Maikäfer
Maikäfer Bild © picture-alliance/dpa

Im hessischen Ried und rund um Hanau schlüpfen Ende April die ersten Maikäfer. Dieses Jahr ist ein Hauptflugjahr der immer seltener werdenden Insekten. Aus Sicht von Forstwirten sind sie Problemtiere.

Nach jahrelanger Pause steht wieder ein Hauptflugjahr der Maikäfer bevor. Von Ende April an werde mit den ersten der Insekten gerechnet, sagte Petra Westphal, Sprecherin von Hessen Forst, zur Nachrichtenagentur dpa. Waldmaikäfer kommen vor allem im hessischen Ried vor.

Waldbesitzer mögen die Tierchen nicht übermäßig

Bodenuntersuchungen hätten gezeigt, dass der Bestand der Käfer und ihrer Larven in den vergangenen Jahren nach einem zwischenzeitlichen Rückgang wieder gestiegen sei, berichtete Westphal. Dies gelte vor allem für die nördlichen Teile des Rieds. Maßnahmen gegen die Insekten seien nicht vorgesehen, die Situation sei allerdings aus waldbaulicher Sicht in vielen Bereichen angespannt.

Der hessische Waldbesitzerverband befürchtet hohe Schäden durch die Käfer. Die Bäume im Ried litten ohnehin unter Trockenheit, da von dort Grundwasser zum Ballungsraum Frankfurt abgeleitet werde, sagte der Geschäftsführender Direktor des Verbandes, Christian Raupach: "Etwa 10 000 Hektar Wald sind akut vom Absterben bedroht."

Maikäfer
Maikäfer Bild © picture-alliance/dpa

Raupach kritisierte, dass eine politische Entscheidung fehle, mit biochemischen Mitteln gegen die Maikäfer vorzugehen. "Wie sich der Wald dort erholen soll, das würden wir gerne von Umweltministerin Priska Hinz wissen", sagte Raupach. Weil es im Ried wenig Grundwasser gebe, entwickelten sich die Larven des Waldmaikäfers dort besonders gut. Hessen Forst sprach von einer Massenvermehrung der Insekten seit Mitte der 1980er Jahre in Teilen des Rhein-Main-Gebiets. Die Lage sei "in vielen Bereichen angespannt", hieß es.

Engerlinge knabbern an den Wurzeln der Bäume

Die Käfer werden bis Ende Mai unterwegs sein. Bei ihnen steht alle vier Jahre ein Hauptflugjahr an. In der Zwischenzeit reifen ihre Larven, die Engerlinge, im Boden heran. Wenn es soweit ist, schlüpfen die Käfer in der Dämmerung aus dem Boden und fliegen in Laubbäume, wenn ihre Fressfeinde - Vögel - sich schon zur Ruhe begeben haben. Schaden an den Bäumen verursachen vor allem die Engerlinge, die an den Wurzeln nagen.

"Früher gab es Maikäfer in Massen, sie wurden zum Beispiel unter anderem an Hühner verfüttert. Heute ist es ein Glücksfall, wenn man einen sieht", sagte der Biologe Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Im Forst sei viel gegen sie unternommen worden, aus Sicht der Forstwirte handele es sich um ein Problemtier.

Naturschützer halten Käferbekämpfung für sinnlos

Neben dem Ried gibt es nach Auskunft von Stübing im Raum Hanau noch Gebiete, in denen sich Maikäfer wohl fühlen. Nach Einschätzung des Biologen schaden Engerlinge vor allem Bäumen, die bereits unter anderen Problemen leiden. Im Ried sei dies vor allem Trockenstress, hervorgerufen davon, dass aus der Region Grundwasser in Richtung Frankfurt geleitet werde.

"Deshalb sagen wir, das eigentliche Problem wird mit Käferbekämpfung nicht gelöst", sagte der Biologe von der HGON. Maikäfer seien wichtige Nahrung für heute seltene Vogelarten wie etwa den Baumfalken und den Wiedehopf. "Der Baumfalke kommt Ende April aus Afrika und braucht dann energiereiche Nahrung", sagte Stübing. In Maikäferjahren könnten diese Vögel mehr Jungtiere aufziehen - und das sei wiederum wichtig für den Vogelbestand.

Sendung: hr3, 17.04.2018, 8.20 Uhr