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zum Video Seltenes Schauspiel: Edersee läuft über

Edersee

Der Edersee ist so voll wie seit Jahren nicht. Starker Regen hat ihn zum Überlaufen gebracht. Noch höher steht das Wasser sogar in der Diemeltalsperre.

Der Edersee ist aktuell so gut gefüllt wie zuletzt 2007. Das hat Folgen, die sich sehen und hören lassen können: Aus allen Öffnungen der Mauerkrone stürzen derzeit mit lautem Getöse bis zu 80.000 Liter Wasser pro Sekunde aus der Talsperre in Edertal (Waldeck-Frankenberg) in 48 Meter Tiefe. Knapp 200 Millionen Kubikmeter Wasser muss die Staumauer zurückhalten.

Mehr Regen als erwartet

Unerwartet viel Regen an den vergangenen Tagen habe den Edersee - den drittgrößten Stausee Deutschlands - zum Überlaufen gebracht, erklärt Jiri Cemus von der Gewässerkunde des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA).

Mit einem Wasserpegel von 245,08 Metern steht der Edersee derzeit so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr, wie Cemus berichtet. Am Dienstag stand das Wasser zeitweise rund elf Zentimeter über der Überlaufschwelle - bei einer Höhe von 244,97 Metern erreicht der Edersee den Vollstau.

Gleiches Phänomen am Diemelsee

Auch an der kleineren Diemeltalsperre in Diemelsee (Waldeck-Frankenberg) fließt derzeit das Wasser. Mit 18 Zentimeter über der Überlaufschwelle steht das Wasser dort sogar noch etwas höher als im Edersee. "Die Menge im Edersee ist natürlich aber größer", so Cemus. Der Diemelsee macht bloß ein Zehntel vom nordhessischen Edersee aus.

Das geringere Volumen führt auch dazu, dass der Diemelsee häufiger überlaufe. Der See ist deutlich kleiner und somit bei unerwartetem Niederschlag schwerer zu steuern. Der Wasserstand vom Dienstag - 376,38 Meter bei einem Vollstau von 376,20 Meter - sei zuletzt vergleichsweise 2019 gemessen worden, sagt Cemus.

Gute Nachrichten für die Schifffahrt

Dass Stauseen zum Sommer gut gefüllt sind, ist eigentlich normal, wie Cemus erklärt. Das gilt auch für Eder- und Diemelsee. Nur so können sie in Trockenphasen Wasser für die Schifffahrt abgeben. Andererseits können so die gut gefüllten Stauseen auch leicht an ihr Limit kommen. "Dann passiert es, dass jeder unerwartete Regen in den Wochen zuvor das Glas zum Überlaufen bringt", erklärt Cemus.

Anders war die Situation zum Jahresbeginn: Wegen ausbleibendem Niederschlag hatte im Januar bereits Seewasser aus dem Edersee über Eder und Fulda in die Oberweser geleitet werden müssen.

Auswirkungen auf die Schifffahrt auf der Weser hat das zusätzliche Wasser aus den Stauseen nicht. "Wir befinden uns bei den Wasserständen noch im Rahmen der Normalwerte. Die Pegelstände sind sogar optimal für die Schiffahrt." Auch die Staumauern hielten der Belastung stand, die Überlaufmengen seien zu gering.

Überlauf wohl nur bis Donnerstag

Wer sich das Schauspiel am Eder- oder Diemelsee noch ansehen möchte, muss sich beeilen. Denn wie das WSA prognostiziert, endet der Überlauf voraussichtlich am Donnerstag schon wieder. Der Grund: Anders als an den vergangenen Tagen soll es in Nordhessen trocken bleiben.