Außenansicht der Stadtkirche Darmstadt

In der Kirche, beim täglichen Einkauf – und dank neuer Methode ohne unangenehmes Bohren: In Hessen gibt es rund drei Wochen nach der Einführung kostenloser Schnelltests immer mehr Möglichkeiten.

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zum Video Erste dm-Testzentren eröffnet

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Seit Anfang März kann sich jede Bürgerin und jeder Bürger einmal wöchentlich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. "Die umfangreiche Verfügbarkeit von Schnell- und Selbsttests wird einer der wichtigsten Faktoren für die Bekämpfung der Pandemie", sagte Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) vor Kurzem und betonte damit noch einmal die Bedeutung dieser Maßnahme.

Nach Startschwierigkeiten gibt es nun mehr und mehr der Testzentren, manche an ganz ungewöhnlichen Orten. So können Darmstädterinnen und Darmstädter in der Stadtkirche einen Rachenabstrich machen lassen. Die Tests werden in einem kleinen Raum am unteren Ende des Kirchenschiffs durchgeführt, von Mitarbeitern der Einhorn-Apotheke.

Coronatests im Nebenraum des Kirchenschiffs

Die Inspiration für diese ungewöhnliche Testumgebung stammt aus England. "Ich habe gelesen, dass in der Londoner Westminster Abbey geimpft wird", erklärt Apotheker Thomas Wickop seine Idee, die Tests seiner Apotheke in die Stadtkirche zu verlegen. Pastorin Anita Gimbel-Blänkle fand die Idee "spontan ausgesprochen gut", wie sie dem hr sagte. "Wir sind für das zuständig, was dem Leben dient, damit natürlich auch für solche Tests in unserer Kirche." Und neben der christlichen Komponente hat eine Kirche als Testzentrum noch einen ganz praktischen Nutzen: "Die Kirche steht leer, ist groß und kann gut belüftet werden", so Wickop.

Wie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mitteilte, seien die Tests in Darmstadt neben der Stadtkirche auch in der Thomasgemeinde und ab dem 31. März in der Johannesgemeinde verfügbar.

hessenschau.de-Redakteur Julian Moering beim Corona-Schnelltest in der Darmstädter Stadtkirche

Auch in Clubs und vor Drogeriemärkten kann man sich in Hessen seit dieser Woche testen lassen. Einige Filialen der Kette dm bieten seit Donnerstag kostenlose Coronatests an, allerdings derzeit nur in drei Filialen in Frankfurt, Hanau und Fulda. Weitere sollen folgen, wie ein Sprecher des Unternehmens dem hr sagte. Auch eine Übersichtsliste solle es bald geben.

Die Termine können online oder per App gebucht werden, auch hier werden die Tests von geschultem Personal durchgeführt. Ebenfalls in Darmstadt hat sich die dortige Szenekneipe "Huckebein" zum Schnelltestcenter umfunktioniert - auch mit kostenlosen Tests.

Ganz neu in Hessen: der erste Gurgeltest

Ganz neu ist zudem Hessens erster Gurgel-Coronatest, der als Drive-In in der Nähe des Frankfurter Flughafens angeboten wird. Der Gurgeltest ist eine mögliche Alternative für diejenigen, die keine Lust auf das mitunter unangenehme Bohren mit den Teststäbchen in Nase oder Rachen haben. Stattdessen wird mit einer Kochsalzlösung gespült. Nach etwa 30 Sekunden wird die Lösung dann in einen Testbecher gespuckt und ins Labor gebracht. Das Verfahren wird nach Darstellung der Betreiber bereits in Testzentren in Bremen, Hamburg und Köln angewendet.

Ein Autofahrer hält einen Becher mit der zu gurgelnden Lösung in der Hand.

Wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilte, sind hessenweit derzeit 579 Schnelltestzentren gemeldet. Damit ist die Zahl der Teststellen seit Anfang März noch einmal um rund 100 gestiegen. Auf der Ministeriums-Website gibt es eine Übersicht der Stellen.

Abrechnungsmöglichkeiten geschaffen

Da die Möglichkeit der kostenfreien Schnelltests mit nur wenigen Tagen Vorlauf angekündigt worden war, hatte es zunächst Startschwierigkeiten gegeben. Viele Apotheken wollten gerne testen, mussten aber darauf warten, dass die notwendigen Rahmenbedingungen zur Abrechnung geschaffen werden. Das ist nach Angabe der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV Hessen) jetzt geschehen.

Wie viele kostenlose Test seither durchgeführt wurden, das lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Abgerechnet mit der KV werde jeweils erst zum Monatsende, teilte die KV mit. Sie betreibt auch selbst Testzentren, dort seien bislang nur verhältnismäßig wenige Schnelltests durchgeführt worden. "Nur etwa 300 bis 600 täglich hessenweit, während es bei den PCR Tests rund 1.500 bis 2.000 am Tag sind", sagte ein Sprecher.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 25.03.2021, 19.30 Uhr