Zerstörte Bushaltestelle nach dem Busunfall am Wiesbadener Hauptbahnhof

Mehr als ein Jahr nach dem schweren Busunfall in Wiesbaden mit einem Toten und mehr als 20 Verletzten ist der Fahrer per Strafbefehl zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 66-Jährige legt dagegen Einspruch ein.

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Update am 13. Juli 2021: Der Busfahrer hat seinen Einspruch gegen das Urteil zurückgenommen. Damit ist das Strafverfahren gegen ihn abgeschlossen, wie das Amtsgericht Wiesbaden mitteilt. Gegen den inzwischen 67 Jahre alten ehemaligen Busfahrer wurde wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten festgesetzt, die zur Bewährung ausgesetzt ist. Zudem wurde ihm die Fahrerlaubnis entzogen und sein Führerschein eingezogen. Damit ist ihm eine Tätigkeit als Busfahrer nicht mehr möglich.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Strafbefehl gegen Busfahrer nach Unfall in Wiesbaden

Helfer beim Abtransport eines Schwerverletzten.
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Ein Busfahrer kommt nach einem tödlichen Unfall am Wiesbadener Hauptbahnhof im November 2019 möglicherweise vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den 66 Jahre alten, ehemaligen Fahrer der ESWE-Verkehrsgesellschaft abgeschlossen und beim Amtsgericht Strafbefehl beantragt, wie sie am Freitag mitteilte. Die Behörde hatte schon Mitte vergangenen Jahres mitgeteilt, dass sie von einem Fahrfehler ausgehen.

Busfahrer legt Einspruch gegen Strafbefehl ein

Der Strafbefehl lautet auf eine zehnmonatige Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Außerdem soll dem 66-Jährigen die Fahrerlaubnis entzogen werden. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, der Fahrer hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Einspruch eingelegt. Wenn der Busfahrer bei seinem Einspruch bleibt, kommt es zu einer Verhandlung. Dann werden auch Zeugen gehört und Nebenkläger zugelassen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem vor, versehentlich auf das Gaspedal getreten zu haben. In diesem Moment soll die Automatik-Schaltung des Busses auf "Drive" gestanden haben statt wie vorgeschrieben in neutraler Stellung. Der Mann sei durch das abrupte Anfahren überrascht gewesen und habe das Gaspedal weiter durchgetreten, "in dem irrigen Glauben, er betätige dabei das danebenliegende Bremspedal".

Von Unfallbus gegen Wartehäuschen gedrückt

Der außer Kontrolle geratene Bus schoss über mehrere Fahrspuren und rammte vier Autos, die auf zwei weitere Autos geschoben wurden. Die Insassen erlitten laut Staatsanwaltschaft leichte bis mittlere Verletzungen, darunter Schleudertraumata, Prellungen und Schnittverletzungen. Der Bus stieß dann gegen einen anderen Bus und schob diesen zur Seite. Schließlich erfasste der Unfallbus Wartende an einer Bushaltestelle.

Ein 85 Jahre alter Mann wurde von dem 18,5 Tonnen schweren Fahrzeug gegen ein Wartehäuschen gedrückt. Er erlitt schwere Verletzungen und starb später in einer Klinik. Eine 33-Jährige wurde ebenfalls eingeklemmt, sie wurde leicht verletzt.

Insgesamt wurden mehr als 20 Menschen verletzt, genau konnte es der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht sagen, darunter auch mehrere Fahrgäste im Bus des 66-Jährigen. Die Unfallfahrt auf einer Strecke von 53 Metern dauerte gut zwölf Sekunden.

Verfahren gegen Kollegen eingestellt

Der Ermittlungen hatten keine Hinweise auf technische Mängel ergeben und auch nicht auf gesundheitliche Einschränkungen des Fahrers. Laut Staatsanwaltschaft hätte er "sämtliche Personen- und Sachschäden durch eine nach angemessener Reaktionszeit leistbare Bremsung des Busses" vermeiden können.

Das Verfahren gegen den Kollegen, der den Bus entgegen der Dienstanweisung mit aktivierter Getriebeeinstellung "Drive" übergeben haben soll, wurde eingestellt. Er habe das weitere Handeln des 66-Jährigen und das Geschehen nicht vorhersehen können, teilte die Staatsanwaltschaft dazu mit.

Sendung: hr1, 15.01.2021, 12.30 Uhr