Einbeiniger Storch Karl
Storchenmännchen Karl mit neuer Partnerin. Bild © Yvonne Berger

Aufregung in Trendelburg: Im vergangenen Jahr machten sich Tierschützer große Sorgen um Storchenmännchen Karl. Er hatte einen Unterschenkel verloren und drohte zu verhungern. Jetzt ist Karl zurück - und das mit neuer Freundin.

Damit hatte man in Trendelburg-Sielen (Kassel) nicht unbedingt gerechnet: Storchenmännchen Karl ist zurück, und das, nachdem er im vergangenen Jahr seinen linken Unterschenkel verloren hatte und kurz vor dem Verhungern stand.

Schon am vergangenen Wochenende hatten Anwohner dem örtlichen Naturschutzbund (Nabu) Aktivitäten in einem Storchennest gemeldet. Am Mittwoch dann verhaltene Freude: Einer der Störche habe nur ein Bein, ob das Karl sei?

Gelernt, mit Behinderung zu leben

"Ich bin gleich hingefahren, um mir selbst ein Bild zu machen", berichtet Yvonne Berger vom Nabu. "Es scheint tatsächlich Karl zu sein." Allerdings habe der Storch wohl eine neue Freundin: "Anders als Karls langjährige Partnerin Rosi hat diese Storchendame keine Ringe."

Einbeiniger Storch Karl
Hat sich offenbar arrangiert: Storchenmännchen Karl. Bild © Yvonne Berger

Offenbar habe Karl gelernt, bestens mit seiner Behinderung zu leben: "Er läuft auf dem Stumpf, er kann sitzen und nutzt beim Aufstehen seine Flügel, um Balance zu halten", freut sich Berger. Denn sitzen und wieder aufstehen ist für Störche immens wichtig: Anders können sie ihren Partner nicht beim Brüten ablösen, damit dieser Nahrung suchen kann.

Brut im vergangenen Jahr verloren

Dass Karl mit nur einem Bein gut zurecht kommt, hatte sich allerdings im vergangenen Jahr schon angedeutet. Nachdem er seinen Unterschenkel wahrscheinlich bei einem Luftkampf mit einem Rivalen verloren hatte, erholte er sich so schnell, dass Tierschützer ihn nicht einfangen und versorgen konnten. Die Gefahr, dass sich das Tier bei einer Flucht verletzt hätte, wäre zu groß gewesen.

Die Brut des vergangenen Jahres hatten Karl und seine damalige Partnerin Rosi allerdings verloren. Dementsprechend früh waren sie aus ihrem Horst verschwunden, erzählt Berger. Was nun mit Rosi ist, bleibt abzuwarten, sagt die Nabu-Mitarbeiterin. "Wenn sie noch auftaucht, könnte es Rivalitäten zwischen den Weibchen geben."

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Karl und Rosi in Sielen

Karl und Rosi kamen nach Nabu-Angaben seit 2015 zum Brüten nach Sielen und hatten dort fünf Junge großgezogen. In den vergangenen zwei Jahren hatte das Paar seine Brut verloren.

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Umzug zum Nachbarhorst

Ganz klar sei das aber nicht, denn Störche seien "horsttreu" und Karl und Rosis Horst sei derzeit noch von Nilgänsen besetzt. "Deswegen sind Karl und seine neue Freundin auf einen Nachbarhorst umgezogen."

Möglich also, dass auch Rosi mit einem neuen Partner auftaucht und sich ebenfalls eine neue Brutstätte suchen muss. Möglich aber auch, dass Rosi einfach die Nilganseier aus "ihrem" Horst schmeißt.