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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Weitere Vernehmungsvideos im Lübcke-Prozess

Hauptangeklagter Stephan Ernst

Seit Dienstagvormittag wird in Frankfurt der Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke fortgesetzt. Unter anderem soll ein Video jener Vernehmung des Hauptangeklagten Stephan Ernst vorgeführt werden, in der dieser sein ursprüngliches Geständnis widerrief.

Der Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist am Dienstag vor dem Frankfurter Oberlandesgericht fortgesetzt worden. Erwartet wird, dass am mittlerweile dritten Prozesstag der Videomitschnitt einer richterlichen Vernehmung vom Januar dieses Jahres vorgeführt wird, in welcher der Hauptangeklagte Stephan Ernst sein ursprüngliches Geständnis zurückgenommen und stattdessen seinen wegen Beihilfe mitangeklagten Bekannten Markus H. belastet hat.

Laut dieser Version, auf der Ernsts Verteidigung basiert, sollen die beiden Angeklagten am 2. Juni 2019 Lübcke in seinem Haus in Wolfhagen-Istha (Kassel) aufgesucht haben, um ihn zu bedrohen und einzuschüchtern. Bei der darauf folgenden verbalen Auseinandersetzung habe sich versehentlich ein Schuss aus der mitgeführten Pistole gelöst, die Markus H. in der Hand gehabt haben soll.

In erster Vernehmung Tat gestanden

Mit dieser Einlassung hatte Stephan Ernst seine ursprüngliche Aussage, bei der er den Mord an Walter Lübcke gestanden hatte, wieder zurückgenommen. Das Geständnis hatte er gegenüber Polizeibeamten dreieinhalb Wochen nach der Tat abgelegt. Ein knapp viereinhalbstündiges Video dieser Vernehmung war am zweiten Prozesstag vorgeführt worden. Darin hatte Ernst ausführlich geschildert, wie in ihm der Hass auf Walter Lübcke über Jahre hinweg gewachsen war.

Auslöser für diesen Hass war demnach ein Auftritt Walter Lübckes bei einer Bürgerversammlung im Oktober 2015 in Lohfelden, bei der über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen im Ort informiert werden sollte. Lübcke hatte dort nach flüchtlingsfeindlichen Kommentaren unter anderem gesagt: "Es lohnt sich, in unserem Land zu leben. Da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist."

Ernst berichtete in der Vernehmung unter anderem davon, zwischen 2015 und 2019 bereits mehrfach bewaffnet zum Haus von Walter Lübcke gefahren zu sein, um diesem "etwas anzutun". Inzwischen behauptet er, diese Aussage auf Anraten seines ersten Anwalts getätigt zu haben, um Markus H. zu schützen. Dafür seien ihm unter anderem finanzielle Vorteil in Aussicht gestellt worden. Seine Verteidigung moniert zudem, dass die Aussage unter rechtswidrigen Umständen zustande gekommen sei, da Ernst zum Zeitpunkt der Vernehmung mehrere Tage ohne Schlaf gewesen sei und unter dem Einfluss eines Schmerzmittels gestanden habe.

 Irmgard Braun-Lübcke, Witwe von Walter Lübcke und ihre Söhne

Vor der Vorführung der zweiten Vernehmung will das Gericht den Prozessbeteiligten die Gelegenheit geben, zum ersten Video Stellung zu nehmen. Außerdem soll dem Vernehmen nach über die vielen offenen Anträge beschieden werden, darunter auch Befangenheitsanträge gegen den Vorsitzenden Richter. Der hatte am ersten Verhandlungstag zu den Angeklagten gesagt, sie sollten auf ihn und nicht auf ihre Verteidiger hören. Insgesamt sind für den Prozess bis Ende Oktober dieses Jahres 30 Verhandlungstermine angesetzt worden.

Sendung: hr-iNFO, 30.06.2020, 08.00 Uhr