Collage: Goetheturm im Feuer und Modell für neuen Turm

Vor zwei Jahren steckten Unbekannte den Frankfurter Goetheturm in Brand. Vom hölzernen Wahrzeichen blieb nichts übrig. Die Suche nach dem Täter verlief bisher erfolglos - und auch beim Wiederaufbau scheint es Probleme zu geben.

Videobeitrag

Video

zum Video Zwei Jahre nach dem Brand des Goetheturms in Frankfurt

hs
Ende des Videobeitrags

Vom einstigen Wahrzeichen Frankfurts im Stadtteil Sachsenhausen ist nicht viel übrig. Vier steinerne Eckpfeiler des Fundaments stehen noch, umrandet von einem Bauzaun. Dazwischen wuchert langsam wieder Gras. Vor genau zwei Jahren, in der Nacht zum 12. Oktober 2017, wurde der hölzerne Aussichtsturm in Brand gesteckt. Die Flammen schlugen dutzende Meter hoch, der Turm brannte vollständig nieder. Deutschlandweit gingen die Bilder des Feuers durch die Nachrichten.

Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) erinnert sich beim Blick auf die Ruine an die große Betroffenheit der Menschen, als sie vom verheerenden Brand hörten. "Es waren viele Leute da, die Anteil genommen haben an dem Denkmal, an unserem Goetheturm, der abgebrannt ist in der Nacht." Auch für ihn selbst sei damit ein Stück aus seiner Kindheit für immer verschwunden.

Orstvorsteher Christian Becker vor der Ruine des Goetheturms

Neuer Turm in alter Optik

Doch die Frankfurter wollten sich ihren Turm nicht nehmen lassen. "Der Goetheturm gehört zum Stadtteil, hat zum Stadtteil gehört", sagt Becker, "und es ist wichtig, dass man etwas, das so einem Stadtteil eine Identität gibt, auch wieder aufbaut." Schon kurz nach dem Brand richtete die Stadt zwei Spendenkonten ein und ließ die Bürger online abstimmen, wie der neue Turm aussehen soll. Die Antwort war eindeutig: 78 Prozent wünschten sich, er solle dem Original möglichst ähnlich sein.

Im April 2019 präsentierte Frankfurts Baudezernent Jan Schneider (CDU) den Entwurf mit dem Versprechen: Im Frühjahr 2020 steht der neue Turm. Der Baubeginn war für den Herbst angekündigt, doch bisher liegt die Ruine brach. Schon in einem guten halben Jahr, im Mai 2020, soll am neuen Goetheturm ein großes Fest gefeiert werden. Doch ist dieser Termin noch zu halten?

Schwierigkeiten mit dem Holz

Auf Anfrage teilt das Baudezernat schriftlich mit, dass es noch Probleme mit dem Baumaterial gebe: "Für das vorgesehene Baumaterial, Brettschichtholz aus Edelkastanie, ist allerdings eine Einzelfallzulassung durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung erforderlich. Das dafür nötige Gutachten einer Materialprüfungsanstalt steht noch aus."

Ein Bauzaun steht um die verbliebenen Reste des Fundaments des Goetheturms

Dass die Bauarbeiten trotzdem wie geplant noch im Herbst starten, kann die Stadt nicht versprechen. Alle anderen Hürden seien aber genommen: Die Stadtverordnetenversammlung habe der Finanzierungsvorlage Ende September zugestimmt, die Planung sei abgeschlossen, die Baugenehmigung liege vor.

Brandstifter noch nicht gefunden

Während der Wiederaufbau trotz Schwierigkeiten in Sicht scheint, ist eine Frage immer noch ungeklärt: Wer hat den beliebten Aussichtsturm vor zwei Jahren in Brand gesteckt? Auch die eigens eingerichtete Ermittlergruppe "AG Holz" brachte keinen Erfolg. Das Problem bei Brandstiftung sei, dass man am Tatort sehr wenige Spuren vorfinde, erklärt Isabell Neumann von der Polizei Frankfurt: "Das liegt zum einen daran, dass das Feuer sehr viele Spuren vernichtet hat. Aber auch durch die Löscharbeiten wird vieles im Prinzip unbrauchbar gemacht."

Aktuell liefen die Ermittlungen natürlich nicht mehr so intensiv wie damals, sagt Neumann: "Sollte sich aber wieder eine heiße Spur auftun, dann werden wir natürlich wieder alles Mögliche daran setzen, um dort weiter zu machen."

Frage nach Serientäter weiter unklar

Auch mehrere andere hölzerne Bauwerke in der Stadt fielen in den Wochen davor und danach Brandstiftern zum Opfer: der koreanische Morgentau-Pavillon im Grüneburgpark, der chinesische Pavillon im Bethmannpark, zwei Kindertagesstätten und die Begegnungsstätte Blaues Haus am Mainufer. Es gab auffällige Gemeinsamkeiten zwischen den Bränden: Alle wurden gegen 3.30 Uhr in der Nacht gemeldet. In allen Fällen brannten die Bauwerke lichterloh, als die Feuerwehr eintraf. Bei keinem der Feuer gab es Verletzte.

Vom Morgentau-Pavillon ist nur noch eine Brand-Ruine übrig.

Die Polizei geht nicht davon aus, dass es sich um eine Brandserie handelt – auch wenn die Zusammenhänge nicht ganz von der Hand zu weisen sind, wie Neumann sagt: "Auch wir hatten die Idee: Könnte es sich um eine Serie handeln? Allerdings haben die Spuren, die wir an allen Tatorten gefunden haben, keine eindeutigen Hinweise darauf ergeben."

Besserer Schutz für neuen Goetheturm

Um den künftigen Turm besser vor Vandalismus und Brandstiftung zu schützen, sind verschiedene Maßnahmen geplant. Treppen und Podeste sollen teilweise aus einer Stahlkonstruktion bestehen, im Innern soll der Turm videoüberwacht sein. Der Ortsvorsteher ergänzt: "In der Planung ist vorgesehen, dass ein Zaun um den Goetheturm kommt mit einem Tor, das verschlossen wird."

Becker freut sich auf den neuen Turm und wünscht sich vor allem eines: "Dass die Bevölkerung den neuen Goetheturm annimmt als ihren Goetheturm und dass wir weiter hier mit dem Goetheturmfest und dem Weihnachtsmarkt Feste feiern."

Weitere Informationen

Kosten für den neuen Turm

Für den Wiederaufbau sind rund 2,4 Millionen Euro eingeplant. Der Großteil davon, etwa 2,1 Millionen Euro, kommt aus der Versicherungssumme. Außerdem sind Spenden in Höhe von rund 200.000 Euro zusammengekommen.

Ende der weiteren Informationen
Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Goetheturm: Zwei Jahre nach der Brandstiftung

Collage: Goetheturm im Feuer und Modell für neuen Turm
Ende des Audiobeitrags

Sendung: hr-iNFO, 11.10.2019, 16.17 Uhr