Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Familie nach Tod der Tochter vor dem Bundesgerichtshof

Ein Hinweisschild mit Bundesadler und Schriftzug Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Weil sie zu spät den Notarzt gerufen hatten, wurden Eltern aus dem Lahn-Dill-Kreis nach dem Tod ihrer behinderten Tochter verurteilt. Doch der Staatsanwaltschaft waren die Strafen zu niedrig. Jetzt kommt der Fall vor den Bundesgerichtshof.

Es war 2019 ein langwieriger Prozess vom dem Limburger Landgericht. Drei Jahre nach dem Tod ihrer 21-jährigen Tochter wurden die Eltern aus Ehringshausen (Lahn-Dill-Kreis) zu Bewährungsstrafen verurteilt - doch nun geht der Fall nun in die nächste Runde.

Von diesem Mittwoch an müssen sich die Eltern und die ältere Schwester der Verstorbenen vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe verantworten. Die Limburger Staatsanwaltschaft hatte Revision eingelegt. Das neue Urteil soll am 3. Februar verkündet werden.

Die Limburger Richter verurteilten die Mutter und den Vater jeweils zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung. Sie sollen für ihre sterbende Tochter zu spät den Notarzt gerufen haben. Die Schwester wurde freigesprochen.

Notarzt erst nach dem Tod verständigt

Die Staatsanwaltschaft hatte nach dem achtmonatigen Prozess viel höhere Haftstrafen gefordert: für die Eltern je neuneinhalb Jahre wegen Totschlags durch Unterlassen - also wegen einer vorsätzlichen Tat; für die Schwester sechs Monate auf Bewährung wegen unterlassener Hilfeleistung.

Die Verstorbene war mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen. Sie hatte an mehreren Begleiterkrankungen gelitten, darunter Diabetes. Im Limburger Prozess zeigte ein rechtsmedizinisches Gutachten, dass sie im Oktober 2016 an einer unbehandelten Ketoazidose gestorben war, einem stark erhöhten Blutzuckerspiegel als Folge des Diabetes. Erst nach ihrem Tod wurde ein Arzt gerufen.

Das Landgericht ging davon aus, dass die Familie schon Tage vorher klar Anlass gehabt habe, die lebensbedrohliche Situation zu erkennen und den Notarzt zu rufen. Die Eltern und die Schwester wiesen im Prozess von sich, dass sie den kritischen Zustand hätten erkennen können.

Richter waren sich im Prozess uneins

Die fünf Limburger Richter teilten bei der Urteilsverkündigung mit, dass sie uneins seien, ob es sich um eine vorsätzliche oder eine fahrlässige Tötung handele. Weil keine sogenannte qualifizierte Mehrheit von vier zu eins gefunden worden sei, nehme man die geringere Tat an und verurteile die Eltern zur milderen Strafe. Dass Richter ihr Abstimmungsverhältnis offenlegen, ist ungewöhnlich.

Wenn die Richter in Karlsruhe den Antrag auf Revision für begründet halten, können sie das Urteil ganz oder in Teilen aufheben. Wahrscheinlicher wäre dann jedoch, dass der BGH den Fall an eine andere Kammer des Landgerichts für eine Neuverhandlung zurückweist.

Sendung: hr-iNFO, 13.01.2021, 7 Uhr