragt werden, ob wieder ein drehendes Restaurant, eine steile Disco oder etwas ganz anderes in den Ginnheimer Spargel einziehen soll. Es braucht Ideen und einen Betreiber. Einen unglaublichen Ausblick und einen Aufzug, der 222 Höhenmeter in wenigen Sekunden überwindet, gibt es ja schon.

Ginnheimer Spargel
Der Ginnheimer Spargel ist mit 337,5 m Höhe der zweithöchste Fernmeldeturm Deutschlands nach dem Berliner Fernsehturm. Bild © Frank Angermund

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 07.08.2019, 16.45 Uhr