Männer in einem Gerichtssaal.

Nachdem Vater und Sohn ihre Vermieter auf einem Reiterhof in Maintal getötet hatten, wurden sie vom Landgericht Hanau freigesprochen - zweimal. Zu Beginn des dritten Prozesses verwies der Vater auf Notwehr.

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Bereits zum dritten Mal beschäftigt sich die Justiz seit Donnerstag mit dem gewaltsamen Tod eines Ehepaars in Maintal (Main-Kinzig). Die beiden 57 Jahre alten Eigentümer eines Reiterhofs im Stadtteil Dörnigheim waren im Juni 2014 auf dem Gelände der "Main-River-Ranch" von zwei Mietern getötet worden.

Dabei handelt es sich um einen Vater und seinen Sohn. Der heute 36 Jahre alte Mann erstach nach den früheren gerichtlichen Feststellungen zunächst den Ehemann. Dessen Ehefrau wurde kurze Zeit später von dem inzwischen 66 Jahre alten Vater erschossen. Aus Sicht der Anklage wollte er damit die Tat seines Sohnes verdecken, weshalb die Staatsanwaltschaft in diesem Fall von Mord ausgeht. Dem Sohn legt sie Totschlag zur Last.

Leichen unter Misthaufen vergraben

Zu Beginn des dritten Prozesses verwies der Vater auf Notwehr. Er habe sich nicht anders helfen können, als auf die Frau zu schießen, nachdem der Sohn mit einem Messer und einem Beil sowie freilaufenden Hunden massiv von den Eheleuten bedrängt worden sei. Während sich der Vater weitgehend auf seine früheren Aussagen berief, äußerte sich der Sohn zunächst nicht zu den Vorwürfen. Der Auseinandersetzung sollen Streitereien wegen Mietzahlungen zugrunde gelegen haben.

Ein Polizist mit einem Metalldetektor, ein Mann mit weißem Overall der Sprurensicherung.

Die Leichen waren an einer Jauchegrube unter einem Misthaufen vergraben worden. Man sei nach dem Vorfall "völlig kopflos" gewesen, sagte dazu der 66 Jahre alte Angeklagte. Messer und Beil der Opfer habe man in den nahen Main geworfen, weitere Spuren verwischt.

Der Verteidiger des 66-Jährigen äußerte Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit seines Mandanten, der wegen Nackenschmerzen starke Medikamente einnehmen müsse. Nachdem zwei medizinische Sachverständige den Angeklagten untersucht hatten, konnte die Verhandlung jedoch fortgesetzt werden.

Notwehrsituation nicht ausgeschlossen

In den beiden vorherigen Prozessen hatte das Landgericht Hanau 2015 und 2018 die beiden Angeklagten freigesprochen. Eine Notwehrsituation, die den Einsatz des Messers und der Schusswaffe gerechtfertigt haben könnte, könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es jeweils nach umfangreichen Beweisaufnahmen.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor Gericht lebenslange Haft für den Vater wegen Mordes und siebeneinhalb Jahre Haft für den Sohn wegen Totschlags gefordert. Sie akzeptierte die Freisprüche ebenso wenig wie der Rechtsanwalt der als Nebenkläger vertretenen Hinterbliebenen der Opfer.

Tatortbesichtigung geplant

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dritter Prozess um getötetes Ehepaar auf Reiterhof in Maintal

Das Eingangsschild zum Pferdehof "Main-River-Ranch" in Maintal
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Der Bundesgerichtshof gab auch der Revision gegen den zweiten Freispruch statt und verwies die Sache zur vollständigen Neuverhandlung diesmal an das Landgericht in Frankfurt. Die Schwurgerichtskammer hat bislang 70 Zeugen geladen und will auch den Tatort besichtigen. Sie steht vor einer umfangreichen Beweisaufnahme mit bisher 22 Verhandlungstagen bis in den Sommer hinein. Dabei sollen auch technische Sachverständige gehört werden.

Der Vorsitzende Richter sprach von einer "ungewöhnlichen Konstellation, dass Strafkammerurteile gleich zweimal hintereinander aufgehoben werden". Der Beginn des dritten Prozesses hatte sich verzögert, weil beide Angeklagte nicht in Untersuchungshaft sind und die Frankfurter Richter Verfahren vorziehen müssen, bei denen die Angeklagten in Haft sind.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 22.04.2021, 16.45 Uhr