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Rheingauer Wolfsfamilie hat drei Welpen

Die bei Rüdesheim lebende Wolfsfamilie ist größer als bisher bekannt war. Das Wolfsmonitoring habe den Nachweis einer dritten Jungwölfin erbracht, teilten Experten des Landes mit. Die Nachkommen sind die ersten in Hessen seit der Wiederansiedelung.

Im Wald bei Rüdesheim (Rheingau-Taunus) lebt eine mindestens fünfköpfige Wolfsfamilie, da sind sich Experten jetzt sicher. Die genetische Analyse mehrerer Proben im Rahmen des aktiven Wolfsmonitorings des Wolfszentrums Hessen (WZH) in Gießen habe ergeben, dass das Rudel mindestens drei Welpen hat, teilte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Dienstag mit.

Drei statt zwei

Bislang war man von mindestens zwei weiblichen Welpen sicher ausgegangen. Man wusste dies unter anderem von Aufnahmen einer Kamerafalle vom vergangenen Juli. Ihr Alter schätzte man seinerzeit auf etwa drei Monate. Ende des Jahres konnte auch das genetische Profil eines der Jungtiere entschlüsselt werden. Nun hat sich anhand von DNA-Proben die Existenz einer weiteren Schwester bestätigt.

Die Jungwölfinnen seien schon wenige Monate nach ihrer Geburt so groß wie ihre Eltern, erklärte Susanne Jokisch, Wolfsbauftragte des Landes, auf Anfrage. "Wölfe wachsen sehr schnell." Lediglich durch die Beschaffenheit des Fells und weichere Konturen seien sie von den erwachsenen Tieren zu unterscheiden.

Einer der Wölfe des Rheingauer Rudels

Erste Hinweise auf Wölfe im Rüdesheimer Wald hatte es bereits 2020 gegeben. Im Januar und März 2021 wurden auch genetische Nachweise der Elterntiere mit den Laborkennungen GW1958m für den Rüden und GW1798f für die Fähe erbracht. Ihre Welpen sind die ersten in Hessen geborenen Wolfsnachkommen, seit sich Wölfe wieder hier angesiedelt haben.

Nachwuchs auch in diesem Jahr möglich

Dem HLNUG zufolge verlassen Jungwölfe mit 10 bis 22 Monaten das elterliche Territorium, um anderswo sesshaft zu werden. Bis zur kommenden Paarungszeit der Wölfe dauert es noch etwa sechs Wochen. Laut Wolfszentrum ist Nachwuchs prinzipiell dort möglich, wo dann ein reproduktionsfähiges Wolfspaar sesshaft ist. In Hessen ist dies derzeit außer im Rheingau auch bei Ludwigsau (Hersfeld-Rotenburg) der Fall.

Insgesamt gibt es in Hessen jetzt sechs Wolfsterritorien. Dabei werden die Ländergrenzen teilweise regelmäßig überschritten. So zieht etwa bei der Wasserkuppe eine allein lebende Wölfin durch die Rhön. Ihr Revier erstreckt sich über Teile Hessens, Thüringens und Bayerns. Im Odenwald pendelt ein Rüde zwischen Hessen und Baden-Württemberg. Zwei weitere Wölfinnen leben im Stölzinger Gebirge in Nordhessen sowie im Vogelsberg.

Immer mehr Wolfsnachweise

Die Zahl der sicheren Wolfsnachweise in Hessen hatte sich 2021 noch einmal deutlich auf 185 erhöht. Im Jahr zuvor waren es 104 gewesen, 2019 nur 51. Eine Expertin des HLNUG sagte allerdings, dass diese Werte auch davon abhingen, wie intensiv das aktive Wolfsmonitoring betrieben werde.

Beim aktiven Wolfsmonitoring werden Kamerafallen aufgestellt und DNA-Nachweise gesucht, etwa über Kotproben oder Speichel an gerissenen Tieren. Beim passiven Wolfsmonitoring hingegen werden Meldungen aus der Bevölkerung ausgewertet.

Die Zahl der eindeutigen Wolfsrisse an Nutztieren geht seit Jahren zurück. 2021 waren es sechs, im Jahr davor sieben und 2019 zwölf gewesen. Das Rüdesheimer Rudel wurde bislang an keinen Nutztierkadavern nachgewiesen, lediglich drei Wildtierrisse sind bekannt.

Nutztierhalter beunruhigt

Nutztierhalter sind dennoch weiterhin beunruhigt wegen der Ausbreitung der Wölfe. Der Sprecher des hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber, forderte vom Land, den Sorgen der Landwirte mehr Gehör zu schenken. Er beklagte unter anderem, dass nach einem Kadaverfund die Gutachter oft zu spät vor Ort seien, um Spuren zu sichern.

Spaziergänger und Anwohner im Rheingau brauchen sich keine Sorgen zu machen. "Die kriegen die Wölfe in der Regel gar nicht zu sehen", erklärte Jokisch. Die Tiere meiden der Expertin zufolge Stellen, an denen sie auf Menschen treffen könnten. Allenfalls bei der Mäusejagd auf offenem Feld sei es schon mal möglich, einen Wolf zu beobachten.

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