Notstromaggregat in Ronshausen-Machtlos

Eine Woche lang war der Ronshausener Stadtteil Machtlos auf ein Notstromaggregat angewiesen. Die beiden Stromleitungen, die den Ort versorgen, hatten kurz hintereinander den Geist aufgegeben. Die Notstromversorgung hatte skurrile Auswirkungen auf den Alltag.

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Besonders abgelegenen Orten sagt man gerne despektierlich nach, dass dort die Uhren etwas anders gehen. Auf den Ronshausener Stadtteil Machtlos hat diese Redewendung in der vergangenen Woche wortwörtlich zugetroffen. Doch das hat nichts mit einer vermeintlichen Rückständigkeit der Bewohner zu tun - immerhin ist Machtlos nicht von ungefähr Träges des Titels "Dolles Dorf 2019". Tatsächlich tickten die Uhren in den letzten Tagen etwas schneller als im Rest des Landes.

Der Grund: Der knapp 200 Einwohner zählende Ortsteil musste seit Donnerstag vergangener Woche von einem Notstromaggregat mit Elektrizität versorgt werden. Die Frequenz des Generators allerdings war deutlich höher als die des normalen Stromnetzes, was unter anderem die Uhren im Ort dazu brachte, schneller zu ticken - zumindest jene, die elektrisch betrieben werden. Dass es überhaupt soweit kam, dass Machtlos auf eine Notversorgung angewiesen war, hat dann doch wieder etwas mit Rückständigkeit zu tun. Nicht der Bewohner, aber des lokalen Stromnetzes.

Doppelt hält nicht immer besser

Am Donnerstag, 2. Juli, werden die Machtloser beim Frühstück von einem Stromausfall überrascht. Der Grund: ein sogenannter Erdschluss. Eine der unterirdischen Stromleitungen ist offenkundig defekt und leitet den Strom statt in die Machtloser Haushalte direkt in die Erde.

Ein Ärgernis, das allerdings schnell behoben ist. Denn Machtlos hat den Vorteil, an einer Ringstromleitung zu hängen. Soll heißen: Die Ortschaft wird aus zwei Richtungen mit Elektrizität versorgt. Alles, was der Energierversorger EAM tun muss, ist das defekte Teilstück abschalten und den Strom über die verbleibende Leitung umleiten. Nach einer halben Stunde sind die Machtloser wieder am Netz - zumindest kurzzeitig.

Schon am Mittag bricht auch die zweite Leitung in dem Ort zusammen. Machtlos ist wieder ohne Strom. Glücklicherweise hat die EAM bereits am Vormittag ein Notstromaggregat herbeigeschafft. Doch bis das angeschlossen ist, vergehen mehrere Stunden. Seitdem hängt Machtlos quasi am Tropf eines Dieselmotors.

Ortsvorsteher Udo Berle ist froh, dass zumindest dieses Provisorium die letzten Tage gehalten hat - auch das Aggregat selbst ist für einige Machtloser inzwischen zum Ärgernis geworden. "Vor allem ist es nervig für die Anwohner. Der Dieselmotor vom Aggregat ist Tag und Nacht am Laufen." Aber immerhin, es gibt Strom. Keine Selbstverständlichkeit, wie die Machtloser wissen.

Telefon-Kabel bei Reparaturen beschädigt

Denn Probleme mit der Stromleitung habe es "schon im Vorfeld" gegeben, berichtet Berle. Daher wollte die EAM bereits seit Längerem neue Kabel verlegen. Der "Super-Gau" vom Donnerstag, wie Berle es nennt, hat indes der Zeitplanung einen kräftigen Strich durch die Rechnung gemacht. Die letzten sieben Tage standen im Zeichen der Schadensbegrenzung.

Die allerdings ist nur teilweise gelungen. Denn laut einem Bericht der Hessisch-Niedersächsichen Allgemeinen wurde bei den ersten Reparaturversuchen am Donnerstag auch ein Kabel der Telekom beschädigt. Hauptsächlich betroffen war davon das in Machtlos gelegene Feriendorf Ronshausen, wo mehrere Telefon- und Internetanschlüsse ausfielen.

Nach fast genau einer Woche können die Mitarbeiter an diesem Donnerstag nun allerdings das Notstromaggregat wieder einpacken. Am Vormittag sind die letzten Reparaturen an den Stromleitungen abgeschlossen worden. Machtlos ist wieder am Netz. Und die Uhren ticken wieder normal.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 09.07.2020, 13 Uhr