Verkleidete Karnevalisten gehen im Supermarkt einkaufen.

Trotz abgesagter Fastnachtsveranstaltungen kämpfen einige hessische Karnevalsvereine in diesem Jahr kreativ gegen die spaßbefreite Corona-Pandemie an. In Fulda heißt es etwa "Einkauf statt Einmarsch".

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona-Hilfe von Karnevalsvereinen: Einkauf statt Einmarsch

Miglieder von Fuldaer Fastnachtsvereinen stehen mit Einkaufstaschen auf dem Bahnhofsvorplatz
Ende des Audiobeitrags

Die Fastnacht fällt wegen Corona in diesem Jahr weitgehend aus. Keine Saal-Veranstaltungen, kein Straßenkarneval - der Frohsinn hat es schwer. Doch einige Narren in Hessen haben sich etwas einfallen lassen, um trotz Viruspandemie aktiv zu sein: Teils verlagern sie Events ins Internet, oder sie sind mit Wohltätigkeits-Aktionen unterwegs. Davon profitieren auch Menschen, die mit Karneval nichts am Hut haben. Ein Überblick zu einigen Aktionen:

Elferrat im Supermarkt

Statt bei feucht-fröhlichen Veranstaltungen aufzulaufen, bieten Fuldaer Karnevalsvereine einen Einkaufsservice an. Von der Pandemie besonders betroffene Personen - zum Beispiel Alte und Angehörige von Risikogruppen - können sich kostenfrei (Lebensmittel-)Einkäufe nach Hause bringen lassen. Der optische Clou an der gemeinnützigen Aktion: Die Karnevalisten gehen kostümiert einkaufen und liefern die Taschen so auch ab.

Man wolle man präsent bleiben und der Gesellschaft mit guten Taten etwas zurückgeben, erklärte Mit-Organisator Jörg Schmidt vom Verein "Aschenberger Wolkenkratzer" die Aktion "Einkauf statt Einmarsch".

Dutzende von Einkaufsteams beteiligen sich, gehen samstags - bis zum Karnevals-Wochenende - in vereinstypischer Montur shoppen und liefern bunt und bester Laune bis an die Haustür. Artikel des täglichen Bedarfs werden von Elferräten, Gardisten oder Gardetänzerinnen gebracht - natürlich alles coronakonform mit Abstand und Mundschutz.

Information gibt es auf einer Internetseite, bei Facebook oder kompakt auf einem Flyer. Die, die es ausprobiert haben, sind voll des Lobes. "Die können jede Woche kommen", sagte eine ältere Dame zum kostenlosen Lieferservice. Den Einkauf bezahlen musste sie aber natürlich selbst.

Fastnachts-Blog trotz fehlender Emotionen

Der Blog "Wir lieben Foaset" präsentiert, wie Narren und Vereine aus Fulda und der Region durch diese von Corona diktierte Kampagne kommen. Blogeinträge und Video-Interviews sollen die Fastnachts-Fans unterhalten. Der Fuldaer Vollblut-Karnevalist Michael "Didi" Vogel hat als "Oma Fine" schräge Auftritte.

Vogel gab bei allen Online-Fastnachtsversuchen aber auch kritisch zu bedenken: Das Zusammenspiel der Emotionen zwischen Akteuren und Zuschauern könne man schwerlich auf digitalem Weg herüberbringen. Die Akteure auf der Bühne oder nun vor der Kamera brauchten die Reaktion des Publikums: Davon lebe die Fastnacht, so Vogel. Doch im Internet Fastnacht zu versuchen, sei immer noch besser als gar nichts zu tun.

Video-Spektakel statt Springerzug

Der Springerzug in Herbstein (Vogelsberg) ist alljährlich ein besonderes Fastnachtsspektakel in Hessen. Wegen Corona gibt es diesmal an Rosenmontag aber nichts zu feiern. Auch alle anderen Veranstaltungen wurden im Vorfeld abgesagt. Dazu zählt die Versteigerung der Positionen im Springerzug. Der sogenannte Bajazz, eine Art närrischer Vortänzer mit goldener Krone und buntem Gewand, wurde somit nicht gekürt.

Umzüge Fastnacht Herbstein

Doch die Fastnachtsvereinigung Herbstein (FVH) hat sich ein Ersatzprogramm ausgedacht. Es soll über die spaßbefreite Corona-Zeit und Fastnachtsabstinenz hinweghelfen. Jeden Samstagabend erscheint um 20 Uhr bei Youtube eine Folge des Formats "Foaselt gugge…!" (heißt: Fastnacht schauen).

Präsentiert wird buntes Programm, zum Beispiel Büttenreden, Witze, Tanz und Gesang sowie Höhepunkte und Clips der vergangenen Jahre. In einer Vorschau rief die FVH dazu auf, für die nächsten Folgen weitere Bild- und Video-Beiträge einzureichen. "Wir wollen das Fastnachtsgefühl nach Hause bringen", sagte Präsident Manuel Hensler dem hr.

Wer es weniger multimedial mag, kann den Herbsteiner Springerzug auch als Brettspiel ausprobieren, das die 25-jährige Magdalena Pakroppa als Fastnachts-Fan entworfen hat.

Rumpfteam bei TV-Aufzeichnung

Die Sitzung des Flörsheimer Carneval Vereins wird vom Hessischen Rundfunk aufgezeichnet und am 8. Februar (21.45 Uhr) unter dem Titel "Flörsheim feiert Fassenacht" ausgestrahlt. Die Aufzeichnung läuft aber diesmal grundlegend anders ab. Üblicherweise wird eine Sitzung vor mehr als 800 Zuschauern in der Stadthalle aufgenommen. Diesmal reisen nur 15 Aktive des Vereins nach Frankfurt und zelebrieren ihr Spektakel im Fernsehstudio.

Gesungen wird aber coronabedingt nicht. Tanz-Szenen werden nur eingespielt. Geboten werden vor allem Büttenreden und Sketche. Den obligatorischen Tusch spielt eine Ein-Mann-Band. "Überhaupt kein Publikum zu haben, wird die große Herausforderung für die Aktiven", sagte der Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Greb.

Zudem bietet das hr-Fernsehen weiteres Fastnachts-Programm im Laufe der nächsten Wochen an.

Fastnachts-Pause mit Stimmungsaufhellern

Viele Vereine machen hessenweit in dieser Session einfach mal eine (Zwangs-)Pause. "Die Garden konnten nicht trainieren und dürfen nicht zusammen tanzen", erklärt Anita Seidel, Schatzmeisterin vom Großen Rat der Karnevalsvereine Frankfurt. Vereinzelt werden Videos und Stimmungsaufheller ins Internet gestellt, so etwa die Rosa-Cloudchen-Show. "Es blutet einem das Herz in diesem Jahr. Aber diesmal wird alles ruhiger als sonst", sagte Seidel.