Falsche Urinprobe

Verbrechen will gelernt sein! Mancher vermeintliche Coup ist im Jahr 2019 mächtig in die Hose gegangen. Hier ist unsere Top 10 des Jahres von Fällen, bei denen sich die Täter besonders dreist oder besonders ungeschickt angestellt haben.

Gibt es das perfekte Verbrechen? Wenn ja, dann sind die Gauner und Gesetzesbrecher in den folgenden Fällen weitestmöglich davon entfernt. Das sind die Top Ten der dümmsten, dreistesten und kuriosesten Verbrechen 2019 in Hessen:

Platz 10: Der betrunkene Rollerfahrer

Ein Mann fuhr im August nach einem Streit betrunken auf einem Motorroller wie selbstverständlich zur Polizei im südhessischen Heppenheim (Bergstraße). Auf der Wache bemerkten die Beamten schnell den verdächtigen Geruch und baten zum Alkoholtest. Ergebnis: 1,28 Promille.

Eigentlich wollte der Mann einen Bekannten anzeigen, mit dem er im Clinch lag. "Doch dazu kam es nicht, weil die Maßnahme sich plötzlich gegen ihn wendete", erklärte die Polizei später. Der genaue Hintergrund des Streits, der Auslöser für die Sprit(z)tour zur Polizei war, blieb unklar.

Platz 9: Vor verschlossenen Türen

Vor ihrem Raubüberfall im November auf eine Sportsbar im südhessischen Raunheim hätten sich die beiden Täter wohl besser über die Öffnungszeiten informiert. Denn es war bereits 2.45 Uhr, als sie versuchten, durch den Haupteingang zu stürmen. Die Tür der Bar war bereits verriegelt. Die beiden Täter flüchten frustriert und unverrichteter Dinge. Die Überwachungskamera hielt die Szene für die Nachwelt fest.

Platz 8: Bonbon-Alarm am Flughafen

Mit Bonbons im Handgepäck handelte sich eine 80-jährige Frau am Frankfurter Flughafen eine Anzeige ein. Die Bundespolizei entdeckte bei der Sicherheitskontrolle im November in ihrer Tasche Coca-Bonbons. Sie enthalten Bestandteile der Coca-Pflanze und fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Die in den Bergen Boliviens lebende Deutsche gab an, die Coca-Bonbons zur Linderung ihrer Höhenkrankheit zu benötigen. Punkte für Kreativität gab's, abgeben musste sie die Rauschmittel dennoch.

Platz 7: Dreister Handydieb

Ein Handydieb versuchte im August in Frankfurt, das gestohlene Telefon kurz nach der Tat ganz dreist wieder an sein Opfer zu verkaufen. Der Bestohlene hatte im Bahnhofsviertel im stehenden Verkehr bei heruntergelassener Scheibe telefoniert, als der Dieb auftauchte und ihm das Handy entriss. Er floh, kehrte aber wenig später zurück. Sein Angebot: Gegen Zahlung von 20 Euro sollte das Opfer sein Handy zurückbekommen. Der Bestohlene lehnte jedoch ab. Der Täter verschwand samt Smartphone.

Platz 6: Folgenschweres Nickerchen

Ihr Nickerchen im Vorraum einer Kasseler Bank bescherte einer obdachlosen Frau Anfang Oktober einen Aufenthalt im Gefängnis. Die 32-Jährige wurde per Haftbefehl gesucht. Ein Zeuge hatte die auf dem Boden schlafende Frau entdeckt, befürchtet, dass sie Hilfe braucht und den Notruf gewählt. Die Beamten weckten die schlaftrunkene Frau und brachten sie ins Gefängnis. Sie war gesucht worden, weil sie eine Haftstrafe wegen Diebstahls verbüßen sollte.

Platz 5: Hollywoodreife Verfolgungsjagd

Eine wilde Verfolgungsjagd lieferte sich ein Autofahrer im Oktober mit der Polizei in Nordhessen. Um die Beamten in Hofgeismar (Kassel) loszuwerden, warfen der Fahrer (30) und seine Beifahrerin (39) bei ihrer Flucht mit Nägeln und Schrauben bestückte Gegenstände aus dem Auto.

Wegen seiner waghalsigen Manöver verursachte der Fahrer einen Unfall und stieß mit dem Polizeiwagen zusammen. Nach dem Crash stellte sich heraus: Fahrer und Beifahrer standen unter Drogen. Der Fahrer hatte zudem keinen Führerschein. Und im mit gestohlenen Kennzeichen geführten Wagen fanden die Beamten bei dem polizeibekannten Mann Werkzeuge für Einbrüche.

Platz 4: Pubertierende "Gangster-Rapper"

Spektakuläres Posen mit Nachspiel: Ein Fotoshooting mit Waffen und Sturmhauben hatte Ende September für eine Gruppe junger Leute in Nordhessen Folgen. Sie verstießen gegen das Waffengesetz. Ermittlungen wurden eingeleitet.

Anwohner in Vellmar (Kassel) hatten Schüsse gehört und die Polizei gerufen. Die Beamten trafen in einem Park auf fünf junge Männer und zwei Jugendlichen im Alter von 15 bis 22 Jahren. Sie trugen eine Schreckschusswaffe, einen Teleskopschlagstock sowie Sturmhauben bei sich. Ihre Erklärung für das Spektakel: Sie posierten für Social-Media-Schnappschüsse. Sie wollten sich wie "Gangster-Rapper" präsentieren. Statt Bewunderung bei Facebook und Instagram bekamen sie eine Anzeige der Polizei.

Platz 3: Kirschrote Urinprobe

Ein pfiffiger Autofahrer gab bei einer Polizeikontrolle im Mai in Südhessen nicht die geforderte Urinprobe, sondern einen Becher mit einem Energydrink ab. In der Theorie schon überschaubar clever, in der Praxis ein absoluter Reinfall: Der Mann hatte nämlich nichtbedacht, dass das Getränk kirschrot statt pipigelb war.

Die amüsierten Beamten nahmen den Mann (46) mit aufs Revier, wo er eine Blutprobe abgeben musste. Der Autofahrer war der Streife wegen verdächtiger Fahrweise auf der A5 bei Weiterstadt (Darmstadt-Dieburg) aufgefallen. Bei der Durchsuchung des Mannes fand die Polizei auch Crack und Heroin.

Falsche Urinprobe

Platz 2: Fahrraddieb auf Irrwegen

Ein mutmaßlicher Fahrraddieb verirrte sich im April ausgerechnet auf den Innenhof eines Polizeireviers in Frankfurt. "Seine Fahrt war damit beendet", berichteten die Beamten. Ihnen fiel im Stadtteil Sachsenhausen ein Mann auf, der auf dem Gelände eine Runde mit einem Damenrad drehte. Die Beamten kontrollierten den 26-Jährigen, der offenkundig unter Drogen stand. Als ihn die Beamten durchsuchten, kam auch noch ein Bolzenschneider zum Vorschein.

Platz 1: Der falsche Arzt

Ein Hochstapler, der sich als Arzt ausgegeben hatte, flog in einer Klinik in Nordhessen auf. Der 38-Jährige hatte sich mit gefälschten Unterlagen auf eine Stelle beworben. Das Melsunger Asklepios Klinikum nahm ihn für Bereitschaftsdienste als Aushilfe.

Nach wenigen Diensten fiel seine Inkompetenz allerdings auf. Er hielt etwa standardisierte Verfahren bei einer Bluttransfusion nicht ein. Eine Krankenpflegerin schöpfte Verdacht. "Er ist an den Schwestern gescheitert", resümierte der ärztliche Leiter, als der Fall zu Jahresbeginn publik wurde. Für den 38-jährigen Hochstapler war es nicht der erste Versuch, sich als Arzt in eine Klinik einzuschleichen - er ist ein Wiederholungstäter.

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zum Video Fünf Jahre Haft für falschen Arzt

hsk
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