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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Vater wegen Verletzung der Fürsorgepflicht verurteilt

Ein Schild mit der Aufschrift "Justizbehörden Darmstadt - Amtsgericht, Landgericht, Staatsanwaltschaft"

Ein Elfjähriger wurde vergangenen Winter in Südhessen nachts an einer Baustelle gefunden. Sein Vater hatte ihn nach einem Streit in der Kälte stehen gelassen. Nun ist der Mann wegen Verletzung seiner Fürsorgepflicht verurteilt worden.

Weil er seinen elfjährigen Sohn bei einem Streit um Hausaufgaben im vergangenen Winter nachts auf der Straße stehen ließ, ist ein Mann zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldauflage von 1.000 Euro verurteilt worden. Das entschied das Amtsgericht Darmstadt am Dienstag.

Der 52-Jährige aus Alsbach-Hähnlein (Darmstadt-Dieburg) habe seine Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt. Man könne einen Elfjährigen nicht einfach in der Nacht draußen stehenlassen, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Zusammengekauert auf Straße entdeckt

Der Vorfall ereignete sich Mitte Dezember 2019 bei einstelligen Temperaturen. Nach einem Streit über Hausaufgaben habe der Vater seinen Sohn auf der Straße stehen lassen. Der Elfjährige wurde später von einem Passanten gegen 23 Uhr zusammengekauert auf der Straße entdeckt. Er hatte bei einer Baustelle Unterschlupf gesucht.

Dass der Angeklagte seinen Jungen zwei Stunden lang gesucht haben will, glaubte ihm das Gericht nicht. Es schenkte aber dem Schüler Glauben, der ausgesagt hatte, er habe Angst gehabt, nach Hause zu kommen.

Verteidigung prüft Berufung

Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr und acht Monate auf Bewährung wegen Kindesaussetzung gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, weil der Junge am Fundort maximal 400 Meter Fußweg nach Hause hatte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Verteidigung prüft, ob sie Berufung einlegt.

Der Sohn lebt derzeit bei seiner Mutter in Norddeutschland.

Sendung: hr-iNFO, 17.11.2020, 16.00 Uhr