Unfallstelle vor dem Wiesbadener Bahnhof

Der verheerende Busunfall in Wiesbaden mit einem Toten und 23 Verletzten hält die Einsatzkräfte weiter in Atem. Zeugen müssen befragt und Spuren ausgewertet werden. Derweil sorgen Gaffer-Videos von der Unglücksstelle für Empörung.

Videobeitrag

Video

zum Video Busunfall - ein Toter und 23 Verletzte

hsk
Ende des Videobeitrags

Die Schneise der Verwüstung lässt sich am Freitag vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof nur noch erahnen. Eine große Lücke im Gebüsch, genau zwischen einem Stromkasten und einem Lichtmast, zeigt die Stelle, an der der Linienbus tags zuvor hindurch preschte. Auf der Straße dokumentieren Kreidezeichen das Geschehen. An einem aufgestellten Gitterzaun stehen Blumen und Kerzen.

Am Donnerstagnachmittag hatte hier ein 65 Jahre alter Busfahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war mit insgesamt sechs Autos und einem weiteren Bus zusammengestoßen. Seine Irrfahrt endete an einem Wartehäuschen. Ein 85-Jähriger, der an der Haltestelle von dem Bus eingeklemmt wurde, starb im Krankenhaus. 23 Menschen wurden verletzt.

Oberbürgermeister mit Dank und Empörung

"Es ist einfach furchtbar. Ich bin hier selbst oft zu Fuß unterwegs, es hätte mich auch treffen können", sagt ein betroffener Passant. Am Mittag kreist dann noch einmal ein Hubschrauber über der Unfallstelle, um Detailaufnahmen aus der Luft zu machen. Wieder muss der Bereich am 1.Ring für den Verkehr gesperrt werden, ein Chaos wie am Vortag bleibt aber aus. "So einen Aufwand habe ich hier in Wiesbaden noch nie erlebt", meint ein Fußgänger.

Ein Großaufgebot an Rettungskräften war bis spät in die Nacht hinein im Einsatz. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) dankte allen Helfern "für die große Leistung und ihren unglaublichen Einsatz". Gleichzeitig zeigte sich das Stadtoberhaupt empört über die zahlreichen filmenden und fotografierenden Gaffer am Unglücksort: "Darüber kann ich nur den Kopf schütteln. So etwas macht man einfach nicht!"

Polizei prüft Konsequenzen

Tatsächlich zeigen Handyvideos in sozialen Netzwerken Aufnahmen von Schwerverletzten noch vor dem Eintreffen der Notärzte. "Die Leute fangen eher an zu filmen, als den Leuten Hilfe zu leisten", beklagt ein Feuerwehrsprecher den "normalen Wahnsinn“. Ob den Gaffern Konsequenzen drohen, etwa wegen unterlassener Hilfeleistung, wird untersucht. "Wir prüfen, ob es strafrechtlich relevant ist", sagt der zuständige Wiesbadener Kriminaloberkommissar Ingo Paul auf Nachfrage.

Videobeitrag

Video

zum Video Schwerer Busunfall in Wiesbaden

startbild-bus
Ende des Videobeitrags

Derzeit ist die Polizei aber noch vorrangig mit der Aufklärung des Unglücks beschäftigt. Dutzende Zeugen müssten vernommen und die Informationen ausgewertet werden, erklärt Paul. Mit den Ergebnissen eines Sachverständigen, der sich noch am Donnerstag ein umfassendes Bild der Lage gemacht habe, sei in den kommenden Tagen zu rechnen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ermittlungen nach Wiesbadener Busunfall

Helfer beim Abtransport eines Schwerverletzten.
Ende des Audiobeitrags

Der Unglücksbus und alle anderen demolierten Fahrzeuge wurden mittlerweile sichergestellt und abtransportiert. Eine Aussage des Busfahrers lag bis Freitagmittag noch nicht vor. Der 65-Jährige erlitt bei dem Unfall ebenfalls schwere Verletzungen sowie einen Schock. Alkohol oder Drogen waren bei dem Fahrer nicht im Spiel, wie die Polizei bestätigte. Auch Hinweise auf einen medizinischen Notfall oder gar eine vorsätzliche Tat lägen nicht vor. Ein technischer Defekt könne dagegen nicht ausgeschlossen werden.

Todesopfer war Handball-Funktionär

Große Anteilnahme herrscht um den getöteten Passanten. Bei dem 85-Jährigen handelt es sich um den rund um Wiesbaden bekannten Handball-Funktionär Horst Bundschuh, der eng mit der Geschichte des früheren Bundesligisten SG Wallau/Massenheim verbunden war. Laut Wiesbadener Kurier war Bundschuh als Betreuer gerade auf dem Weg zum A-Jugend-Trainer der HSG Breckenheim Wallau/Massenheim, als er von dem Bus erfasst wurde. "Die Nachricht vom tragischen Tod trifft alle HSG-Mitglieder zutiefst und macht uns sprachlos", heißt es auf der Vereinshomepage.

Die Gewerkschaft Verdi erklärte, ihre Streiklokale trügen nun Trauerflor. "Es gibt kaum mehr ein anderes Gesprächsthema", sagte Streikleiter Koppel. Für den Mittag war eine Schweigeminute geplant. Die Streiks der Fahrer werden vielerorts auch am Wochenende weitergehen.

Sendung: hr-fernsehen, 22.11.2019, 16.45 Uhr