Volkmarsen Polizei

Beim Rosenmontagszug in Volkmarsen im vergangenen Jahr raste ein Auto in die Menschenmenge. Über 150 Menschen wurden verletzt, darunter viele Kinder. Am Sonntag gedachten Ministerpräsident Bouffier und die Regierungsfraktionen der Opfer und Angehörigen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gedenken an die Opfer der Rosenmontagsattacke

Ein silberfarbener Kombi fuhr in Volkmarsen in den Rosenmontagszug.
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Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sowie die Landtagsfraktionen von CDU und Grünen haben sich am Sonntag an die Opfer und Angehörigen der Auto-Attacke beim Rosenmontagszug in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) vor knapp einem Jahr gewandt.

Der 30 Jahre alte Maurice P. war mit seinem Auto ungebremst und zielgerichtet in den Fastnachtszug gerast. Über 150 Menschen wurden verletzt, darunter auch viele Kinder. Der Fahrer überlebte schwer verletzt und wurde festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft und ist unter anderem wegen 91-fachen versuchten Mordes angeklagt.

Ministerpräsident: "Der Schock sitzt noch tief "

"Auch ein Jahr später sitzen uns der Schock und der Schrecken angesichts dieser schrecklichen Tat noch tief in den Knochen", sagte Ministerpräsident Bouffier am Sonntag laut Mitteilung der Staatskanzlei. "Die Wunden der zahlreichen Opfer sind noch lange nicht verheilt." Er wünsche ihnen und den Angehörigen, dass auch die seelischen Wunden irgendwann heilten.

"Dass gerade zahlreiche feiernde Kinder am Rosenmontag vor einem Jahr unter den Opfern waren, mache die Tat noch unbegreiflicher", sagte Bouffier. Warum der Angeklagte in die Menschenmenge fuhr, ist nicht bekannt. Bislang hat er dazu geschwiegen.

CDU: "Opfer von Volkmarsen sind nicht vergessen"

Die Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag, Ines Claus, schrieb am Sonntag, es sei ihr und ihrer Fraktion ein besonderes Anliegen zum Rosenmontag, den Betroffenen und den Menschen in Volkmarsen ihre Verbundenheit und ihr nach wie vor tief empfundenes Mitgefühl zu übermitteln. "Die Opfer von Volkmarsen sind nicht vergessen!"

Claus erinnerte in diesem Zusammenhang an einen geplanten Opferfonds des Landes in Höhe von zwei Millionen Euro, der auch für die Betroffenen von Volkmarsen vorgesehen ist. Sie hoffe, dass es im Prozess gegen den Angeklagten "endlich Antworten auf das Warum" geben werde.

Maurice P. wird sich vor dem Landgericht Kassel verantworten müssen. Wann der Prozess beginnt, ist bislang nicht bekannt. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte im Dezember Anklage erhoben. Sie wirft P. versuchten Mord in 91 Fällen, gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor.

Grüne: "Kein Platz für Gewalt, Hass und Hetze"

Auch die Grünen-Fraktion im Landtag erinnerte an die Amokfahrt: "Was immer einen Menschen dazu treibt, mit seinem Auto ungebremst mit hoher Geschwindigkeit in eine feiernde Menschenmenge zu rasen, offensichtlich um zu töten: In Hessen ist kein Platz für Gewalt, Hass und Hetze - welcher Form auch immer", teilte Fraktionschef Mathias Wagner am Sonntag mit.

Karnevals-Umzüge seien Ausdruck von Lebensfreude und Fröhlichkeit. "Diese lebensbejahende Heiterkeit wollte der Attentäter zerstören."

Gedenkgottesdienst am 24. Februar

Genau ein Jahr nach dem Auto-Attentat, am 24. Februar, wird es einen ökumenischen Gedenkgottesdienst in in der evangelischen Kirche in Volkmarsen geben, wie die Landesregierung ankündigte. hessenschau.de wird ihn ab 18 Uhr live übertragen.

Stellvertretend für die Bewohnerinnen und Bewohner von Volkmarsen nehmen daran auch Bürgermeister, Hartmut Linnekugel (parteilos), und der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft, Christian Diste, teil.

Sendung: hr-iNFO, 14.02.2021, 12.00 Uhr