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Neue Betrugsmasche über Whatsapp

"Hallo, Mama, ich brauche Hilfe" - bisher liefen Enkeltricks häufig über das Telefon ab. Nun beobachtet die Polizei eine neue Masche: die über WhatsApp. Ein Kriminalhauptkommissar gibt Tipps, wie sich Betroffene schützen können.

Für die Betroffenen ist es schmerzhaft, Angehörige bleiben oft fassungslos zurück: Der Enkeltrick ist eine eigentlich bekannte Masche, bei der Betrüger älteren Menschen vorgaukeln, zur Familie zu gehören und in Not zu sein - bis das gutgläubige Opfer Geld zahlt.

Polizeipräsidien in Nordhessen, Mittelhessen, Westhessen und in Frankfurt bestätigen, dass die Zahl der Betrugsversuche derzeit steigen. Zudem beobachten sie eine neue Enkeltrick-Masche, die über den Chatclient WhatsApp abläuft.

Im Interview mit hessenschau.de erklärt Kriminalhauptkommissar Ingo Paul von der Polizei Westhessen, wie diese neue Masche abläuft und wie sich Betroffene schützen können.

hessenschau.de: Herr Paul, der Enkeltrick kommt nun im neuen Gewand daher - als Nachricht auf WhatsApp. Wie läuft dieser Betrug ab?

Ingo Paul: Die Opfer bekommen von einer unbekannten Rufnummer eine Nachricht. Zum Beispiel: "Hallo Mama, ich habe mein Handy verloren und das hier ist meine neue Nummer." Darauf folgt dann rasch eine Geldforderung, meist zu einer angeblichen Rechnung, die das Opfer übernehmen soll. Diese Fälle sind noch recht neu, aber werden in den letzten Monaten immer mehr bei uns angezeigt.

Ein Polizeihauptkommissar schaut in die Kamera, auf seinem Namensschild steht Paul.

hessenschau.de: Wie können es die Täter glaubhaft machen, dass sie Geld brauchen?

Paul: Häufig erklären die Betrüger, dass wegen des verlorenen Handys das Onlinebanking nicht mehr möglich wäre und man keine Überweisungen mehr tätigen könnte. Alternativ werden aber auch vorübergehende Geldsorgen vorgetäuscht. Das Opfer wird gebeten, auszuhelfen und das Geld selbst zu überweisen - dabei können schnell mehrere tausend Euro zusammenkommen. Wenn die Hilfsbereiten die Überweisung getätigt haben, ist es in der Regel schon zu spät.

hessenschau.de: Die Bank kann die Überweisung nicht stoppen?

Paul: Es gibt nur wenige Fälle, in denen das nach einem schnellen Kontaktieren der Bank gelingt. Viel sicherer ist es jedoch, die WhatsApp-Nachricht vorher auf ihre Plausibilität zu prüfen.

hessenschau.de: Wie das?

Paul: Anders als bei den Anrufen, die wir bisher vom Enkeltrick kannten, merkt der Betrüger beim Chatten nicht, ob wir dabei noch jemanden kontaktieren. Es lohnt sich, die angeblich veraltete Rufnummer der Tochter oder des Sohnes zu kontaktieren und zu erfragen, ob es sich wirklich um eine Notsituation handelt.

hessenschau.de: Oder man nutzt Codewörter, die nur die Familie kennt, um ausschließen zu können, dass es sich um einen Betrüger handelt?

Paul: Codewörter sind nur dann gut, wenn Betroffene in diesem Moment auch daran denken, sie einzusetzen. Viel besser ist es beispielsweise, ein ausgedachtes Familienmitglied zu erwähnen. Fragt man den Betrüger im Chat, ob er Onkel Herbert bereits zum Geburtstag gratuliert hat, kann man sich sicher sein, dass es ein Betrug ist, wenn dann darauf eingegangen wird.

hessenschau.de: Die Masche auf WhatsApp ist neu. Heißt das, dass die alte Masche mit den Anrufen ausstirbt?

Paul: Leider nicht. Allein im Hochtaunuskreis werden quasi täglich auch betrügerische Anrufe - etwa mit der Masche des sogenannten "Schockanrufs" gemeldet. In der letzten Zeit hatten wir jede Woche einen Fall, bei dem es den Betrügern leider gelungen ist, Geld zu erbeuten.

hessenschau.de: Diese Tricks zielen meist auf ältere Menschen ab. Sollten die Kinder ihre Eltern und Großeltern daraufhin sensibilisieren?

Paul: Das lohnt sich immer. Weil sich einige Senioren mit einem neuen Smartphone oder einer App nicht auskennen, glauben sie möglicherweise, dass so eine Nachricht seine Richtigkeit haben wird. Das Credo muss sein: Sei misstrauisch und kontaktiere den, um den es angeblich geht unter der Nummer, die du bereits gespeichert hast.

Das Interview führte Saskia Klingelschmitt.

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